BUCZKOWSKA, Marie, * 18. April 1884 in Wien, † 16. Oktober 1968 in München, aktiv in der Katholischen Frauenbewegung tätig, Leiterin des Bundes-Jugendsekretariats des Katholischen Frauenbundes Deutschlands (KFD), Vorsitzende der Rundfunkkommission des Bayerischen Rundfunks: - Marie war die älteste von zwei Töchtern des Kaufmanns und Fabrikanten Heinrich Buczkowsky (das y wurde später durch a ersetzt) und dessen Ehefrau Valentine B., geb. Pleiweis. Marie wuchs in einer tief religiösen Familie auf und erhielt ihre erste schulische Ausbildung, wie auch ihre um ein Jahr jüngere Schwester Valentine, durch Hauslehrer. Nach dem frühen Tod des Vaters (1894) übersiedelte die Witwe mit ihren Kindern 1895 von Meran, wo Marie das "Institut der Englischen Fräulein" besuchte, nach München. Dort engagierte sich die gutsituierte Fabrikantenwitwe in sozial-caritativer "Liebestätigkeit". Sie beteiligte sich beispielsweise an der Gründung des "Marianischen Mädchenschutzvereins", der sich mit Zufluchtsheimen und Lehrkursen um junge Mädchen und Frauen kümmerte, die vom Land in die Stadt zogen, um eine Arbeitsstelle zu finden. Desweiteren übernahm sie innerhalb des Münchener Zweigvereins des KFDs (ab 1911 "Bayerischer Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes") u. a. von 1905 bis 1919 die Leitung des "Gewerkvereins für Heimarbeiterinnen", sorgte sich ferner um die massiven Probleme der Kellnerinnen und den Ausbau von Berufsberatungsstellen, nicht nur für München sondern für ganz Bayern. - Nach Absolvierung der vornehmen "Höheren-Töchter-Schule" von Therese Ascher engagierte sich B., wie ihre Mutter und Schwester, in ehrenamtlicher sozialer Tätigkeit. Sie gehörte zu den Initiatorinnen und Mitarbeiterinnen der 1905 vom Münchener Katholischen Frauenbund eingerichteten Säuglingsmilchküche, sowie der 1906 eröffneten Speiseküche für arme und stillende Mütter. Ferner gründete sie 1906 die erste Jugendgruppe des Katholischen Frauenbundes und gehörte zu den Mitgründern des »Zentralverbandes katholischer Kinderhorte«, der erstmals auf dem Katholikentag im August 1912 in Aachen an die Öffentlichkeit trat. B. übernahm das Amt der zweiten Vorsitzenden. — Im Jahre 1911 bot sich für B. und ihrer Lebenspartnerin Marie Zettler die Möglichkeit, in Mönchen-Gladbach einen zweimonatigen Volkswirtschaftlichen Kurs, organisiert und durchgeführt vom "Volksverein für das katholische Deutschland", zu absolvieren. Dieser sollte die Teilnehmerinnen zu mehr Professionalität befähigen, zumal die verantwortlichen Frauen des KFDs immer mehr erkannten, daß allein "Mütterlichkeit", "Liebe", "Warmherzigkeit" und die natürliche Gabe des "Sich-Sorgens" in der Arbeit mit "Menschen in Not" nicht mehr ausreichte. Nach Absolvierung des Kurses wurde B. verstärkt als "Gastdozentin" innerhalb der Münchener "Sozial-caritativen Frauenschule" des Katholischen Frauenbundes eingesetzt. Zweck dieser 1909 von Ellen Ammann in Leben gerufener Einrichtung war "einerseits die Ausbildung zur Mitarbeit im Kath. Frauenbunde und in den Vereinen, andererseits die Heranbildung für soziale Berufsarbeit in ehrenamtlichen und honorierten Stellungen" (zit. n. Bayerischer Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes 2001, S. 21). Die Themen ihrer "Sozialen Einführungskurse" behandelten wichtige Aspekte der damaligen Wohlfahrtspflege: Mädchenschutz und Mädchenbildung, Dienstboten- und Kellnerinnenfrage, weibliche Gefangenenfürsorge, Jugendschutz, Berufsberatung. Erziehung und Unterricht, Vormundschaft und Sozial-caritative Berufe. - Dezember 1911 wurde in München der "Bayerische Landesverband des Katholischen