BERNHARD I. von Cles: Fürstbischof von Trient und Brixen, Kardinal. geb. 11.3. 1485 auf Schloß Cles im Nonstal, gest. 30.7. 1539 in Brixen. - B., der nach dem Urteil von J. Gelmi »sicher ein Mann von europäischem Format« (Die Brixner Bischöfe in der Geschichte Tirols, S. 127) gewesen ist, wurde als Sohn des Aliprand von Cles und der Dorothea Fuchs geboren. Nach Abschluß seiner Studien zu Bologna erwählte ihn der Fürstbischof von Trient, Georg von Neideck zu seinem Berater. Als dieser 1514 starb, wurde B., 29jährig, am 12. Juni 1514 sein Nachfolger. Papst Leo X. bestätigte die Wahl von B. am 25. Sepember 1514. Vor allem wurde B. bedeutsam als Kanzler Ferdinands I. Er wurde damit zu einer Zentralfigur im Katholizismus Deutschlands während der Zeit der Reformation. Zugleich gilt er als »Förderer des Konzils«. (J. Gelmi) Ihm ist es zu verdanken, daß die rel. Neuerung nicht eigentlich in seine Diözese eingedrungen ist. Bedeutsam erscheinen in diesem Zusammenhang die Visitationsdekrete von 1524, 1531 und 1536. Auch die Visitation von 1537-1538 ist hier zu erwähnen. 1530 war er bei der Kaiserkrönung Karls V. in Bologna als Vertreter Ferdinands anwesend. 1534 war er Kandidat Ferdinands II. für die Papstwahl. Am 13. Juli 1559 übernahm er die Administration von Brixen. Obwohl B. gesundheitlich bereits arg angeschlagen war, entwarf er doch einen Pastoralplan für die Erneuerung der Diözese Brixen. Er versuchte dadurch, alle Spuren der Häresie auszumerzen. Auch in Brixen wollte sich B. als Mäzen betätigen, doch traf ihn der Tod bereits am 30. Juli in Brixen. - In Trient hingegen trat seine ganze Bedeutsamkeit auch als Bauherr im Geiste der Renaissance zu Tage. Allein in Trient ließ er nach Gelmi die Kirche S. Maria Maggiore, die Domkuppel, viele Paläste an der via Belenzani und via Roma bauen. Die Bischofsresidenz des Castel del Buon Consiglio wurde unter ihm erneuert. Auf ihn geht die Kirche von Civezzano und die Erneuerung des Bischofspalastes in Cavalese zurück. - Gelmi berichtet noch weiter: »Trient verdankt diesem Manne ebenfalls einen Stadtbauplan, die Verlegung von Flüssen und ein Stadtrecht. Am Hofe des prachtliebenden Fürsten weilten nicht selten Künstler, Humanisten und Theologen, Erasmus von Rotterdam, mit dem der Kardinal auch korrespondierte. Zahlreiche Gelehrte, wie Johannes Eck, widmeten ihm ihre Schriften. Bernhard von Cles ließ auch eine großartige Bibliothek anlegen, die Archive ordnen und den Codex Clesuanus erstellen, in dem die Rechte und Privilegien der Kirche von Trient gesanmelt wurden.« (Die Brixner Bischöfe in der Geschichte Tirols, S. 125-126). - Wir haben auch Bilder, die seine Persönlichkeit ungemein eindrucksvoll vorstellen: Im Audienzsaal des Castel del Buonconsiglio oder auf der Tafel von Bartholomäus Bruyn dem Älteren (oder einem anderen), um 1531 in der Galleria Nazionale zu Rom.
Lit.: LThK2 Bd. II, Sp. 1234 (I. Rogger); - NDB II 115 f.; - J. Gelmi: Die Brixner Bischöfe in der Gesuhichte Tirols, Bozen 1984, 125-127; - G. Gelmi: Kirchengeschichte Tirol, Innsbruck-Wien-Bozen 1986, 82; - LThK3 Bd. II, Sp. 1232 (I. Rogger); - G. Cristoforetti: La visita pastorale del cardinale Bernardo Clesio alla Diecesi di Trento 1537-1538, Trient 1989; - LThK1 Bd. II, Sp. 988 (A. Dörrer).