Verlag Traugott Bautz |
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BORA, Katharina von, Martin Luthers Gattin, * 29.1. 1499 auf dem Gut Lippendorf, in der Nähe von Kieritzsch bei Borna (Grafschaft Meißen), † 20.12. 1552 in Torgau. - K. v. B. hatte drei Brüder, verlor aber 1505 ihre Mutter, Katharina von Haubitz. Mit fünf Jahren kam sie nach Brehna bei Bitterfeld in die Klosterschule der Benediktinerinnen und mit zehn Jahren nach Nimbschen bei Grimma in das Zisterzienserinnenkloster Marienthron, weil Hans v. B., der in seiner Gutswirtschaft stark verschuldete, seine Tochter zur Nonne bestimmt hatte, um sie auf diese Weise zu versorgen. K. v. B. wurde mit der reformatorischen Bewegung und Luthers Schriften bekannt und zählte zu den Nonnen, die fest entschlossen waren, das Kloster zu verlassen, und sich darum an Luther wandten. In der Nacht vom 4. zum 5.4. 1523 entkam K. v. B. mit 11 Nonnen ihres Klosters auf dem mit leeren Bierfässern, Heringstonnen und Kisten beladenen Planwagen des Torgauer Kaufmanns und Ratsherrn Leonhard Koppe, der sich auf Luthers Bitte bereit erklärt hatte, den Nonnen zur Flucht zu verhelfen. K. v. B. fand vorläufig in Wittenberg Zuflucht in der Familie des Stadtschreibers Philipp Reichenbach, in der sie Hieronymus Baumgartner aus Nürnberg kennenlernte. Er versprach ihr die Ehe, zog sich aber von ihr zurück, als ihm die reiche Sippe die Enterbung androhte, falls er die flüchtige Nonne heiraten würde. K. v. B. lehnte entschieden ab, als Luther sie mit dem Theologieprofessor Kaspar Glatz in Orlamünde verheiraten wollte, damit sie versorgt sei. Sie gab Luther freudig ihr Jawort, als er sich im Bauernkrieg trotz Acht und Bann zum Eintritt in den Ehestand entschloß, nicht aus Leidenschaft oder in der Absicht, sich ein behagliches Heim zu gründen, sondern um noch vor seinem Tod, mit dem er wegen seines Gesundheitszustandes ernsthaft rechnete, angefochtenen Priestern, Mönchen und Nonnen zu zeigen, daß es recht sei, das vom Gewissen nicht mehr bejahte Keuschheitsgelübde zu brechen. K. v. B. wurde am 13.6. 1525 im Schwarzen Kloster in Gegenwart des Justus Jonas, des juristischen Professors Apel und des Malers und Ratsherrn Lukas Cranach durch den Stadtpfarrer Johann Bugenhagen Luther angetraut, der auf den 27.6. eine größere Feier mit einem Hochzeitsmahl festsetzte, an der auch seine Eltern teilnahmen. K. v. B. war ihrem Gatten eine rechte Gehilfin und Stütze, eine tüchtige Hausfrau und treusorgende Mutter ihrer Kinder, von denen zwei früh starben: Elisabeth (* 10.12. 1527, † 3.8. 1528) und Magdalena (* 4.5. 1529, † 20.9. 1542), während die übrigen die Eltern überlebten (Johannes, * 7.6. 1526, Dr. jur., † 1575 in Königsberg im Dienst Albrechts von Preußen; Martin, * 9.11. 1531, Pfarrer in Wittenberg, † 3.5. 1565; Paul, * 28.1. 1533, Leibarzt des sächsischen Kurfürsten, † 1593 in Leipzig; Margarete, * 17.12. 1534, Gattin des ostpreußischen Edelmanns von Kunheim, † 1570). Luther hatte K. v. B. in seinem Testament zur Erbin seines Besitzes eingesetzt; aber beim Antritt ihres Erbes 1546 wurden ihr die größten Schwierigkeiten gemacht, besonders von dem ihr nicht wohlgesinnten Kanzler Gregor von Brück. Da nach damaligem Recht nicht nur die Kinder, sondern auch die Witwen einen Vormund haben mußten, sollten ihr die Söhne entzogen und Fremden zur Erziehung übergeben werden. In ihrem Kampf um ihr Recht und ihre Kinder fand sie in Johann Friedrich dem Großmütigen einen starken Verbündeten: er bestätigte das Testament und bestimmte, daß die Söhne bei der Mutter blieben. Während des Schmalkaldischen Krieges flüchtete K. v. B. im November 1546 für kurze Zeit nach Magdeburg und Ende April 1547, als Karl V. bei Mühlberg auf der Lochauer Heide die Entscheidungsschlacht gewann, wiederum nach Magdeburg und von dort nach Braunschweig, von wo sie nach Wittenberg zurückkehrte. Sie erlebte schwere Jahre der Sorge um das tägliche Brot und die Erziehung und Ausbildung der Kinder. Als im September 1552 die Pest auch im Schwarzen Kloster ausbrach, reiste K. v. B. mit ihren Kindern nach Torgau. Unterwegs scheinen die Pferde, und der Wagen drohte umzustürzen. Da sprang sie heraus, fiel aber hart zu Boden und stürzte in den Graben, der voll Wasser war. Krank und elend kam K. v. B. in Torgau an und erholte sich nicht wieder. Margarete pflegte treu ihre infolge innerer Verletzung und Erkältung teilweise gelähmte Mutter.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1987
Janusz Tondel, Ein Dedikationsexemplar d. K. Lutherin f.d. Herzogin Dorothea von Preussen, in: ARG 78.1987, S. 346-350; -
2005
Ursula Sachau, Das letzte Geheimnis. München 1991. Lizenzausg. Augsburg 2005; -
2008
Roland Degen, Leben als Risiko. K.v.B., die Lutherin, in: JRP 24.2008, S. 184-189; - Elisabeth Stiefel, Mein Herr Käthe. K.v.B.s Leben an d. Seite Luthers. Marburg 2008; -
2010
Susan Hastings, Wahre Geschichten um Luthers emsiges Weib. Taucha 2010; - Elke Strauchenbruch, Luthers Kinder. Leipzig 2010; -
2011
Ursula Koch, Rosen im Schnee. Katharina Luther, geborene von Bora - eine Frau wagt ihr Leben. 15. Aufl., 1. Tachenbuchaufl. Giessen 2011.
Ein weitere Beitrag über KATHARINA VON BORA
Letzte Änderung: 09.04.2011