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Band XXIV (2005) Spalten 366-369 Autor: David Berger

BROWNE O.P., Michael. Kardinal, päpstlicher Hoftheologe und Thomist; * 6.5. 1887 in Grangemokler (Irland), † 31.5. 1971 in Rom. - Am 6. Mai 1887 im irischen Grangemokler (Diözese Waterford/Grafschaft Tipperary) als David B. geboren und in einer streng katholischen Familie aufgewachsen, besuchte B. zunächst das Rockwell College in Irland, um dort seine gymnasialen Studien zu absolvieren. Nach seinem Eintritt in den Predigerorden mit 16 Jahren (Profeß 1904) studierte er zunächst Philosophie im Studienhaus seines Ordens in Tallaght, dann Theologie an der Ordenshochschule "Angelicum" in Rom. Am 21. Mai 1910 empfing er die Priesterweihe. Nach Abschluß seines regulären Studienganges absolvierte er ein Zusatzstudium an der Universität Freiburg in der Schweiz, wo neben anderen der bekannte Apologet Albert M. Weiß und Norberto Del Prado seine Lehrer waren. 1915 kehrte er in seine Heimat zurück, wo er bis 1919 als Novizenmeister sowie Dozent für Exegese und Moraltheologie in Tallaght tätig war. 1919 wurde er zum Philosophieprofessor nach Rom an das "Angelicum" berufen. Daneben nahm er auch einen Lehrauftrag an der Lateranuniversität wahr. Im Jahr 1923 erarbeitete er zusammen mit Kardinal Andreas Frühwirt dessen bekanntes, von Papst Benedikt XV. gewünschtes Memrandum in der Skotusfrage. Von 1932 bis 1941 war er Rektor Magnificus am "Angelicum". 1941 bis 1951 fungierte er als Prior von S. Clemente (Rom) und Theologieprofessor am "Angelicum". 1951 berief ihn Papst Pius XII. zum "Magister sacri palatii" (heute: Theologe des päpstlichen Hauses). B. war der erste Nichtitaliener, der in dieses Amt berufen wurde. Ein Jahr später erfolgte auch die Ernennung zum Theologen des Päpstlichen Staatssekretariats. Am 11. April 1955 wurde B. zum Generalmeister seines Ordens gewählt. Er war der erste Ire in der Geschichte des Predigerordens, der dieses Amt innehatte. Während seiner Regierungszeit erfolgten die Wiederbelebung der Dominikanerprovinzen in Mexiko und Portugal sowie die Neugründung der Dominikanerprovinz des hl. Thomas in Belgien. Außerdem richtete er vier ständige Kommissionen für Observanz, Studium, Apostolat und Wirtschaft im Orden ein. Am 19. März 1962 erfolgte seine Erhebung zum Kardinal durch Papst Johannes XXIII., auf den B. durch seine tiefe Liebe zur Wahrheit und seine Klugheit großen Eindruck gemacht hatte. Am 19. April 1962 wurde er vom Papst zum Titularerzbischof von Idebesso geweiht. Neben seinen Hauptaufgaben war B. auch als Konsultor verschiedener Kongregationen der päpstlichen Kurie tätig. Unter Papst Pius XI. wurde er zum Mitglied, 1965 durch Papst Paul VI. zum Präsidenten der Päpstlichen Thomasakademie ernannt. Damit fand er auch seine stete Überzeugung von der einzigartigen Vorrangstellung der Lehre des hl. Thomas von Aquin in Philosophie und Theologie, für die er in vorangegangenen Kontroversen immer wieder energisch eingetreten war, bestätigt. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) war B. ein wichtiger Mitarbeiter der "Antepraeparatoria" sowie der vorbereitenden Kommission für Lehrfragen. Während des eigentlichen Konzils war er Vizepräsident der theologischen Kommission unter Führung von Kardinal Alfredo Ottaviani und galt, neben den Kardinälen Siri, Larraona, Santos, Ottaviani und Ruffini als wichtigster Vertreter des "Coetus Internationalis Patrum", der die konservativen Minoritätsansichten vertrat. Auch hier zeigte sich sein thomistisch motivierter, energischer, intransigenter Einsatz für die Wahrheit. Seine Sekretäre, die Dominikaner Capaccio und Venchi erinnern sich, daß er sehr häufig den Satz wiederholte: "Praesertim nos sacerdotes et domini Papae consiliarii, debemus solum et semper stare pro Veritate, supra et extra alia quaecumque." Entsprechend dieser Devise trat er im Konzilsgeschehen auf beeindruckende und wortgewaltige Weise immer wieder für die von der theologischen Kommission vorbereiteten Texte ein und wurde zu einem der bedeutendsten Kritiker des vom Sekretariat für die Einheit der Christen unter Kardinal Bea ausgearbeiteten Entwurfs über die Religionsfreiheit. Auch wenn für ihn immer das Wort des hl. Patricius "Ut christiani, ita et romani sitis" galt, so blieb er doch zeitlebens seiner irischen Heimat eng verbunden. Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem irischen Premierminister und Staatspräsidenten Eamon De Valera (1882-1975). Eine seiner letzten Aufgaben bestand darin, daß er als Kardinalrelator in der Causa der Verleihung des Kirchlehrertitels an die hl. Catharina von Siena, die kurz vor seinem Tod mit Erfolg gekrönt war, fungierte. Am 31. Mai 1971 verstarb der Kardinal in der Ewigen Stadt. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde er im Dominikanerkonvent zu Tallaght (Dublin) beigesetzt.