Frauenbundes" gegründet. Den ersten Landesvorstand gehörten an: Ellen Ammann, München, 1. Vorsitzende; Maria Oehninger, Würzburg, 2. Vorsitzende; Marie Buckowska, München, 1. Schriftführerin; Amalie Gehr, Bamberg, 2. Schriftführerin; Hedwig Gräfin Preysing-Lichtenegg-Moos, Landshut, 1. Schatzmeisterin; Marie Zettler, Mering, 2. Schatzmeisterin; Geistlicher Beirat: Abt Gregor Danner. Als Pauline Gräfin Montgelas 1912 den "Bayerischen Hausindustrie-Verband" ins Leben rief, gehörte B. zu seinen Mitbegründerinnen. Sie war Mitglied des Verwaltungsrates und unterstützte gemeinsam mit der Gräfin die Forderungen nach gesetzlich festgelegten Mindestlöhnen. Ferner kämpften die Frauen für eine Kranken-, Renten- und Hinterbliebenenversicherung der sich aufarbeitenden, nicht abgesicherten und ausgebeuteten Arbeiterinnen. - Auf Bs. Anregung hin kam es 1912 zur Gründung einer Jugendkommission innerhalb des KFDs, die ab Januar 1913 für die "gebildete Jugend", die Zeitschrift "Jugendziele" publizierte: - "Die Jugendkommission sollte den Jugendabteilungen (der Zweigvereine des Frauenbundes; M. B.) Orientierungen für ihre Arbeit geben und die katholische Jugend nach außen vertreten. Auf der ersten Versammlung der Jugendabteilungen, einberufen durch die Kommission, wurde erneut die Zielvorstellung definiert: 'Erziehung zu vollwertigen katholischen Frauen, durchdrungen von sozialem Verantwortlichkeitsgefühl und feststehend in katholischer Weltanschauung.' Begünstigt durch den Ersten Weltkrieg, in dessen Verlauf die katholischen Mädchen in die Fürsorgearbeit des Verbandes einbezogen werden sollten, kam man 1915 der schon länger bestehenden Forderung nach Einrichtung eines Jugendsekretariats nach" (Breuer 1998, S. 81). Über das Aufgabengebiet des von B. seit 1915 geleiteten Jugendsekretariats ist nachzulesen: - "Dieses vom Zentralvorstand des K.F.D. errichtete Jugendsekretariat (zur Zeit München, Königinstraße 43) arbeitet in engster Fühlung mit der Kommission zur Förderung der Jugendabteilungen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, wichtige Jugendfragen zu studieren und praktische Anregungen für die Jugendabteilungen zu geben. Sie wirkt durch ihre regelmäßig wiederkehrenden Sitzungen richtungsgebend und fördernd auf die Entwicklung und Ausbreitung der Jugendabteilungen ein. Es war ein besonders glücklicher Gedanke dieser Kommission, als sie im Oktober 1916 der Jugend ein neues Arbeitsfeld wies: das Jung Elisabeth-Caritaswerk, das bei einsetzender Stoffknappheit durch Sparsinn und häuslichen Kunstfleiß Kleinkinderwäsche bereitstellen sollte... Der Kinderhort verlangt nach jugendlichen Helferinnen, die unter einer geschulten Leitung den Kindern der Munitionsarbeiterinnen, all unserer arbeitsüberlasteten Mütter, das Heim und die mütterliche Erziehung ersetzen wollen. Ob die Mitglieder der Jugendabteilungen bei dieser Arbeit immer und überall ihr schönes Arbeitsvorrecht erkannten und ausübten? Auf jeden Fall bildet an vielen Orten das Bedürfnis nach Horthelferinnen die Veranlassung zu Gründung einer Jugendabteilung des K.F.D., vor allem in Rheinland und Westfalen. Und Arbeitsgruppen sind immer die sichersten Kerntruppen derselben" (Buczkowska 1917, S. 283). - Als B. sich aufgrund ihres Alters entschloß, die Leitung des Jugendsekretariats abzugeben, schlug sie Anna Vogt als ihre Nachfolgerin vor. Doch ihr Vorschlag stieß auf erhebliche Bedenken in der Frauenbundzentrale, da Anna Vogt keine akademische Ausbildung hatte. Letztlich konnte sich die wortgewandte B. mit ihrem Vorschlag durchsetzen. B. und Anna Vogt waren sich darin einig, daß eine