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Band XXIV (2005) Spalten 370-373 Autor: Hiram Kümper

BUCH (buck, bock, boek, boich), Johann (henning) von, Rechtsgelehrter, * um 1290 in Buch (bei Tangermünde), † nach 1356. - J. ist uns als Verfasser der (ersten) Glosse zu Eike von Repgows (vgl. BBKL XXIV) Sachsenspiegel sowie des Richtsteig Landrechts (in einer Reihe von Handschriften auch als "schevecloet" bzw. "schedeclot" bezeichnet) bekannt. Daß Glosse und Richtsteig denselben Verfasser teilen, ergibt sich aus den Prologen: V. 272 der Glossenprologs lautet: "du salt lan de vrage din, we si der glose dichter" und in der Vorrede zum Richtsteig: "in deme apparate der glosen, de wi darover gesat hebben" (Homeyer 1857, S. 84). In beiden Werken tauchen auch Siegfried und Konrad von Buch, "mines vader bruder" (Glossenprolog, V. 152), auf, die wiederum "des wunderliken hern Janes kinder von Boek" (Homeyer 1857, S. 83) sind. Damit läßt sich der Verfasser als Enkel der Johann von Buch d. Ä., genannt "mirabilis" (wunderlik), ausmachen. Dessen Sohn Nikolaus von Buch († 1314) war Truchseß Markgraf Waldemars von Brandenburg und J.s Vater. Über den Stand, den Grupen (1764) in seiner Ausgabe des Holländischen Sachsenspiegels gab, ist auch die gegenwärtige Forschung kaum hinaus getreten. Die Familie von Buch stammt aus der namensgebenden Ortschaft Buch bei Tangermünde in der Altmark und ist durch mehrere Generationen als Dienstmannen der wittelsbacher Markgrafen von Brandenburg belegt. Auch J. trat früh in den Dienst des Markgrafen, man kann ihn als "frühen Typus des landesherrlichen Beamten" (Liermann 1955, S. 697) bezeichnen. Dem gingen juristische Studien, mit großer Wahrscheinlichkeit in Bologna, voraus, wobei Knod (1899, Nr. 504) noch zur Identifizierung des fraglichen Matrikeleintrages mit einem Havelberger Domprobst anstelle des Glossators neigte (vgl. Schmutz 2000, Nr. 1889). Zwischen 1333 und 1340 erscheint J. als consiliarius, secretarius und Judex generalis curie (Hofrichter) der Markgrafen Ludwig von Brandenburg, zwischen 1335 und 1340 als capitaneus generalis (Hauptmann) der Mark Brandenburg. Seit 1339 wird er als nobilis vir, her von Garsedow genannt; mit den von J. der Familie verschafften Lehen und Pfandschaften geht nun also auch eine Standeserhöhung einher. Bereits seit 1327 ist J. mehrfach als wohlhabender Mann urkundlich bezeugt. Diesen Status scheint er später, in den Auseinandersetzungen um Jakob Rehbock den sog. "falschen Waldemar" († 1356) eingebüßt zu haben, 1344 wird er noch als Küchenmeister, später nur noch ohne Amtsbezeichnung erwähnt. Nach 1356 findet sich keine urkundliche Erwähnung J.s mehr. Keines der beiden ihm zugeschriebenen Werke ist in einer eindeutig als Stammhandschrift identifizierbaren, datierten Form überliefert: Für die erste Fassung der Sachsenspiegel-Glosse wird trotz der vehementen Kritik von Pötschke (1990) noch immer 1325 als terminus ante quo angenommen. Für den Richtsteig Landrechts wird ein Entstehungszeitraum nach diesem Zeitpunkt und vor 1333/34 anzunehmen sein, da zu jener Zeit J. die Beziehung zu Herzog Otto von Braunschweig, der in beiden Werken genannt wird, löste. Die ältesten beiden Handschriften liegen von 1359 vor.

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Werke: Frank-Michael Kaufmann (Hrsg.): Glossen zum Sachsenspiegel-Landrecht. Buch'sche Glosse (MGH Font. Iur. Germ. Ant. N. S. VII), 3 Bde., Hannover 2002; Carl Gustav Homeyer: Der Richtsteig Landrechts nebst Cautela und Premis, Berlin 1857; Emil J. H. Steffenhagen (Hrsg.): Die Landrechtsglosse des Sachsenspiegels. Nach der Amsterdamer Handschrift (Teil 1: Einleitung und Glossenprolog), Wien / Leipzig 1925; Friedrich W. Unger: Des Richtes Stig oder der Richtsteig Landrechts, samt Cautela und Premis, Göttignen 1847 - Die Glosse (Vz. der Handschriften bei Ulrich-Dieter Oppitz: Rechtsbücher d. dt. Mittelalters, Bd. 1, Köln / Wien 1990, S. 72f.) ist außerdem enthalten in den Sachsenspiegel-Drucken Basel 1474, Leipzig 1488, Stendal 1488, Augsburg 1516, Krakau 1535, Leipzig 1535, Heidelberg 1614, sowie in Melchior Klings: Sechsisch Landrecht, Leipzig 1577 und den frühen Textausgaben Carl W. Gärtner: Eykens von Repgow Sachsen-Spiegel, Leipzig 1732; Barthold J. L. Baron de Geer van Jutphaas: De Saksenspiegel in Nederland II: Vermeerderde Tekst met de Glosse, 's Gravenhage 1888. Die Ausgaben Homeyer 1835 und 1861 (vgl. Art. Eike von Repgow, in: BBKL XXIV) bringen jeweils nur Auszüge. - Der Richtsteig Landrechts (Vz. der Handschriften im Marburger Handschriftencensus <\<>http://www.uni-marburg.de/hosting/census<\>>, bearb. v. Hiram Kümper) findet sich in den Sachsenspiegel-Drucken Basel 1474, Köln 1480, Augsburg 1481, 1482, 1484, Leipzig 1488, Augsburg 1496, 1501, 1516, 1517 und Leipzig 1528.

