BÜRCKSTÜMMER, Christian, evangelischer Theologe, * 11. März 1874 in Ansbach, † 11. April 1924 in Erlangen. - B. studierte nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Ansbach seit 1892 Theologie an den Universitäten Erlangen und Greifswald. Hier wurde er durch seine akademischen Lehrer, in erster Linie Hermann Cremer (1834-1903), im Sinne des konfessionellen Luthertums der Jahrhundertwendezeit geprägt. Dieser theologischen Richtung blieb B. zeitlebens verpflichtet. Im August 1896 legte er das Erste Theologische Examen in Ansbach ab. Ende Dezember 1896 trat er in den kirchlichen Dienst ein. Zunächst war er Pfarrvikar in Donauwörth, anschließend (seit 1. März 1897) in Augsburg. Am 1. Oktober 1897 erhielt er eine Stelle als Hilfsgeistlicher in Nürnberg-Steinbühl. Nach Ablegung des Zweiten Theologischen Examens wechselte er als Hilfsgeistlicher an die St. Lucas-Kirche in München. Zum 16. Mai 1905 wurde ihm eine Pfarrstelle in Schottenstein/Oberfranken übertragen. Vom 1. August 1909 bis zum 31. August 1914 amtierte er als zweiter Pfarrer in Dinkelsbühl. 1914 erhielt er die Berufung zum Superintendenten und ersten Pfarrer in Erlangen. Dieses Amt trat er am 1. September 1914 an. Im gleichen Jahr promovierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen mit einer Untersuchung über den Religionsunterricht in der Volksschule zum Dr. phil. (Der Religionsunterricht in der Volksschule. Untersuchungen zur Reform der religiösen Jugendunterweisung, München 1914; die Promotion erfolgte am 12. Juli 1914). Zum Sommersemester 1919 wurde B. auf eine Professur für Praktische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen berufen. In den Umfang seines Lehrauftrages fielen vornehmlich die Religionspädagogik und die Didaktik des Religionsunterrichtes. B. hat neben seiner Dissertation verschiedene weitere Publikationen zu religionspädagogischen Themen vorgelegt (siehe vor allem: Das »Erlebnis« im Religionsunterricht, Langensalza 1923; Das evangelische Schulideal und seine Bedeutung für das deutsche Volk und die evangelische Kirche, Langensalza 1923). Beispiele seiner Predigtweise liefern neben einigen Einzelveröffentlichungen zwei Predigtsammlungen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges (Ein feste Burg ist unser Gott. Kriegspredigten. Herausgegeben von Christian Bürckstümmer, München 1915; In Gottes Gemeinschaft. Predigten vom Weltkrieg und vom Frieden Gottes, München 1917). In zahlreichen Veröffentlichungen widmete B. sich zudem lokalen kirchengeschichtlichen Fragen. Sein wichtigstes Werk aus diesem Bereich ist eine zweibändige »Geschichte der Reformation und Gegenreformation in der ehemaligen freien Reichsstadt Dinkelsbühl« (Leipzig 1914 / 1915). Für den ersten Teil dieser Darstellung verlieh die Erlanger Fakultät B. die Würde eines Lic. theol. (25. Juni 1919). Innerhalb der Fakultät stand ihm insbesondere der Kirchenhistoriker Hermann Jordan (1878-1922) nahe, der nicht nur seinen Wechsel aus dem kirchlichen Dienst in die akademische Tätigkeit gefördert hatte, sondern dem er auch in der theologischen und kirchenpolitischen Urteilsweise eng verbunden war (siehe B.s Nachruf: Zur Erinnerung an Prof. D. Hermann Jordan, in: Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte 29 (1923), 5-10). Wie Jordan vertrat B. eine nationalistische Kulturtheologie, derzufolge protestantische Frömmigkeit und lutherisches Staatsethos die tragenden geistigen Säulen eines starken, autoritär organisierten Nationalstaates bilden sollten. Die Demokratie von Weimar lehnte er ebenso ab wie die Idee eines modernen religiösen und weltanschaulichen Pluralismus.
