BUNGARTEN, Franz Josef, Pfarrer * 4.2. 1876, † 11.8. 1965. - Franz Bungarten wurde geboren auf dem Ammericher Hof, Pfarrei Neustadt an der Wied. Er machte sein Abitur am Gymnasium in Prüm und wurde am 11. August 1900 im Dom zu Trier durch Bischof Michael Felix Korum zum Priester geweiht. Danach war er Kaplan in Prüm(11.8. 1900) und Bitburg (17.4. 1904), Pfarrer in Daleiden (31.5. 1910), ab 12.9. 1913 Pfarrer in Brebach (Saar) und ab 16.11. 1919 Pfarrer in der größten Pfarrei des Bistums Trier, in Saarbrücken St. Joseph (Malstatt), ab 22. Oktober 1936 bis zu seiner Verhaftung im Juni 1940 Pfarrer in Bad Neuenahr. - Pfarrer Franz Josef Bungarten, seit dem 31. Oktober 1919 Pfarrer in der Malstatter Kirche St. Josef, trat entschieden für den Verbleib des Saargebietes zu den Heimatdiözesen Trier und Speyer ein. 1923 wurde er ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Saarbrücken. Als einer der führenden Männer der Zentrumspartei war er auch an der Gründung der Saarbrücker Landeszeitung beteiligt und gehörte deren Aufsichtsrat bis zum 29. Januar 1935 an. Seine Predigten, in denen er oft Stellung zu den aktuellen politischen Fragen bezog, waren weit über die Pfarrgrenzen von St. Josef bekannt. Wegen seiner politischen Gesinnung versuchten seine Gegner ihn als Nationalisten zu kompromittieren um eine Ausweisung zu rechtfertigen. Ein Agent Namens Kennel täuschte durch seine Notizbuchaufzeichnungen eine Verbindung Bungartens mit der NSDAP vor. Die angeordnete Haussuchung bei Bungarten blieb aber ergebnislos. Der Landesrat protestierte einstimmig gegen diese Vorgehensweise beim Völkerbund in Genf. Bungarten war maßgeblich an der Durchführung des Ersten Saarländischen Katholikentages am dritten Juni 1923 beteiligt. - Bungarten kam schon früh mit den Nazis in Konflikt. Er und Pfarrer Schlich gehörten dem Aufsichtsrat der Saarbrücker Landeszeitung an. In dieser Eigenschaft widersetzten sie sich dem Ansinnen Berlins, im Februar 1934 Johannes Hoffmann (Nach dem 2. WK Ministerpräsident des Saarlandes) als Chefredakteur zu entlassen. Hoffmann hatte ein entlarvendes Interview des NSDAP Landesleiters mit einem schwedischen Journalisten nachgedruckt. Am 29.3. 1936 ließ sich Hitler per Volksabstimmung den Einmarsch ins Rheinland als auch die neuen Kandidaten des Reichstags bestätigen. Bungarten bezeichnete diese Abstimmung als Farce und blieb demonstrativ der Wahl fern. Am 31. März setzten setzte ein von der Partei bestellter Pöbelhaufen zum Sturm auf das Pfarrhaus an. Scheiben gingen zu Bruch und die Tür wurde eingerammt. Bungarten wurde von der sich passiv verhaltenen Polizei zwei Tage in Schutzhaft genommen. Der Reichskommissar ließ ihn aus dem Saargebiet ausweisen. - Franz Josef Bungarten wurde dann Pfarrer in Bad Neuenahr. Der nächste Konflikt ließ nicht lange auf sich warten. Am 30.11. 1937 wurde das Pfarrhaus in Bad Neuenahr durchsucht, da sich Bungarten für die Bekenntnisschule eingesetzt hatte. Wegen Verweigerung des Siegesgeläutes zum Einzug der deutschen Wehrmacht in Flandern am 5./6. 1940 erhielt Bungarten sieben Wochen Schutzhaft und Ausweisung aus dem Rheinland und Westfalen. Zusätzlich erhielt er eine Geldstrafe von 500 RM und eine Gehaltssperre bis 1945. In einem Blindenheim bei Bingen fand er Unterschlupf. 1944 erkrankte er und musste mehrfach operiert werden. 1946 kehrte Bungarten an die Saar zurück. Er war Mitbegründer der Christlichen Volkspartei an der Saar (CVP). Auf Anweisung des hohen Kommissars Gilbert Grandval wurde Bungartens Aufenthaltserlaubnis 1948 nicht verlängert, er wurde wieder einmal ausgewiesen. 1955, nach der Wahl wurde er Ehrenvorsitzender der saarländischen CDU. Ministerpräsident Peter Altmeier (Rheinland Pfalz) verlieh ihm das Große Bundesverdienstkreuz. In der Sitzung vom 31.1. 1961 verlieh ihm der Saarbrücker Stadtrat die Ehrenbürgerwürde. Am 10.8. 1965 wurde er Trierer Ehrendomherr. Sein 65 jähriges Priesterjubiläum feierte er am 7.9. 1965 in Bad Neuenahr, knapp einen Monat später verstarb Franz-Josef Bungarten.
Lit.: Festschrift 100 Jahre Pfarrei St. Josef Saarbrücken Malstatt; - Hehl Ulrich, Priester unter Hitlers Terror; Schlich Johann Ludger, Erster Saarländischer Katholikentag; - Zenner, Maria, Parteien und Politik im Saargebiet unter dem Völkerbundsregime 1920-1935; - Saarbrücker Landeszeitung Nr. 158, vom 19.06.1923; Journal des Debats, Nr. 1600 vom 10.06.1923, abgedruckt in der Saarbrücker Landeszeitung Nr. 158, vom 19.06.1923; - Denkschrift, die französischen Dominalschulen im Saargebiet; - Kloevekorn, Fritz, Das Saargebiet, seine Struktur, seine Probleme.