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Band XXV (2006) Spalten 35-38 Autor: Paul Schmidgall

BARRATT, Thomas Ball, Pastor, Evangelist, Gründer der norwegischen Pfingstbewegung, Vater des europäischen Pentekostalismus. Barratt wurde am 22. Juli, 1862, in Albaston, Cornwall, in England geboren und starb 1940. Sein Großvater war ein einflußreicher Methodistenpastor, seine Eltern engagierte Gläubige in dessen Gemeinde. Im Jahre 1867 zog die Familie um nach Varaldsoy, einer Insel in Hardanger, Westnorwegen. T.B. Barratts Vater, Alexander Barratt, hatte auf der Insel als Bergwerksleiter Arbeit gefunden. Als ältester Sohn erhielt Thomas in den Jahren 1874-1878 eine gute Ausbildung am Wesley College in Taunton, England. In dieser Zeit (1874) erlebte Barratt auch seine Bekehrung. B. durchlief eine theologische Ausbildung, studierte aber auch Kunst und Musik. Sein Musiklehrer war der weltbekannte Komponist Edward Grieg. Nach seiner Rückkehr vom Studium half er dem Vater im Bergwerk, engagierte sich aber auch in der Gemeindearbeit. Seine erste Predigt hielt er im Jahre 1880. Im September 1885 ging Thomas nach Christiania (Oslo), um Pastor an der Methodistenkirche zu werden. Für seinen Dienstantritt hatte er Empfehlungen des Bergwerksdirektoren und seines Mentors E. Grieg im Gepäck. Aus dieser Zeit datiert auch ein Brief der Mutter, aus dem klar hervorgeht, daß sie Thomas schon vor seiner Geburt für den geistlichen Dienst versprochen hatte. Nach seinem ersten Jahr im Dienst war er aber einem Zusammenbruch nahe und mußte zur Erholung nach Hause zurückkehren. Nach seiner Genesung nahm er erneut den geistlichen Dienst auf und heiratete am 10. Mai 1887 Laura Jacobsen. Im August 1889 kehrten die Barratts zurück nach Christiania, wo Barratt wieder als Pastor einer Methodistenkirche diente. In dieser Zeit schrieb Barratt verschiedene Lieder und Gedichte und brachte sich in die Stadtmission mit ein. Im Jahre1902 wurde er deshalb auch zum Superintendenten der "Christiania City Mission" ernannt. - Diese Osloer Stadtmission (Bymission) war überkonfessionell angelegt. Die meisten ihrer Mitglieder waren Angehörige der Staatskirche und persönliche Freunde Barratts. Die Zielgruppen der Stadtmission waren Alkoholiker, Arbeitslose und Arme. 1904 gündete er die Zeitschrift "Byposten", die später (1910) in "Korsets Seier" (Sieg des Kreuzes) umbenannt wurde. Im Jahre 1906 war Barratt unterwegs in den USA, um Geld für die Arbeit der Stadtmission zu sammeln. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die folgenden Faktoren das Leben Barratts am eindringlichsten geprägt: 1. Wesleyanischer Methodismus von Westengland, 2. Episkopale Methodistenkirche von Norwegen und den USA, 3. Lutherische Kirche, 4. Anti-Alkoholiker Gesellschaft, 5. Arbeit in der Osloer Stadtmission, 6. D. L. Moody, 7. John und Charles Wesley, 8. R.A. Torrey, 9. Internationale Heilungsbewegung und Farbror Bolzius, 10. Berichte über die Erweckung in Wales. - Während seinem Amerikaaufenthalt im Jahre 1906 kam Barratt mit der Pfingstbewegung in Berührung. Leider war seine Reise aus finanzieller Sicht nicht sehr erfolgreich. Ohne Geld und entmutigt wohnte er deshalb im Missionshaus von A.B. Simpson in New York. Er besuchte Treffen der Heiligungsbewegung und hörte von der Erweckung in Azusa Street, über die er sich per Korrespondenz und durch ihre Zeitschrift "The Apostolic Faith" informierte. Am Sonntag, den 7. Oktober 1906, erlebte Barratt eine "mächtige Salbung" des Heiligen Geistes. Diese Erfahrung dauerte beinahe einen gesamten Tag. Er weinte, legte sich auf den Boden zum Beten, seufzte und zitterte, bis er den wunderbaren Frieden Gottes erlebte. Für Wochen erfuhr Barratt ein "geistliches Hoch". Er wurde erfüllt mit Evangelisationseifer, bezeugte bei vielen Gelegenheiten seine Erfahrung und blieb in Kontakt mit Los Angeles, von wo er den Rat erhielt, im Gebet auszuhalten, bis er die Geistestaufe mit Zungenreden erfahren würde. Barratt hielt aus und erfuhr die Geistestaufe am 15. November 1906: "Ich brach aus in Zungen und habe Gott hoch gelobt in der Kraft des Heiligen Geistes. Diesmal hat nichts das Wirken des göttlichen Geistes gestört, und deshalb stellte sich auch dasselbe äußere Zeichen ein, das auch am Pfingsttage in Jerusalem gehört wurde, Halleluja!" - Am 8. Dezember 1906 kehrte Barratt nach Norwegen zurück und berichtete über seine neuen Erfahrungen. Hierzu beraumte er besondere Treffen an, und am 26. Dezember 1906 redeten Barratt und zumindest noch 16 weitere Personen in Zungen. Journalisten erläuterte er seine Erfahrungen und gab an, daß er in sieben oder acht verschiedenen Sprachen, einschließlich Französisch und Italienisch, gesprochen hätte. Auch sang und tanzte er im Geist. Einige der Mittagsgebete mußten abgesetzt werden, weil sich Nachbarn über den Lärm beklagt hatten. Barratt propagierte die Geistestaufe mit dem Zeichen der Zungenrede und schrieb im folgenden Jahr viel zu diesem und ähnlichen Themenbereichen in verschiedenen Sprachen. - Die Erweckungsveranstaltungen in Christiania erschienen bald auf den Titelseiten der Tageszeitungen. Große Massen wollten diese Veranstaltungen besuchen, so daß die Polizei den Verkehr regeln mußte und sich lange Schlangen von Besuchern vor der Kirche anzustellen hatten. Noch im Jahre 1907 erreichte Barratt und die neu entstandene Pfingstbewegung 51 Städte und Dörfer in Norwegen. Zehn Jahre (1906-16) war Barratt als methodistischer Redner und Schreiber für die Pfingstbewegung aktiv. 1916 verließ er die Methodistenkirche (seine Pastorenpapiere hatte er schon 1907 abgegeben) und gründete die Philadelphiagemeinde in Oslo, in der er bis zu seinem Tode diente. Wegen der geographischen Nähe zu den anderen skandinavischen Ländern hat sich sie Pfingstbewegung auch sehr schnell nach Skandinavien und darüber hinaus auch nach Europa ausgebreitet. Dabei spielten die folgenden Aspekte eine wichtige Rolle: 1. Sensationsorientierte Presseberichte über die Erweckung in Christiania gingen hinaus in die ganze Welt und brachten Journalisten und andere Interessierte nach Oslo. Viele Besucher wurden während ihres Besuchs für die Bewegung gewonnen und nahmen die Botschaft mit zurück in ihr Land. Diesen Ablauf sehen wir am Beispiel Schwedens, aber auch Englands und Deutschlands. 2. Barratt und andere pfingstliche Leiter brachten die Pfingstbotschaft in verschiedene Länder. Bei europäischen Konferenzen übten Barratt und seine Mitarbeiter einen wichtigen Einfluß aus und halfen somit bei der Verbreitung der neuen Botschaft. Auf diese Art und Weise gelangte die Botschaft nach Dänemark, Finnland und in die Schweiz. 3. Barratt verteilte pfingstliche Literatur in verschiedenen Sprachen. Seine Zeitschrift, "Korsets Seier" hat er in den Sprachen Schwedisch, Finnisch, Russisch, Deutsch und Spanisch herausgegeben.- Bloch-Hoell bezeichnet B. zurecht als "Apostel der europäischen Pfingstbewegung.". An seiner Beerdigung sollen 20.000 Personen teilgenommen haben. Leider fehlt trotz der hervorragenden Quellenlage eine Biographie über Barratt.

