Verlag Traugott Bautz |
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BALDE, Jakob, Jesuit, neulateinischer Dichter, getauft 4.1. 1604 in Ensisheim (Oberelsaß) als Sohn eines Kammersekretärs, † 9.8. 1668 in Neuburg an der Donau. - B. besuchte das Jesuitengymnasium seiner Vaterstadt und bezog 1620 die Jesuitenuniversität Molsheim im Elsaß. Seit 1622 studierte er in Ingolstadt und begann 1623 nach seiner Promotion zum Magister artium liberalium mit dem Studium der Rechtswissenschaft. Die unglückliche Liebe zu einer schönen Bäckerstochter von Ingolstadt wurde zum entscheidenden Wendepunkt seines Lebens. Als B. an einem Spätabend im Mai 1624 den letzten, aber vergeblichen Versuch machte, in jenem Mädchen durch sein Lautenspiel Gegenliebe zu wecken, drang aus dem nahen Franziskanerkloster der nächtliche Chorgesang der Mönche an sein Ohr. Da faßte er den plötzlichen Entschluß, der Welt zu entsagen, und zerschlug seine Laute mit den Worten: »Cantatum satis est, frangito barbiton.« Am anderen Morgen meldete sich B. beim Provinzial des Jesuitenordens. Trotz mehrerer Abweisungen blieb er fest in seinem Entschluß, der Welt für immer zu entsagen, so daß man ihn am 1.7. 1624 in Landsberg am Lech als Novize in den Jesuitenorden aufnahm. Zwei Jahre später kam B. als Lehrer der klassischen Sprachen und der Rhetorik nach München und 1628 an das Gymnasium in Innsbruck. Seit 1630 studierte er in Ingolstadt Theologie und empfing 1633 die Priesterweihe. 1635-37 war B. Professor der Rhetorik an der Universität Ingolstadt und 1638-40 in München Hofprediger des Kurfürsten Maximilian I. 1640 wurde er unter die Professoren des Ordens aufgenommen. Bis 1650 blieb B. in München und arbeitete als Dichter und Hofhistoriograph. Dann wirkte er als Prediger in Landshut und Amberg, seit 1654 als pfalzgräflicher Hofprediger in Neuburg an der Donau. - B. ist bekannt durch seine lateinischen Dichtungen epischer, satirischer, dramatischer, besonders lyrischer Art. Siegmund von Birken bezeichnete ihn als den deutschen Horaz. Johann Gottfried Herder lenkte in seiner »Terpsichore« (1795/96) durch Übertragung zahlreicher Oden B.s ins Deutsche die Aufmerksamkeit der literarischen Welt auf den bereits vergessenen »Dichter Deutschlands für alle Zeiten«. B.s deutsche Gedichte sind von geringem Wert. - B. war ein Polyhistor ersten Ranges und als Humanist seinen Zeitgenossen überlegen und den großen Humanisten des 16. Jahrhunderts ebenbürtig. B. war Jesuit, aber beseelt von Vaterlandsliebe und milder Gesinnung gegen Andersgläubige.
Dichtungen (Gedichte). Lat. u. dt. In Ausw. hrsg. u. übers. v. Max wehrli, 1963.- Die truckene Trunkenheit. Satyra contra abusum tabaci (lat. u. dt.). Eine aus Jacobi Balde Lat. gedeutschte Satyra oder Straff- Rede wider den Mißbrauch des Tabaks, übers. v. Sigmund v. Birken, hrsg. v. Karl Pörnbacher, 1967.
Lit.: Georg Westermayer, J. B., 1868 (Bibliogr.: 253 ff.); - Peter Baptist Zierler, J. B. als Mariensänger, 1897; - Joseph Bach, J. B., ein rel.-patriot. Dichter aus dem Elsaß, 1904; - Anton Henrich, Die lyr. Dichtungen J. B.s, 1915; - Bernhard Duhr, Gesch. der Jesuiten in den Ländern dt. Zunge II/2, 1913, 450 ff.; - StML 66, 1918, 467 ff.; - Der Jesuitenorden. Eine Enz. aus den Qu. zs.gest. u. bearb. v. Paul v. Hoensbroech, I, Bern 1926, 93 ff.; - Mauriz Schuster, J. B. u. die Horaz. Dichtung, in: Zschr. f. Dt. Geistesgesch. 1, 1935, 194 ff.; - Friedrich-Wilhelm Wentzlaff-Eggebert, Dichtung u. Sprache des jungen Gryphius. Die Überwindung der lat. Tradition u. die Entwicklung z. dt. Stil, 1936, 77 ff.; - DLL I, 244 f.; - Kunigunde Büse, Das Marienbild in der dt. Barockdichtung (Diss. Münster 1956), 1955, 103 ff. 200 ff.; - Richard Newald, Die dt. Lit. v. Späthumanismus z. Empfindssmkeit, 1570-1750, 19634, 252 ff.; - Martin Heinrich Müller, »Parodia Christiana«. Stud. z. J. B.s Odendichtung (Diss. Zürich), 1964; - Sommervogel I, 816 ff.; - MGG I, 1100 f.; - ADB II, 1 ff.; - NDB I, 549; - RE II, 367 ff.; - RGG I, 847; - DHGE VI, 325 ff.; - EC II, 732 f.; - Koch, JL 148 f.; - LM I, 524 ff.; - LThK I, 1203; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 46; - Lex. der Weltlit., hrsg. v. Gero v. Wilpert, I, 1963, 108 f.; - Gisbert Kranz, Europas christl. Lit. v. 1500 bis heute, 1968, 90 ff. 562.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1999
Andreas Heider, Spolia vetustatis,Die Verwandlung der heidnisch-antiken Tradition in Jakob Baldes marianischen Wallfahrten, Parthenia,Silvae II Nr. 3: Münchner Balde-Studien 1, 1999; - Gretchen E. Minton, "Civitas" to congregation. Augustine's two cities and J.B.'s "Image of both churches", in: AuSt 30.1999, S. 237-256; -
2001
Veronika Lukas, Batrachomyomachia. Homers Froschmäusekrieg auf römischer Trompete geblasen von Jakob Balde S.J.: Münchner Balde-Studien 2, 2001; -
2002
Eckard Lefèvre, Diana in Ettal. (J.B. lyr. 3,2 u. Horaz carm. 3,22), in: Alvarium. Münster 2002, S. 245-252; -
2005
Balde und die römische Satire, Neolatina 8, hrsg. von Gèrard Freyburger und Eckard Lefèvre,Tübingen 2005; - Wilfried Stroh, Baldeana. München 2005; - Jakob Balde: Artikel in: Große Bayerische Biographische Enzyklopädie hrsg. von Hans-Michael Körner, Bd. I, 2005; -
2006
J.B. im kulturellen Kontext seiner Epoche. Hrsg. von Thorsten Burkard ... Regensburg 2006; -
2010
Beiträge zu d. "Sylvae" d. neulatein. Barockdichters J.B. Hrsg. von Eckard Lefèvre and Eckart Schäfer. Tübingen 2010.
Letzte Änderung: 09.04.2011