Archivalien: Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München liegt eine Personalakte zu Bürckstümmer vor (Signatur: MK 17633). Der Nachlaß befindet sich in der Universitätsbibliothek Erlangen.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen: Die Reformation und die Völker (Bayerische Diaspora- und Gustav-Adolf-Hefte. Nr. 8), Rothenburg o.T. 1910; Luther am 31. Oktober 1517 (Bayerische Diaspora- und Gustav-Adolf-Hefte. Nr. 6), Rothenburg o.T. 1910; Der Religionsunterricht in der Volksschule. Untersuchungen zur Reform der religiösen Jugendunterweisung, München 1914 [zugleich Diss. Phil. Erlangen 1914]; Geschichte der Reformation und Gegenreformation in der ehemaligen freien Reichsstadt Dinkelsbühl (1524-1648). Zwei Bände (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte. Nr. 115/116 und 119/120), Leipzig 1914/1915; Amt, Gemeinde und allgemeines Priestertum in ihrem Verhältnis dargestellt auf neutestamentlicher Grundlage, o.O. 1920 [Separatdruck aus der »Neuen Kirchlichen Zeitschrift«]; Das »Erlebnis« im Religionsunterricht (Abhandlungen zur Pflege evangelischer Erziehungs- und Unterrichtslehre. Heft 2 / Pädagogisches Magazin. Heft 917), Langensalza 1923; Das evangelische Schulideal und seine Bedeutung für das deutsche Volk und die evangelische Kirche (Abhandlungen zur Pflege evangelischer Erziehungs- und Unterrichtslehre. Heft 7 / Pädagogisches Magazin. Heft 957), Langensalza 1923; Die seelsorgerliche Behandlung des Kindes. Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben von Hans Kreßel (Abhandlungen zur Pflege evangelischer Erziehungs- und Unterrichtslehre. Heft 9 / Friedrich Mann's Pädagogisches Magazin. Nr. 959), Langensalza 1926; Die zehn Gebote. Katechetische Entwürfe zum ersten Hauptstück des Kleinen Katechismus Dr. Martin Luthers. Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben von Hans Kreßel (Abhandlungen zur Pflege evangelischer Erziehungs- und Unterrichtslehre. Heft 22 / Friedrich Mann's Pädagogisches Magazin. Nr. 1191), Langensalza 1928. - Aufsätze finden sich u.a. in der »Neuen Kirchlichen Zeitschrift« sowie den »Beiträgen zur bayerischen Kirchengeschichte«.
Predigten: Lasset uns Gutes tun an des Glaubens Genossen. Festpredigt über Galater 6, 10 (Bayerische Diaspora- und Gustav-Adolf-Hefte. Nr. 16), Rothenburg o.T. 1910; Leichenpredigt über Offb. Joh 2, 19. Gehalten bei der Beerdigung der Frau Friederike Brunner am Dienstag den 29. Oktober 1912 zu Dinkelsbühl, Dinkelsbühl o.J. [1912] [Privatdruck]; Weise wandeln in schwerer Zeit! Kriegspredigt über Eph. 5, 15-21, Nürnberg 1915; Trost über unseren Gefallenen. Kriegspredigt über 1. Thessalonicher 4, 13-18, Nürnberg 1915; Ein feste Burg ist unser Gott. Kriegspredigten. Herausgegeben von Christian Bürckstümmer, München 1915; Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch! Kriegspredigt über Psalm 68, 20, Nürnberg 1916; In Gottes Gemeinschaft! Predigten vom Weltkrieg und vom Frieden Gottes, München 1917.
Herausgeber: Hermann Jordan: Reformation und gelehrte Bildung in der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth. Eine Vorgeschichte der Universität Erlangen. Teil 2 (1556-1742). Herausgegeben von Christian Bürckstümmer (Quellen und Forschungen zur bayerischen Kirchengeschichte I, 2), Leipzig 1922.
Lit.: Hans Preuß: Zur Erinnerung an Christian Bürckstümmer, in: Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte 31 (1925), 1-2; - Martin Hein: Erlangen, in: Theologische Realenzyklopädie. Band 10, Berlin / New York 1982, 159-164; - Die Professoren und Dozenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 1743-1960. Im Auftrag des Rektors herausgegeben von Renate Wittern. Teil 1: Theologische Fakultät. Juristische Fakultät. Bearbeitet von Eva Wedel-Schaper, Christoph Hafner und Astrid Ley (Erlanger Forschungen. Sonderreihe. Band 5), Erlangen 1993, 11. (Für hilfreiche Auskünfte danke ich Herrn Dr. Clemens Wachter vom Universitätsarchiv der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.)
Matthias Wolfes
Letzte Änderung: 09.04.2011