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Werke (Auswahl): Der erste internationale thomistische Kongreß, in: Divus Thomas (F) 3 (1925) 501-506; Elucidatio doctrinae S. Thomae de veritate Sensationis, in: Angelicum 6 (1929) 241-252; Adnotationes in doctrinam S. Thomae De veritate simplicis apprehensionis, in: Angelicum 8 (1931) 53-60; Quomodo disponi potest tractatus criteriologiae?, in: Angelicum 8 (1931) 69-75; De modo intrinseco libertatis manente in voluntate humana physice praemota, in: Angelicum 9 (1932) 482-494; Circa intellectum et eius illuminationem apud S. Albertum Magnum, in: Angelicum 9 (1932) 186-202; De intellectu et voluntate in electione. Acta Pont. Academiae Romanae S. Thomae Aquinatis et Religionis Catholicae, nova series, vol. II, Turin 1936; Preface, in: D.D. Mould, The Irish Dominicans, Dublin 1957; Preface, in: James A. Weisheipl (Hrsg.), The dignity of science, Washington 1961; (Hrsg.), Symposium theologicum de Ecclesia Christi, Rom 1962; Ai sacerdoti, Neapel 1969.

Lit.: Angelus Walz, Andreas Kardinal Frühwirt (1845-1933), Wien 1950, 392-393; - Anon., P. Michael Browne der 80. Nachfolger des heiligen Dominikus, in: Die ewige Weisheit 2 (1955) 2-3; - Philippus Capaccio & Innocentius Venchi, Obitus venerabilis fratris Michaelis Browne, in: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum 78 (1978) 161-163; - Anon., Tod von Michael Kardinal Browne. Ehemaliger Generalmeister des Ordens, in: Informazioni Domenicane Internazionali 3 (1972) 965; - Raimondo Ciappi, Un ricordo del Cardinale Michele Browne nel primo centenario della nascita, in: Osservatore Romano, 26.05.1988; - Giuseppe Alberigo, Michael Browne, in: 3LThK II (1994) 707-708; - Joseph A. Komonchak, Der Kampf für das Konzil, in: Giuseppe Alberigo (Hrsg.), Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils, Bd. I, Mainz 1997, 189-401 (einseitig); -Daniele Penone, I Domenicani nei secoli. Panorama storico dell'Ordine dei Frati Predicatori, Bologna 1998, 416; - David Berger, In dulcedine societatis, quaerere veritatem. Zur Geschichte der Päpstlichen Akademie des hl. Thomas von Aquin, in: Doctor Angelicus 2 (2002) 162-169.

Photographie: Analecta Sacri Ordinis Fratrum Praedicatorum 70 (1962) 763.

David Berger

Letzte Änderung: 09.04.2011