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Band XXXI (2010) Spalten 226-228 Autor: Regina-Bianca Kubitscheck

BURCHARD II. von Blankenburg, Erzbischof von Magdeburg 1296-1305; † 13.5. 1305 in Magdeburg. - B. war ein Sohn des Grafen Siegfried II. von Blankenburg und der Gräfin Mechthild von Wohldenberg und entstammte dem Regensteiner Grafengeschlecht, dessen berühmtester Vertreter der sagenumwobene "Raubgraf" Albrecht II. († 1349) war. - Seine geistliche Laufbahn begann B. 1275 als Domherr zu Magdeburg. 1277 trat er zudem in das Domkapitel in Halberstadt und 1288 auch in Hildesheim ein. Im März 1288 wurde er Propst von Nienburg, im November 1289 Domkämmerer in Magdeburg und 1295 schließlich Archidiakon von Weddingen. Zu Beginn des Jahres 1296 wurde B. zum Nachfolger für den am 21.12. 1295 verblichenen Magdeburger Erzbischof Erich von Brandenburg gewählt. Unmittelbar nach seiner Wahl unternahmen einige Stiftsvasallen den Versuch, B. im bischöflichen Palast zu Magdeburg zu überfallen und gefangenzusetzen. Glücklicherweise konnte die Magdeburger Bürgerschaft den Anschlag vereiteln. Um weiteren Angriffen einen Riegel vorzuschieben, zogen B. und die Magdeburger 1297 vor das Schloß Randau, dessen Besitzer wiederholt in das Stadtgebiet eingedrungen war, und zerstörten es. - Die fortwährende finanzielle Misere des Erzstifts zwang B. 1296 die Einkünfte des erzbischöflichen Bärmamts zu verpfänden (die Brauer waren verpflichtet, die nötige Hefe aus der erzbischöflichen Brauerei zu entnehmen). Das Darlehen in Höhe von 200 Mark Stendalschen Silbers ermöglichte dem Erzbischof, nach Rom zu reisen, wo er am 12.7. 1296 von Bonifatius VIII. († 1303, s.d.) die päpstliche Bestätigung und das Pallium erhielt. Da B. jedoch nicht in der Lage war, die Schuld fristgemäß zu tilgen, fiel das Bärmamt schließlich an die Stadt Magdeburg. 1301 verpfändete B. die Schlösser Droissig und Burgwerben für 2000 Mark Stendalischen Silbers an Diezmann von Thüringen, ohne die Schuld jemals abzutragen. Zumindest konnte der Oberhirte durch den Verkauf des Dorfes Unseburg an das Zisterzienserkloster Riddagshausen das versetzt gewesene Schloß Sommerschenburg wieder einlösen. - Von großen kriegerischen Auseinandersetzungen ist aus B. Amtszeit nur wenig überliefert. Einzig eine Fehde mit dem ehemaligen Burggrafen von Magdeburg, Albrecht II. von Sachsen-Wittenberg, fand in den Annalen Eingang. Sie fand für B. ein siegreiches Ende, als Herzog Albrecht in der Schlacht bei Aken an der Elbe am 25.8.1298 von einer Lanzenspitze tödlich verwundet wurde. - Wenngleich B.s. Pontifikat durch eine Verfolgung der Juden überschattet wurde, so wurden nichtsdestotrotz seine Wohltätigkeit und Selbstlosigkeit geschätzt. Er sei "ein guter Vater gegen die Armen und Gottesleute" gewesen, heißt es in der Magdeburger Bischofschronik. Schließlich machte sich B. auch als Geisterbezwinger einen Namen. Als um 1300 in einem See bei Wolmirstedt Fischer und Schiffer durch unheimliche Wesen in Angst und Schrecken gesetzt wurden, begab sich der Erzbischof dorthin und weihte das Gewässer. Der Spuk hörte auf und fortan nannte man den See den "Heiligen See".- Burchard II. starb am 13. Mai 1305 in Magdeburg.

Chroniken: Magdeburger Schöppenchronik/Schöffenchronik, bearb. v. Karl Janicke, in: Die Chroniken der niedersächsischen Städte. Leipzig 1869; - Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium, bearb. von Wilhelm Schum, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores, Bd. 14, Stuttgart 1883, liegt auch in deutscher Übersetzung vor: Eckart W. Peters (Hrsg.), Hermann Michaëlis (Übersetzer), Magdeburger Bischofschronik. Dößel (Saalkreis) 2006; - M. Johannes Pomarius, Magdeburgische Stadtchroniken. MDLXXXVII. (Hrsg.: Freundeskreis Magdeburger Symbole). Dößel (Saalkreis) 2007.

Lit.: Urkundenbuch des Erzstifts Magdeburg, bearb. v. Friedrich Israel unter Mitw. v. Walter Möllenberg; - Heinrich Rathmann, Geschichte der Stadt Magdeburg von ihrer ersten Entstehung an bis auf gegenwärtige Zeiten. Magdeburg 1806; - Friedrich Wilhelm Ebelin, Die deutschen Bischöfe bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts. Leipzig 1858; - Friedrich Wilhelm Hoffmann, Geschichte der Stadt Magdeburg, neu bearb. v. Gustav Hertel u. Friedrich Hülße. Magdeburg 1885; - F. A. Wolter, Geschichte der Stadt Magdeburg von ihrem Ursprung bis auf die Gegenwart. Magdeburg 1901, Nachdruck Magdeburg 1996; - Johannes Schäfers, Personal- und Amtsdaten der Magdeburger Erzbischöfe, 966-1503 (Diss., Greifswald) 1908; - Regina-Bianca Kubitscheck, Burchard II. begann die Laufbahn als Domherr. in: Magdeburger Volksstimme, 11.10.2008.

Regina-Bianca Kubitscheck

Letzte Änderung: 28.12.2009