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Verlag Traugott Bautz
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BRICONNET, Guillaume, Bischof von Meaux, * 1470 in Paris als Sohn des Finanzministers Guillaume B., der 1514 als Kardinal und Erzbischof von Narbonne starb, † 24.1. 1534 in Aimans bei Montereau (Burgund). - B. studierte in Navarra Theologie und wurde 1489 Bischof von Lodève und 1507 Abt von St. Germain-des-Prés in Paris. Mit seinem Vater und seinem Bruder, der Bischof von Toulouse war, nahm er 1511 an dem Konzil zu Pisa teil. Franz I. ernannte B. 1516 zum Bischof von Meaux. Zwei Jahre hielt er sich als königlicher Gesandter in Rom am Hof Leos X. auf. B. war um die religiöse und sittliche Reform seiner Diözese ernstlich bemüht. Seit 1521 fanden Jacques Lefèvre d'Etaples (s. Faber Stapulensis), der sein Lehrer war und nun sein Generalvikar wurde, Wilhelm Farel, Gérard Roussel und andere verfolgte »Luthériens« in Meaux eine Zuflucht und wurden von B. beauftragt, in 32 Stationen seines Bistums das reine Wort Gottes zu predigen und französische Übersetzungen der Evangelien und Episteln für die Sonn- und Festtage unter dem Volk zu verbreiten. Eine tatkräftige Gönnerin der Evangelischen war die Schwester des Königs, Margarete von Alençon (später Königin von Navarra), die 1521-24 mit B. einen regen Briefwechsel unterhielt. Als Farel den Kampf gegen Rom eröffnete, verbot ihm der Bischof das Predigen, um nicht in den Verdacht zu geraten, er schütze ketzerische Lehrer. 1523 verdammte B. auf der Synode zu Meaux Luthers Lehre von der Kirche und dem allgemeinen Priestertum und verbot das Lesen und den Verkauf seiner Schriften, fuhr aber fort mit der Verbreitung französischer Übersetzungen des Psalters und der Evangelien. Obwohl B. in seinem Bemühen um die Durchführung seiner kirchlichen Reform weise und vorsichtig vorging, verklagten ihn 1525 die Franziskaner, so daß das Pariser Parlament eine Untersuchungskommission nach Meaux entsandte. Diese verhörte viele Leute, verurteilte Lefèvres Bibelübersetzung und verbot allen fremden Predigern die Wortverkündigung. Lefèvre und seine Freunde flohen nach Straßburg und Basel, und B. mußte sich rechtfertigen. Während der Gefangenschaft des Königs in Madrid nahmen die Franziskaner den Prozeß gegen den Bischof wieder auf. Aus Angst löste B. alle Verbindung mit den »Luthériens«, gab jeden Reformationsversuch auf und schrieb dem Parlament einen demütigenden Brief, so daß 1526 der Prozeß gegen ihn eingestellt wurde. 1528 nahm B. an der Synode von Paris teil, die die Lehren Luthers verdammte und die weltliche Obrigkeit gegen die Ketzer aufrief.
Lit.: Samuel Berger, Le procès de G. B., in: Bulletin de la Société du Protestantisme français, 1900; - P. Imbart de la Tour, Les origines de la Réforme. III: L'évangélisme, Paris 1914, 110 ff. 150 ff.; - John Emmanuel Viénot, Histoire de la Réforme française des origines à l'Edit de Nantes, 1926, 45 ff. 56 ff. 65 ff.; - DBF VII, 286 f.; - DHGE X, 679 ff.; - EC III, 89 f.; - RE III, 396 ff.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2005
Bernard Chevalier, G.B. (v 1445-1514). Un cardinal-ministre au début de la Renaissance. Rennes 2005.
Letzte Änderung: 27.01.2010