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Band I (1990)Spalten 621-622 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

BLESSIG, Jean-Laurent, Theologe, * 29.3. 1747 in Straßburg als Sohn eines Fischhändlers, † daselbst 17.2. 1816. - B. studierte in Straßburg, begab sich auf Studienreisen und wurde 1775 Prediger in Straßburg und 1778 zugleich ao. und 1786 o. Professor in der Philosophischen und 1787 in der Theologischen Fakultät. Er begrüßte anfangs die Französische Revolution, sah sich aber in seinen Erwartungen bald bitter getäuscht. Da B. die Anarchisten bekämpfte, mußte er Anfang 1793 in die Verbannung nach Nancy gehen, durfte aber nach seiner Rückkehr sich auf sein Landgut bei Dorlisheim zurückziehen. Dort wurde er als Gegner der Jakobiner verhaftet und nach Straßburg in das ehemalige bischöfliche Seminar gebracht, wo er jeden Tag damit rechnen mußte, von dem Revolutionstribunal zum Tode verurteilt zu werden. B. erlangte nach 11 Monaten, im November 1794, durch den Sturz Robespierres die Freiheit wieder. Er gehörte mit dem Juristen Christoph Wilhelm Koch und dem Theologen Isaak Haffner zu den führenden Männern des kirchlichen Wiederaufbaus. Ihnen gelang 1802 die Sammlung der Kirchen im Elsaß zu einer Kirche Augsburger Konfession und 1803 die Gründung der »Protestantischen Akademie« in Straßburg, an der B. Professor wurde. Mit Haffner gab er ein neues Gesangbuch heraus, das im Elsaß die größte Verbreitung fand. Seit 1804 war B. auch Mitglied der Kirchenbehörde und entfaltete ebenfalls eine segensreiche Wirksamkeit auf dem Gebiet der öffentlichen Wohlfahrt als Mitglied der philanthropischen Gesellschaft und als langjähriger Vorsteher der Privat-Armen-Anstalt. 1815 gründete er die Straßburger Bibelgesellschaft. - B. war rationaler Supranaturalist mit mystischem Einschlag und ein hervorragender Prediger.

Werke: Origenis philosophiae apud Romanos, 1770; Vorlesungen z. prakt. Seelenlehre, 1785; Predigten bei dem Eintritt in das 19. Jh., 1808 (18162); Nachgelass. Predigten auf alle Sonn- u. Festtage des J., 2 Bde., 1826.

Lit.: Johann Georg Dahler, Memoria viri maxime reverendi J. L. B., 1816; - P. Petersen, Erinnerungen an B.s Glauben u. Liebe, 1817; - Karl Mar. Fritz, Leben des Dr. J. L. B., 2 Bde., 1819 (I, 336 ff.: Bibliogr.); - Fr. Riff, Das Vater Unser oder Dr. B. während der Schreckenszeit, 1883; - A. Fröhlich, Dr. J. L. B., ein Vorkämpfer des rel. Liberalismus im Elsaß, 1891; - E. Hertzog, J. L. B., 1902; - Ch. Th. Gérold, La Faculté de Théologie et le Séminaire Protestant de Strasbourg (1803-72), 1923, 16 ff.; - RE III, 257 ff.; - RGG I, 1320 f.; - Fr. Edouard Sitzmann, Dictionnaire de Biographie des Hommes Célèbres d'Alsace I, Rixheim (Elsaß) 1909, 172 f.; - DBF VI, 668 f.; - NDB II, 300.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 24.06.2008