CACCINI, Giulio (nach seiner Vaterstadt auch Romano genannt), ca. 1550 in Rom, † Beisetzung am 10. Dezember 1618 in der Kirche SS. Annunziata in Florenz, - Sänger, Gesangslehrer, Instrumentalist und Komponist - Er war der Gesangslehrer seiner zweiten Frau Lucia und seiner beiden Töchter, der Sängerin und Komponistin Francesca Caccini (1587-1640) und der Sängerin Settimia, die als Gattin des Musikers A. Ghivizzani an den Hof zu Mantua ging. Über Caccinis erste Frau ist, obwohl auch sie Sängerin war, nichts bekannt. Sein Bruder war der Bildhauer Giovanni Battista Caccini (1556-1613). Giulio Caccini erhielt Unterricht in Gesang, Lautenspiel und Harfe von Scipione delle Palle. 1564 wurde er Sänger und Instrumentalist am Hof von Großherzog Ferdinando de Medici in Florenz. Als Musiker am Hof der Medici wurde er mit der revolutionären Gruppe der Theoretiker - darunter Vincenzo Galilei - bekannt. Sie setzten sich für die Entwicklung des monodischen Musikstils ein, der in einem expressiven rezitativischen Sologesang mit Instrumentalbegleitung besteht. Caccini wurde einer der Wegbereiter der neuen Musik - der Monodie und der Generalbassmusik. Als anerkannter Sänger verhalf Caccini durch den Vortrag eigener Werke - nur mit Lautenbegleitung - dieser neuen Form zur Popularität. Vor allem seine Liedersammlung "Le Nuove Musiche" (1601), bildet einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Musik des Barock. Das Vorwort zu diesem Werk gibt technische Vorschriften für den virtuosen Gesang an. Caccini schreibt: "Da ich mich nun überzeugte, daß Hervorbringungen im Sinne unserer Tage kein anderes Vergnügen bewirken, als dasjenige, was durch Harmonie dem Ohre allein gewährt wird, daß ohne Verständnis der Worte das Gemüt nicht gerühret werden könne, kam der Gedanke, eine Art Gesang, gewissermaßen einer harmonischen Rede gleich, aufzuführen, wobei ich eine gewisse edle Verachtung des Gesanges an den Tag legte, hin und wieder einige Dissonanzen berührte, den Bass aber ruhen ließ, ausgenommen da, wo ich, dem gemeinen Gebrauch zufolge, seiner mit den Tönen der durch Instrumente ausgeführten Mittelstimmen mich bedienen wollte, irgendeinen Affekt auszudrücken, wozu sie allein brauchbar sind". Caccinis Name ist auch eng mit der Entwicklung der Oper verbunden. Er gehörte zum Kreis der Camerata Florentina, wo er vor allem als praktischer Musiker geschätzt wurde. Mit Blick auf die Entwicklung der Oper und auf seine Gedanken zur Gesangskunst kann man Giulio Caccini wohl zu Recht als einer der ersten Verfechter des "ariosen Stils" und somit auch als einen der Vorbereiter des "Belcanto" bezeichnen.
Kompositionen: "Dafne", Oper (1598), (nicht erhalten); "Euridice", Oper (1600),Manuskript verschollen; - einige Gesänge zu Jacopo Peris Oper "Euridice"; - "Le nuove Musiche", Madrigale und Arien für eine Singstimme und Basso continuo (1601) "Il Rapimento di Cefalo", Intermezzo für Singstimme und Basso continuo (1601). Inzwischen sind viele Aufnahmen mit den Werken von Giulio Caccini erschienen, vor allem Titel aus der Sammlung Le Nuove Musiche. Anm.: Die G. Caccini zugeschriebene Vertonung des "Ave Maria", das nur die Worte "Ave Maria" enthält, gehört heute zum Repertoire vieler Sängerinnen, Sänger und Chöre. Die Komposition, die in unzähligen Bearbeitungen vorliegt, stammt allerdings aus der Feder des russischen Gitarristen, Lautenisten und Komponisten Vladimir Fyodorovich Vavilev (1925-1973).
Lit.: Artikel Giulio Caccini in MGG Bd. 2, Taschenbuchausgabe, 1989; - Artikel Giulio Caccini in der Wikipedia; sowie Recherchen im Internet Stand: 9. Oktober 2009.