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Band XIX (2001)Spalten 155-157 Erich Wenneker

CELLARIO, Francesco, * um 1520 in Lacchiarella † 20. Mai 1569 in Rom; ref. Prediger. - Cellario stammte aus Lacchiarella in der Provinz Mailand, wo er um das Jahr 1520 geboren wurde. Er ist höchst wahrscheinlich identisch mit dem in Briefen von Bischofs von Como an den Mailänder Kardinal Carlo Borromeo erwähnten Francesco Chiarella. Er war Mitglied des Ordens der Franziskaner-Observaten und wurde zum Priester geweiht. Nachgewiesen ist ein Aufenthalt in dem Ordenskloster in Pavia. Im Jahre 1557 wurde er von der Inquisition verdächtigt, allerdings nach einem Verhör wieder freigelassen. Bei einem zweiten Verhör wurden seine reformationsfreundlichen Ansichten offensichtlich. Bevor er jedoch inhaftiert wurde, entzog er sich der weiteren Verfolgung durch die Flucht in den Freistaat der Drei Bünde (Graubünden). Bereits im Jahre 1558 würde er in die Evangelisch-rätische Synode aufgenommen und übernahm im gleichen Jahr das Pfarramt der reformierten Gemeinde Morbegno im Veltlin. Auf diesem für einen reformierten Prediger sehr exponierten Posten ist er der Pfarrer, der namentlich festzustellen ist Wahrscheinlich wurde die Gemeinde vorher von Kollegen aus der Nachbarschaft versorgt. In Morbegno verheiratete er sich. Immer wieder gab es Gerüchte, daß er im Dienste der Reformation geheime Reisen nach Oberitalien unternahm. Die Inquisition versuchte deshalb immer wieder, seiner Person habhaft zu werden. Bei der Rückkehr von der Synode in Zuoz im Oberengadin im Jahre 1568 wurde er, als er sich nur für kurze Zeit von den mitreisenden Amtsbrüdern entfernt hatte, in der Nähe des Comerrsees, jedoch auf Bündner Gebiet, von Katholiken abgefangen und nach Como entführt. Von dort wurde er zuerst nach Mailand und schließlich nach Rom gebracht. Der Fall Cellario erregte die Gemüter in den Drei Bünden und besonders unter den Evangelischen. Über diese Angelegenheit berichten mehrere Briefe des Churer Predigers Tobias Egli an den Zürcher Reformator Heinrich Bullinger. Mehrfach mußte sich auch der Bundestag der Drei Bünde mit dieser Angelesenheit befassen. Eine Delegation, die in Mailand die Freilassung Cellarios verlangen sollte, mußte ohne Erfolg wieder zurückkehren. Zwar drohten sie mit der Aufhebung von einigen Klöstern, unter anderem auch dem Dominikanerkloster in Morbegno, wo die geistlichen Urheber des Verbrechens vermutet wurden. Die Ratsboten der Drei Bünden fürchteten das Risiko eines Waffenganges mit den spanischen Streitkräften im Herzogtum Mailand und verfolgten deshalb die Freilassung auch nur halbherzig. Zusätzlich spielte wohl auch eine Rolle, daß der damalige Papst Pius V., als Inquisitor von Como, erlebt hatte, daß seine Tätigkeit in Morbegno von den Bündnern unterbunden worden war. Er ließ reformationsverdächtige Personen besonders hart verfolgen. Möglicherweise wurde der Fall Cellario deshalb auch in Rom verhandelt. Er wurde verurteilt und am 20. Mai 1569 auf der Brücke vor dem Castell Sant' Angelo gehängt und anschließend verbrannt. Im Zusammenhang mit seinem Tod kamen Gerüchte bis nach Graubünden, daß er kurz vor seiner Hinrichtung seinem reformatorischen Glauben abgeschworen habe. Möglicherweise handelte es sich dabei um von der Inquisition verbreitete Falschmeldungen. Auf der anderen Seiten sind Berichte von protestantischen Kaufleute bekannt, die berichteten, Cellario sei bis zum Tode standhaft gewesen. Die Bündner Behörden wagten zwar nicht die angedrohte Aufhebung einiger Klöster, doch wurden die Veltliner Kloster in Morbegno und Dona dazu verurteilt, der Witwe und den Kindern des hingerichteten Pfarrers für 15 Jahre eine bestimmte Summe zu zahlen.

Lit.: Petrus Domenicus Rosius de Porta, Historia reformationis ecclesiarum Raeticarum, Chur 1771-1777; - Jakob Rudolf Truog, D. Bündner Prädikanten 1555-1991 nach den Matrikelbüchern der Synode, in: Jahresberichte d. Historisch-Antiquarischen Gesellschaft v. Graubünden 31, 1901, 1-58; - Ders., D. Pfarrer d. evang. Gemeinden in Graubünden u. seinen ehemaligen Untertanenlanden, in: Jahresberichte d. Historisch-Antiquarischen Gesellschaft v. Graubünden 64 u. 65, 1934 u. 1935; - Ders., Aus d. Geschiche d. ev. Gemeinden in d. bündnerischen Untertanenlanden. Ein Beitrag z. bündnerischen Synodalgeschichte, in: Bündnerisches Monatsblatt 1935, 236-248, 257-285, 311-318; - Ders., Aus d. Geschichte d. ev.-rätischen Synode 1537-1937, Chur 1937; - Ders., Aus d. Geschichte d. ev.-rätischen Synode 1537-1937, Chur 1937; - Emil Camenisch, Bündnerische Reformationsgeschichte, Chur 1920; - Ders., Geschichte d. Reformation u. Gegenreformation in den italienischen Südtälern Graubündens, Chur 1950; - Giustino Renato Orsini, Storia di Morbegno, Sondrio 1959; - Giampaolo Zucchini, Riforma e società nei Grigioni. G. Zanchi, S. Florillo, S. Lentulo e i conflitti dottrinari e socio-politici a Chiavenna (1563-1567), Coira 1978; Martin Bundi, Frühe Beziehungen zwischen Graubünden und Venedig (15./16. Jahrhundert), Chur 1988; - Conradin Bonorand, Reformatorische Emigration aus Italien in die Drei Bünde. Ihre Auswirkungen auf die kirchlichen Verhältnisse - ein Literaturbericht., Chur 2000; - DBI XXIII, 430-433.

Erich Wenneker

Letzte Änderung: 04.07.2008