ARMAGNAC, Georges d´, französischer Diplomat und Kardinal; Streiter für die Gegenreformation; * um 1500; † 2. Juni 1585 in Avignon. - Georges war der Sohn von Pierre und Fleurette de Luppé und gehörte zur weitverzweigten und schillernden Familie der Comtes von Foix d´Armagnac. Er erhielt am Hof der mit ihm verwandten Marguerite d´Angoulême (Margarete von Navarra), der Schwester von König Franz I., eine exzellente Erziehung und Ausbildung. Georges wurde auf Empfehlung von Marguerite ein Protégé des Kardinal und päpstlichen Legaten in Frankreich, George d´ Amboise (1460-1510; siehe dort). Der Herzog von Alençon führte ihn schließlich am Hof bei König Franz I. ein, der ihn 1529 für den Bischofsstuhl von Rodez vorschlägt. 1530 erfolgte die offizielle Amtseinführung von Georges d´Armagnac als Bischof von Rodez. 1536 bis 1538 war er französischer Botschafter in der Republik Venedig. Auf dipolamtischer Ebene nahm d´Armagnac aktiv am 3. Krieg zwischen Franz I. und Kaiser Karl V. teil. 1538 tat er sich dadurch hervor, daß er den Waffenstillstand von Nizza und den Abzug der spanisch-habsburgischen Truppen aus Südfrankreich aushandelte. König Franz I. ernannte ihn daraufhin zu seinem Botschafter in Rom, wo er am päpstlichen Hof die Interessen Frankreichs vertrat. Sein Botschaftspalast in Rom wurde zu einem Treffpunkt für zahlreiche Künstler und Literaten. 1544 ehrte der Papst d´Armagnac, indem er ihm den Kardinalshut verlieh. Mit Unterbrechungen war d´Armagnac dann bis 1549 Frankreichs Botschafter in Rom. Danach war er wieder in seiner Heimat für Kirche und Krone tätig. 1554 wurde er zusammen mit Paul de Carrets, dem Bischof von Cahors, zum General-Lieutenant des Königs in Toulouse berufen. Acht Jahre später wurde er zum Erzbischof von Toulouse und zum königlichen Statthalter in der Languedoc ernannt. Als solcher bekämpfte er leidenschaftlich die Ausbreitung der Hugenotten. 1565 gab er das Amt des Statthalters auf, als ihn Papst Pius IV. mit dem Kardinal de Bourbon als Legaten nach Avignon berief. 1576 wurde er als Dank für sein gegenreformatorisches Wirken vom Papst zum Erzbischof dieses römischen Enklave im französischen Staatsgebiet ernannt. Als solcher bemühte sich d´Armagnac weiterhin mit großem Eifer, den bedrohten Katholizismus in Südfrankreich zu erhalten. Außerdem war er besonders bestrebt, den französischen Einfluß auszudehnen. 1584 wurde er wieder Erzbischof von Toulouse und taufte in Pau den späteren König Heinrich IV. von Navarra, der die französischen Religionskriege beendet, Frankreich als katholischen Zentralstaat eint und die protestantische Minderheit in die Gesellschaft integriert. 1585 stirbt d´Armagnac in Avignon. - Seine Intelligenz, sein großes Wissen, seine politischen und diplomatischen Fähigkeiten und sein tadelloser Lebensstil machen d´Armagnac zu einem der schillerndsten und redlichsten Vertreter des Katholizismus im Zeitalter der Glaubenskriege. D´Armagnac förderte Kunst und Literatur und baute sich eine der umfangreichsten Bibliotheken Frankreichs auf, für die er zahlreiche griechische und lateinische Manuskripte abschreiben ließ. Sein Briefwechsel mit französischen und italienischen Prominenten sowie seine diplomatischen Berichte sind wichtige Beiträge zur französischen Geschichte des 16. Jahrhunderts.
Lit.: Jean Chenu (1559-1627), Archiepiscoporum et Episcoporum Galliæ chronologica historia, Bourges 1621; - Claude Devic (1660-1734) u. Joseph Vaissete (1685-1756), Histoire du Languedoc, 15 Bde., Toulouse 1730-45 (neu hrsg. v. Auguste Molinier u.a., 15. Bde., Toulouse 1872-1892); - Adrien Salvan, Histoire generale de l'eglise de Toulouse, 4 Bde., Toulouse 1856-61; - Cayre, Histoire des eveques et archeveques de Toulouse, Paris 1873; - Tamizey de Larroque, Lettres inedites du cardinal d'Armagnac, in Revue des Questions Historique 2 (1876), 516-565; 5 (1877), 317-347; - Louis Duchesne, Fastes episcopaux de l'ancienne Gaule, 2 Bde., Paris, 1894/99; - Rey, Le cardinal d'Armagnac co-legat a Avignon (1566-83), d'apres sa correspondance; Annales du midi (Toulouse 1898), 129-154, 273-306; - Klaus Ganzer u. Bruno Steimer (Hrsg.), Lexikon der Reformationszeit, Freiburg 2002, 40-41; - Catholicisme I, 879; - CathEnc I, - DHGE 4, 263-267; - La grande Encyclopédie III, 986.