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Band XXXI (2010) Spalten 191-193 Autor: Daniel Carlo Pangerl

BRASSART, Johannes, Leiter der Hofkantorei Friedrichs III., geb. um 1405 in Loweige bei Tongern (Diözese Lüttich), gest. nach dem 7.2. 1445. - Johannes Brassart wirkte von 1422 bis 1431 als "cantor" an der Kirche St. Jean l'Evangéliste in Lüttich, daneben von 1428 bis 1431 in derselben Funktion auch an der Lütticher Domkirche St. Lambert. Eine im Original erhaltene Liste vom 1. August 1431 nennt Brassart als einen der damals neun "cantores" der päpstlichen "capella" an letzter Stelle und belegt somit seine Tätigkeit für Papst Eugen IV. (1431-1447). Nach einer kurzen Rückkehr in seine belgische Heimat war Brassart im Jahre 1433 als "cantor" auf dem Konzil von Basel tätig, wo er Kaiser Sigismund (1410-1437) kennen lernte. Im Jahre 1434 wurde Brassart auf Veranlassung des Luxemburgers Mitglied in dessen Hofkantorei, zu deren "cantor principalis" er drei Jahre darauf, kurz vor Sigismunds Tod, ernannt wurde. In derselben Position eines "cantor principalis" wirkte Brassart auch während der Regierungszeit König Albrechts II. (1438-1439) in dessen Hofkantorei. In der Partitur der vierstimmigen Trauermotette "Romanorum rex inclyte" anläßlich des Ablebens Albrechts II. am 27. Oktober 1439 wird Brassart als erster unter den ausführenden Sängern genannt, mit großer Wahrscheinlichkeit hat er die Motette auch selbst komponiert. - Eine Tätigkeit Brassarts für Friedrich III. (1440-1493) ist ab Jahresbeginn 1440 gesichert, als er anläßlich der Königswahl Friedrichs am 2. Februar 1440 eine vierstimmige Huldigungsmotette mit dem Titel "O rex Friderice, in tuo advento" verfaßte. Kurze Zeit darauf wurde Brassart von Friedrich III. zum "magister capellae" seiner Hofkantorei ernannt. Brassart war der erste und zugleich einzige bekannte Leiter der Kantorei Friedrichs III. Etwa zur gleichen Zeit übernahm Brassart auch eine Stelle als Kanoniker an der Marienkirche zu Tongern. Eine Tätigkeit Brassarts für Friedrich III. kann aufgrund eines Briefes des Königs an den Bischof Johann VIII. von Lüttich (1419-1455) bis zum Ende des Jahres 1443 nachgewiesen werden. Mit diesem Schriftstück von Anfang Dezember 1443 ersuchte Friedrich III. den besagten Bischof, denjenigen Sängern der königlichen "capella", die aus der Diözese Lüttich stammten, Benefizien zu verleihen. In diesem Brief wird Brassart von Friedrich III. als "capelle nostre cantor principalis" bezeichnet. Kurz darauf quittierte Brassart aus nicht überlieferten Gründen seinen Dienst als "magister capellae" Friedrichs III. und kehrte endgültig in seine Heimat zurück. Die letzten Jahre seines Lebens liegen im Dunkeln. Das letzte Dokument, in dem Brassarts Name genannt wird, stammt aus Tongern und datiert auf den 7. Februar 1445. Vermutlich verstarb Brassart noch im selben Jahr. - Johannes Brassart stellt sowohl unter dem Kriterium seiner nationalen Herkunft als auch unter demjenigen seiner kompositorischen Stilistik einen Vertreter des franko-flämischen Musikstils dar. Dieser Musikstil besaß von 1400 bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die musikalische Vormachtstellung in Mitteleuropa und wurde insbesondere von Gilles Binchois (um 1400-1460), Guillaume Dufay (um 1400-1474), Johannes Ockeghem (um 1410-1497), Josquin Desprez (um 1440-1521) und Heinrich Issac (um 1450-1517) repräsentiert, die alle aus den heutigen Niederlanden oder Belgien stammten. Von Brassarts Kompositionen haben sich insgesamt 32 erhalten. Bei diesen handelt es sich ausschließlich um drei- oder vierstimmige Vokalmusik, während hingegen von Brassart keinerlei Instrumentalmusik überliefert ist. Mit einer Ausnahme sind alle vertonten Texte in lateinischer Sprache verfaßt. Unter Brassarts Kompositionen befinden sich zehn Meßsätze, acht Introiti sowie die beiden bereits erwähnten Motteten "Romanorum rex inclyte" und "O rex Friderice, in tuo advento". Sämtliche seiner bekannten Kompositionen sind in den zwischen 1439 und 1470 entstandenen Trienter Codices überliefert. Früher wurde vermutet, daß die Trienter Codices am Wiener Hof Friedrichs III. niedergeschrieben wurden, nach heutigem Forschungsstand ist jedoch Trient als Entstehungsort anzusehen.

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Werkausgabe: Johannes Brassart, Opera omnia 1-2, hrsg. von Keith E. Mixter, New York 1965-1971.

Lit.: Rudolf Wolkan, Die Heimat der Trienter Codices. In: Denkmäler der Tonkunst in Österreich 8 (1901), 5-7; - Hellmut Federhofer, Graz. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart 2, hrsg. von Friedrich Blume, Berlin 1952, 730; - Joseph Schmidt-Görg, Brassart. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart 2, 223-225; - Hellmut Federhofer, Die Niederländer an den Habsburgerhöfen. In: Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 93 (1956), 102-120; - Keith E. Mixter, Brassart. In: The New Grove. Dictonary of Music and Musicians 3, hrsg. von Stanley Sadie, London 1980, 208-209; - Paul-Joachim Heinig, Musik und Medizin am Hof Kaiser Friedrichs III. (1440-1493). Studien zum Personal der deutschen Herrscher im 15. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Historische Forschung 16 (1989), 151-181; - Gerhard Watterskircher, Musik als "Ars nova". Musiktheorie und Musikpraxis zur Zeit Friedrichs III. In: Kaiser Friedrich III. Innovation einer Zeitenwende, hrsg. von Willibald Katzinger, Ausstellungskatalog Linz 1993, 48-54; - Christian Berger, Die Bedeutung der Trienter Codices in der Geschichte Tirols. In: Musikgeschichte Tirols 1, hrsg. von Kurt Drexel, Innsbruck 2001, 616-627.

Daniel Carlo Pangerl

Letzte Änderung: 09.04.2011