erfolgreiche Mädchenbildung nur von einem "stillen Zentrum aus geschehen könne. Als sie in München hörten, daß der Frauenbund das Hedwig-Dransfeld-Haus (heute u. a. ein offenes Haus der Ökumene; M. B.) in Bendorf-Rhein errichtet hatte, schlugen sie vor, dort eine Jugendherberge zu bauen. Man willigte ein. Am Rand des Neuwieder Beckens, in einem stillen Westerwaldtal, mit verstreuten Häuser, auf der Höhe die Herberge, in der Mitte die Kapelle, entstand 1926 das neue Frauenbildungs- und Jugendzentrum. Das Jugendsekretariat des Frauenbundes wurde von München dorthin verlegt und Anna Vogt konnte ihr Werk beginnen" (Schiffler 1966, S. 139 f). - Im Jahre 1931 übernahm B. die Leitung der Abteilung "Frau und Kind" bzw. "Stunde der Frau" im Bayerischen Rundfunk. Die Nazis zwangen sie schließlich 1933 "zur Rückkehr in die bescheidenere Arbeit einer Diözesansekretärin des KFBs München Freising" (Neboisa 1992, S. 308). Während der Jahre 1933-1945 verhielt sich B. äußerst zurückhaltend, zumal sie als aktiver "katholischer Blaustrumpf" den braunen Machthabern ein Dorn im Auge war. Zusätzlich war sie noch seit 1912 Mitglied mit übergeordneten Aufgaben der katholischen Laienorganisation "Societas Religiosa". Diese wurde von dem jungen Theologieprofessor an der Universität Straßburg Michael Faulhaber (später Kardinal der Erzdiözese München-Freising) ins Leben gerufen: - "Bischof Faulhaber hat als erste Mitglieder bekannte Persönlichkeiten aus der katholischen Frauenbewegung gewonnen, wie Pauline Herber (Gründerin des "Vereins katholischer Lehrerinnen"; M. B.), Anna Weltmann (Leiterin der "Sozialen Frauenschule des Kath. Frauenbundes" in Berlin; M. B.), Marie Buczkowska und Marie Zettler (Landessekretärin des "Bayerischen Landesverbandes des Katholischen Frauenbundes"; M. B.). Das Haus am Kornmarkt 5 (in Heidelberg, M. B.) war in den nächsten drei Jahrzehnten Treffpunkt zweier Gesamtconvente und mehrerer Zwischenconvente der Societas Religiosa... - Diese neue Gemeinschaft gab sich unter der geistlichen Führung von Kardinal Faulhaber Regeln, die denen von Ordensgemeinschaften mit täglichem Offizium vergleichbar waren. Die Vorbereitungszeit für Aspirantinnen betrug zwei Jahre. Ihnen wurde jeweils eine Schulungsleiterin bestellt. Neue Bewerberinnen bekamen vor der Aufnahme eine Probezeit auferlegt. In der Karwoche fanden regelmäßig Exerzitien statt. Die dabei durchgeführten 'Geistesübungen' wurden nach Thema und Leistung wechselnd gewählt, 'daß sowohl die Strenge der Selbstprüfung sowie die Herzensschule zur Nächstenliebe, sowohl die Forderungen der Askese, wie auch der tiefe Lehrgehalt und unerschöpfliche Reichtum der Evangelien behandelt' werden konnten... Während der Zeit des Nationalsozialismus waren die Zusammenkünfte der Mitglieder nicht ohne Gefahren zu organisieren, da die Gestapo jede Versammlung natürlich argwöhnisch observierte" (Zeller 1989, S. 65 f). - Auch B. mußte einige Repressalien hinnehmen: - "Ihre Post wird überwacht, und einmal muss sie sogar eine Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen. Bücher und ihre Handtasche werden beschlagnahmt, und sie wird zu einem längeren Verhör ins Wittelsbacher Palias geladen" (Bayerischer Landesverband des Katholischen Frauenbundes 2001, S. 93). - Gleich nach dem Zusammenbruch der Nazi-Gewaltherrschaft beteiligten sich B. und ihre Lebenspartnerin Marie Zettler von Mering bei Augsburg aus, wo die beiden Frauen seit ihrer Ausbombung in München (April 1944) wohnten, an der Reorganisierung des "Bayerischen Landesverbandes des Katholischen Frauenbundes". Im ersten Nachkriegsvorstand übernahm B. die Funktion