Verlag Traugott Bautz |
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BENNO von Meißen, Bischof, Heiliger, † angeblich 16.6. 1106. - Keine geschichtliche Quelle bestätigt den Bericht des Hieronymus Emser, daß B. 1010 in Goslar als Sohn des Grafen Friedrich von Woldenburg geboren und von seinem Verwandten Bernward von Hildesheim erzogen worden sei. B. wird erstmalig bezeugt als Stiftsherr in Goslar. 1066 wurde er Bischof von Meißen. Im Sachsenkrieg Heinrichs IV. (1073-75) und im Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst spielte B. eine unbedeutende Rolle, da er nach dem Bericht des Geschichtsschreibers Lambert von Hersfeld keiner der beiden Parteien weder nützen noch schaden konnte, weil es ihm an Macht, Geld und Einfluß fehlte. Sein Verhalten beiden Parteien gegenüber war unbeständig und treulos. Heinrich IV. nahm B. 1075 gefangen, wenn nicht wegen geheimer Beteiligung im Sachsenaufstand, so doch wegen seiner Unzuverlässigkeit. B. durfte 1076 in sein Bistum zurückkehren, nachdem er dem König aufs neue Treue geschworen hatte. B. aber hielt seinen Eid nicht, sondern beteiligte sich 1077 mit den Gegnern Heinrichs IV. und den Anhängern Gregors VII. an der Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben. Als B. im April 1085 von der Mainzer Synode exkommuniziert und abgesetzt wurde, begab er sich zum Gegenpapst Clemens III., Wibert von Ravenna, der seine 1080 auf der Synode zu Brixen erfolgte Wahl zum Papst Heinrich IV. zu verdanken hatte. B. erlangte von Clemens III. Absolution für sein bisheriges treuloses Verhalten und ein Empfehlungsschreiben an Heinrich IV. und somit sein Bistum zurück. Aber 1097 ging B. wieder zur kirchlichen Partei über, indem er Urban II., der Gregors VII. Politik im Kampf mit Heinrich IV. fortführte, als rechtmäßigen Papst anerkannte. Die Berichte von B.s Missionstätigkeit, seinen Kirchenbauten und seiner Förderung des Kirchengesangs sind legendär. Das Meißener Domkapitel und die Landesfürsten bemühten sich eifrig um B.s Heiligsprechung. Unter Alexander VI. (1492-1503) begannen die Verhandlungen. Man kam nicht recht vorwärts, obwohl Hieronymus Emser mit seiner legendenhaften Biographie B.s (Vita Bennonis, Leipzig 1512) sich für dessen Kanonisierung einsetzte. Die Reformation beschleunigte die Angelegenheit. Hadrian VI. sprach am 31.5. 1523 B. heilig. Am 16.5. 1524 fand die feierliche Erhebung seiner Reliquien statt. Martin Luthers Flugschrift »Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden« hatte einen heftigen Schriftenwechsel zur Folge, von dem nur erwähnt seien des Hieronymus Emser »Antwurt auff das lesterliche buch wider Bischof Beno zu Meissen vnd erhebung der heylige jungst außgegagen« (Dresden 1524) und des Paul Amnicola (s. Bachmann) Schrift »Wyder das wild Geyffernd Eber schwein Luthern, So ... sich vnderstehet mit seynem Rüssel vmbzustossen die Canonizacion Diui Bennonis vnd aller heyligen ehr erbietung zu vertilgen« (1524). B.s Reliquien überließ man 1576 Herzog Albrecht V. von Bayern; sie wurden 1580 in die Münchener Frauenkirche gebracht. - B. ist Schutzpatron von München, Altbayern und der Diözese Meißen und sein Fest der 16. Juni.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2006
Norbert Hupbach, Der Heilige B. Dresden 2006;- St.-Benno-Kalender. Bistum Dresden-Meißen. Jubiläumsausg. 2006. Dresden 2006.
Letzte Änderung: 09.04.2011