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Werke: Thomas Ball Barratt, When the Fire Fell, and an Outline of My Life, Oslo, 1927; ders., Aimee Semple McPherson: liv, virke og praedikener, Oslo 1927. Die Literatur von Barratt ist unübersehbar, da er seine Artikel in allen europäischen Pfingstzeitschriften des Anfangs veröffentlicht hat. Von den verschiedenen Pamphleten der Anfangszeit sind in englischer Sprache im Donald Gee Center in England die Folgenden noch zugänglich: 1. A Friendly talk with Ministers and Christian Workers, 2. To Seekers after 'The Promise of the Father', 3. Pentecost for Children, 4. A Call to Pentecost, 5. 'Pentecost' not Hypnotism, 6. The Gift of Prophecy, 7. The Pentecostal Visions of To-Day, 8. The Gift of Tongues: What is it?, 9. 'Tongues' A Reply to Critics, 10. The Twentieth Century Revival. Some facts and General Information, 11. Pentecost with Tongues. Not of the Devil. Die in englischer Sprache abgefaßten 19 Tagebücher sind bei Bloch-Hoell am besten verarbeitet, eine anfängliche Sammlung seiner Werke haben wir bei Hollenweger, 05.21.007, und seine umfassende Korrespondenz ist auszugsweise publiziert durch Lange.

Lit.: Nils Bloch-Hoell, Pinsebevegelsen: En undersokelse av pinse bevegelsens tilblivelse, utvikling og saerpreg med saerlig henblikk pa bevegelsens utforming i Norge, Oslo 1956; - ders. The Pentecostal Movement: Its Origin, Development and Distinctive Character, Oslo 1964 (englische Version des größten Teils des norwegischen Originals); David D. Bundy, Barratt, T.B., in: Dictionary of Pentecostal and Charismatic Movements (DPCM), S.M. Burgess, et al., (Hrsg.), Grand Rapids 1988, 50; - T.E. Dahl und John-Willy Rudolph, Fra seier til Nederlag, Pinsebevegelsen i Norge, 1978; - Walter J. Hollenweger, Handbuch der Pfingstbewegung, Bd 1-10, Genf 1965-67; - S. Lange, T.B. Barratt et Herrens Sendebund, 1962.

Paul Schmidgall

Ein weiter Beitrag über Thomas Ball Barratt

Letzte Änderung: 09.04.2011