der 1. Schriftführerin. Auch kehrte sie wieder zum Rundfunk zurück: - "Die erste Vertreterin der kirchlichen Frauenorganisationen im Rundfunkrat ist Marie Buczkowska. An sie können Wünsche, Kritik oder Verbesserungsvorschläge gerichtet werden, und durch sie ist der Landesverband im Rundfunkrat 'in bester Weise vertreten'. Bis Ende 1956 ist sie die Repräsentantin der kirchlichen Frauenorganisationen in diesem Gremium. Daneben ist sie bis kurz vor ihrem Tod im Oktober 1968 Vorsitzende der Rundfunkkommission des Bayerischen Landesverbandes. Die Zusammenarbeit zwischen Rundfunkkommission und Bayerischen Rundfunk klappt ausgezeichnet. Der Tätigkeitsbericht für die Jahre 1949, 1950 und 1951 resümiert: '8 Reportagen über hervorragende Frauengestalten und über die Arbeit im KFB wurden gebracht, auch jede größere Veranstaltung des KFB im Rundfunk durchgegeben'" (Bayerischer Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes 2001, S. 106). - Die letzten Lebensjahre verbrachte B. sehr zurückgezogen und von Krankheit gezeichnet in München. Doch die Bestrebungen und Weiterentwicklung des KFDs hatte sie weiterhin mit großem Interesse verfolgt. Mit Rat und Tat stand sie noch den verschiedenen Landesvorsitzenden des Frauenbundes, wenn erwünscht, zur Seite.
Werke (Ausw.): Unsere Jugendabteilungen, Köln 1913; Die Mitarbeit der Frau bei den Reformen der studentischen Wohnungsverhältnisse, in: Die Christliche Frau, 11 1913, 356-357; Die Ausbreitung der Jugendabteilungen des Katholischen Frauenbundes Deutschlands, in: Die Christliche Frau, 15 1917, 282-287; Jugendseele, Jugendbewegung, Jugendziel, in: Die Christliche Frau, 22 1924, 72-77; Heimatverbundenheit der Jugend, in: Die Christliche Frau, 24 1926, 58-59; Therese Ascher und ihr Erziehungswerk, in: Die Christliche Frau, 24 1926, 53-57; Ein Morgen in Sant' Anastasia, in: Bayerisches Frauenland, 7 1925, 43-44; Römische Erinnerungen als Baustein für ein heimatliches Gotteshaus, in: Bayerisches Frauenland, 7 1925, 54; Frau Marie Engelhardt, in: Bayerisches Frauenland, 8 1926, 7; Emilie Hopmann, in: Bayerisches Frauenland, 8 1926, 65; Klarheit der Grundgedanken, in: Bayerisches Frauenland, 8 1926, 73-74; Ein offener Brief an die katholischen Frauen Mexikos, in: Bayerisches Frauenland, 8 1926, 82-83; Bau der Friedenskirche beginnt, in: Bayerisches Frauenland, 9 1927, 49-50; Emilie Auracher, in: Bayerisches Frauenland, 9 1927, 81; Wie die Jugend den Weg zum Katholischen Frauenbund fand, in: Katholischer Deutscher Frauenbund (Hrsg.): Fünfundzwanzig Jahre Katholischer Deutscher Frauenbund, Köln 1928, 78-82; Ein weithin vernehmbares Bekenntnis zur Idee der Frauenfriedenskirche, in: Die Christliche Frau, 29 1931, 130-131; 53-57; Marie Zettler. Ein Leben für die Wohlfahrtspflege, Politik und katholische Frauenbewegung, Mering 1950.
Lit. (Aus.): Horion, E.: Maria Buczkowska, in: Die Christliche Frau, 57 1968, 174-176; - Zeller, S.: Maria von Graimberg. Vierzig Jahre Sozialarbeiterinnenausbildung in Heidelberg, Freiburg/Br. 1989; - Neboisa, M.: Ellen Ammann geb. Sundström 1870-1932. Dokumentation und Interpretation eines diakonischen Frauenlebens, St. Ottilien 1992; - Breuer, G.: Frauenbewegung im Katholizismus. Der Katholische Frauenbund 1903-1918, Frankfurt/M. 1998; - Berger, M.: Buczkowska, Marie, in: Maier, H. (Hrsg.): Who is who der Sozialen Arbeit, Freiburg/Br. 1998, 114-115; - Bayerischer Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes (Hrsg.): Neun Jahrzehnte starke Frauen in Bayern und der Pfalz. Chronik des Bayerischen Landesverbandes des Katholischen Deutschen Frauenbundes 1911-2001, München 2001.