BROCKHAUS, Carl, Führer und Gestalter der »Brüderbewegung« (des Darbysmus) in Deutschland, * 7.4. 1822 in Himmelmert bei Plettenberg (Westfalen) als Sohn eines Lehrers, † 9.5. 1899 in Elberfeld. - B. besuchte das Lehrerseminar in Soest (Westfalen) und wurde mit 20 Jahren Lehrer in Breckerfeld (Sauerland). Nach hartem Ringen drang er im Dezember 1845 zur Heilsgewißheit durch und hielt nun mit Genehmigung der beiden dortigen Pfarrer Bibelstunden in der Schule und den umliegenden Gehöften. 1848 siedelte B. nach Elberfeld über als Hauptlehrer der zweiklassigen Schule am Neuenteich. Seine Freizeit verwandte er zu Hausbesuchen, die ihm in jenen Tagen der Revolution und der Choleraepidemie ein wertvoller Ersatz seiner früheren Bibelstunden waren, die man ihm hier in der Berufungsurkunde untersagt hatte. B. beteiligte sich 1848 an der Gründung der »Evangelischen Gesellschaft« in Elberfeld und 1849 an der des »Elberfelder Erziehungsvereins«, dessen Aufgabe es sein sollte, verwahrloste Kinder unterzubringen. Er gründete die Zeitschrift »Kinderbote« und übernahm die Schriftleitung, bis ihn sein Bruder Wilhelm darin ablöste. B. wurde Schrift- und Geschäftsführer des 1850 in Elberfeld gegründeten »Evangelischen Brüdervereins« (s. Grafe, Hermann Heinrich) und gab bald seinen Lehrerberuf auf. Er wurde mit dem in St. Croix (Schweizer Jura) für den Darbysmus gewonnenen Musterzeichner Heinrich Thorens in Elberfeld näher bekannt, der entscheidenden Einfluß auf ihn ausübte. Nun vertrat B. im Brüderverein die darbystische Lehre von der Vollkommenheit, so daß es zu Auseinandersetzungen kam. Er schied am 11.12. 1852 mit mehreren Mitarbeitern aus dem Brüderverein aus. B. warb in weiten Kreisen des reformierten Westens erfolgreich für die »Brüderbewegung« und entfaltete eine überaus rege und ausgedehnte Reisetätigkeit. 1856 trat er aus der Kirche aus. B. ist der geistige Baumeister des deutschen Darbysmus. Nicht John Nelson Darby, sondern B. hat der »Brüderbewegung« in Deutschland das Gepräge gegeben, die z. B. durch ihn zu der Taufe der Gläubigen überging, während Darby in England an der Kindertaufe festhielt. Mit J. N. Darby, Julius Anton von Poseck und Hermann Kornelius Voorhoeve arbeitete B. mit an der Bibelübersetzung der »Brüderbewegung«, von der das Neue Testament bereits 1855 und die Psalmen 1859 erschienen, während die Gesamtausgabe erst 1871 herausgebracht werden konnte. Diese »Elberfelder Bibel« ist eine schätzenswerte Arbeit, bei der man in dem Bemühen, den biblischen Text Wort für Wort in die deutsche Sprache zu übertragen, eine peinlich-kleinliche Genauigkeit in der Wiedergabe des Grundtextes erzielt hat. Bekannt wurde B. auch als Liederdichter. 63 Lieder des darbystischen Eigenguts stammen von ihm, die meist sein Bruder Wilhelm vertont und mit Volksweisen versehen hat.
Gab heraus: Botschafter des Heils (Mschr.); Kl. Smlg. geistl. Lieder, 1853 u. 1858/59; Ausl. einzelner Bibelteile v. Darby; viele Erbauungsschrr.
Lit.: Fr. Koch, Der Ev. Brüderver. 1850-1900, 1900; Ernst Eylenstein, K. B. Ein Btr. z. Gesch. der Entstehung des Darbysmus in Dtld., in: ZKG 47, 1928, 275 ff.; - Richard Schmitz, Heinrich Neviandt. Ein Lb., 1926; - Gustav Ischebeck, John Nelson Darby, 1929; - Peter v. Gebhardt, Gesch. der Familie B. aus Unna in Westf., 1928; - Walther Hermes, Hermann Heinrich Grafe u. seine Zeit. Lebens- u. Zeitbild aus den Anfängen der westdt. Gemeinschaftsbewegung, 1933; - Friedrich Hauß, Väter der Christenheit III, 1959, 293 ff.; - NDB II, 627; - RGG I, 1420.