BUONVISI, Francesco: Kardinal und Nuntius in Österreich, * 16.5. 1620 in Lucca, † 25.8. 1700 in Lucca. - 1644 kam B. nach Rom, wo er Doktor in beiden Rechten wurde. Er kehrte nach Lucca zurück, kam aber unter Papst Alexander VII. wieder nach Rom. Er übernahm verschiedene Aufgaben an der Kurie, bis er Sekretär der Kongregation für das Wasser wurde. Am 6. Juli 1670 wurde er zum Titularerzbischof von Thessaloniki gweiht. Am 21. Juli 1670 erfolgte seine Ernennung zum Nuntius in Köln. 1672 wurde B. als außerordentlicher Nuntius nach Polen berufen. Dort bewirkte er unter anderem auch, daß Johannes Sobieski am 21. Mai 1674 zum polnischen König gewählt wurde. Im September 1675 ernannte Clemens X. B. zum Nuntius am Wiener Hof bei Kaiser Leopold I. Bereits im Oktober übernahm B. dieses hohe Amt und sogleich versuchte er, den Kaiser zur Abwehr der Türken zu bewegen. B. verfolgte als Nuntius in Wien vor allen auch zwei Ziele: die Friedensverhandlungen mit Frankreich, das das Reich am Rhein bedrohte, und die Förderung der Allianz mit Polen gegen die Türken. Durch Einfuß von B. kam es zu einem Vertrag zwischen Leopold I. und Johannes Sobieski in Richtung auf Türkenabwehr, der vom polnischen Reichstag in der Nacht vom 17. auf den 18. April 1683 approbiert wurde. Der Papst setzte sich auch sehr für die Türkenabwehr ein und stellte viele Hilfsmittel zur Verfügung. Knapp nach dem Vertrag zwischen Leopold und den Polen kam es zum Vorstoß der Türken bis gegen Wien. Es folgte die Belagerung der Stadt vom 14. Juli bis zum 12. September 1683. B. überzeugte zusammen mit dem Kapuziner Markus d'Aviano den Kaiser, den Oberbefehl des Heeres dem polnischen König zu überlassen. Die Belagerung Wiens endete mit der Besiegung der Türken am 12. September 1683. Mit Recht zitiert Donato Squicciarini Blet mit den Worten: »Die Befreiung Wien war das Werk der Diplomatie des Papstes und seiner Nuntien, die es verstanden hatten, die beiden Armeen des Reiches und Polens gegen die Eindringlinge zu verbinden.« (Die Apostolischen Nuntien in Wien.... S. 157). B. war auch der »große Baumeister« (Squicciarini) der »Heiligen Liga«, der Erweiterung der Allianz zwischen dem Reich und Polen durch die Republik von Venedig. B. schlug sogar die Einbeziehung von Portugal vor. Nach einem Waffenstillstand des Reiches mit Frankreich kam es zur Durchführung des ersten Türkenkrieges von 1684. 1685 wurden die Türken in Gran besiegt. Am 2. September 1686 wurde Buda erobert und der Großvesir besiegt. Ende des Jahres 1687 wurde Ungarn endgültig von den Türken befreit. 1688 erfolgte schließlich die Rückeroberung von Belgrad. - B. war aber auch sehr bemüht um das Leben der Kirche und der Gesellschaft. Er hielt ein waches Auge auf die Sitten am Hofe und unter dem Klerus. - Am 1. September 1681 war B. bereits zum Kardinal mit der Titelkirche von S. Stefano als Monte Celio ernannt worden. 1689 kehrte B. nach Rom zurück, seine Nuntiatur gehört zu den längsten der Wiener Nuntiaturen. Der neue Papst Alexander VIII. berief ihn zum Mitglied von mehereren Kongregationen. 1690 wurde B. Erzbischof von Lucca. Er wirkte dort mit großem Eifer und führte auch Pastoralvisitationen durch. Nach seinem Tode wurde er in der Kathedrale von Lucca beerdigt.
Lit.: A. M. Trivellini: Il cardinale Francesco Buonvisi nunzio a Vienna (1675-1689), Florenz 1958; - D. Squicciarini: Die Apostolischen Nuntien in Wien, Città del Vaticano 1999, 154-160.