Lit.: Karl v. Amira / Karl August Eckhardt: Germanisches Recht,. Bd. 1, Berlin 41960, 176-178; - Helene Bindewald: Studien zur Entstehung der Sachsenspiegelglosse, in: DA 15 (1959), 464-515; - Ingeborg Buchholz-Johanek: Art. J. v. B., in: VerfLex2 IV (1983), 551-559; - dies.: Art. J. v. B., in: LexMA 2 (1983), 811; Helmut Coing: Ius Romanum Medii Aevi V/6, Mailand 1964, 181f.; - Karl August Eckhardt: Art. Richtsteig Landrechts, in: Hellmuth Rössler / Günther Franz (Hrsgg.): Sachwörterbuch zur deutschen Geschichte, München 1958, 1061f.; - ders.: Art. Sachsenspiegelglosse, in: ebd., 1101-1103; - ders.: J. v. B., in: Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte 1 (1973), 374f.; - Christian Ulrich Grupen: Traktat von den sächsischen Rechtsbüchern, in: Ernst Spangenberg (Hrsg.): Beyträge zu den Teutschen Rechten des Mittelalters, Halle a. d. Saale 1822; - ders.: Holländischer Sachsenspiegel. Nach der raren Goudaischen Ausgabe von 1479, Frankfurt a. M. 1763; - Julianus B. van Hoeck: Zwischen Eike von Repgow und Johann von Buch leuchtet das lehrreiche Bild, in: Ruth Schmidt-Wiegand: Text - Bild - Interpretation. Untersuchungen zu den Bilderhandschriften des Sachsenspiegels, Bd. 2, München 1986, 59-76; - Frank-Michael Kaufmann: Einige Bemerkungen zur geplanten Edition der Glosse des Johann von Buch zum Sachsenspiegel-Landrecht, in: FS Lieberwirth (2000), 159-184; - ders. / Bernd Kannowski: Ein Brief aus uralten Zeiten. Über Johann von Buch, die Stadt Jerichow und eine bedeutende wieder aufgefundene Urkunde von 1336 Mai 13, in: DA 59 (2003), 549-557; - Guido Kisch: Eine Torgauer Glossenhandschrift zum Sächsischen Landrecht, in: ZRG GA 39 (1918), 365-369 und ZRG GA 40 (1919), 284; - K. F. Klöden: Ueber den Verfasser der niedersächsischen (Buchschen) Glosse zum Sachsenspiegel und des Richtsteiges, in: Märkische Forschungen 2 (1843), 242-296; - Gustav Knod: Deutsche Studenten in Bologna, Berlin 1899, Nr. 504; - Rolf Lieberwirth: Über die Glosse zum Sachsenspiegel (Sb. d. sächsischen Akademie d. Wissenschaften zu Leipzig, phil.-hist. Klasse 132, 6), Leipzig 1993; - Hans Liermann: Art. J. v. B., in: NDB 2 (1955), 697f.; - Dietlinde Munzel: Art. Richtsteig Landrechts, in: HRG 4 (1988), 1061-1064; - Dieter Pötschke: Sachsenspiegel und Glosse als Quellen des brandenburg-berlinischen Schöffenrechts, in: Jb. für brandenburgische Landesgeschichte 41 (1990), 76-107; - ders.: Zur Rezeption des Sachsenspiegels in der Mark Brandenburg, in: Ruth Schmidt-Wiegand / Dagmar Hüpper: Der Sachsenspiegel als Buch, Frankfurt a. M. u.a. 1991, 359-390; - ders.: Die Glossen zum Sachsenspiegel, in: FS Schmidt-Wiegand (1996), 161-176; - Karl Schilling: Das objektive Recht in der Sachsenspiegel-Glosse (Freiburger rechtsgeschichtliche Abhandlungen 2), Berlin 1931 (vgl. Rez. Guido Kisch, in: ZRG GA 52, 1932, 383-388); - Hans Schlosser: Art. J. v. B., in: HRG 1 (1971), 526f.; - Jürgen Schmutz: Juristen für das Reich. Die deutschen Rechtsstudenten an der Universität Bologna 1265-1425, Bd. 2, Basel 2000, 558 (Nr. 1889); - Claudius Frhr. v. Schwerin: Der sogenannte zweite Teil des Richtsteigs, in: FS Zycha, Weimar 1941, 285-311; - Erika Sinauer: Der Schlüssel der Sächsischen Landrechts (Untersuchungen zur dt. Staats- und Rechtsgeschichte 139), Breslau 1928; dies.: Studien zur Entstehung der Sachsenspiegelglosse, in: NA 50 (1935), 475-581; - Emil Steffenhagen: Die Entwicklung der Landrechtsglosse (Wiener Sb. 98-195, Wien 1881-1923), gesammelt erschienen als Nachdruck in Karl August Eckhard (Bearb): Bibliotheca Rerum Historicarum, Neudrucke Bd. 9, Aalen 1977; - Otto Stobbe: Geschichte der dt. Rechtsquellen, Bd. 1, Leipzig 1860, 390-398.

Hiram Kümper

Letzte Änderung: 09.04.2011