Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band I (1990) Spalte 1050 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

CLEMENS III. (früher: Wibert), Gegenpapst, * um 1025 in Parma, † 8.9. 1100 in Cività Castellana. - Wibert entstammte einer oberitalienischen Adelsfamilie und war während der Regentschaft der Kaiserin Agnes Kanzler für Italien. Heinrich IV. erhob ihn 1072 zum Erzbischof von Ravenna, und Alexander II. weihte ihn 1073. In seiner Abneigung gegen die Politik Gregors VII. schloß sich Wibert der antigregorianischen Partei an. Da er auf der Fastensynode von 1075, auf der er sich verantworten sollte, nicht erschien, suspendierte ihn der Papst von seinem Amt. In dem 1076 beginnenden Streit zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. trat Wibert entschieden auf die Seite des Königs. Auf der Fastensynode von 1076 exkommunizierte der Papst ihn und andere lombardische Bischöfe, die auf der Synode zu Pavia kurz nach Ostern 1076 die Exkommunikation Gregors VII. aussprachen. Auf der Fastensynode von 1078 verhängte der Papst über Wibert den Bann. Die Synode zu Brixen wählte ihn am 25.6. 1080 zum Gegenpapst. Nach der Niederlage und dem Tod Rudolfs von Schwaben am 15.10. 1080 bei Hohenmölsen zog Heinrich IV. im Frühjahr 1081 nach Italien. Nach zweijähriger Belagerung öffnete ihm Rom die Tore. Wibert wurde am 24.3. 1084 in der Laterankirche zu Rom als C. III. inthronisiert und krönte am 31.3. 1084 Heinrich IV. mit seiner Gattin zum Kaiser. Auf der Synode zu Mainz im April 1085 erkannte der deutsche Episkopat ihn als rechtmäßigen Papst an. C. erklärte 1089 auf einer Synode zu Rom die Exkommunikation Heinrichs IV. für nichtig, widersprach der von den Gregorianern behaupteten Ungültigkeit der Sakramente schismatischer Priester und forderte die Beseitigung der Simonie und des Nikolaitismus. Auf die kirchliche Lage übte er keinen entscheidenden Einfluß aus. C., dessen Gelehrsamkeit und sittlichen Wandel auch seine Gegner anerkannten, hat bis zu seinem Tod den päpstlichen Anspruch aufrechterhalten.

weiterlesen ...
Lit.: Jaffé I, 649 ff.; - O. Köhncke, Wibert v. Ravenna. Ein Btr. z. Papstgesch., 1888; - Otto Schumann, Die päpstl. Legaten in Dtld. z. Z. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. (Diss. Marburg), 1912, 59 ff.; - Paul Fridolin Kehr, Zur Gesch. Wiberts v. Ravenna, in: SAB 1921, 355 ff. 973 ff.; - O. Francabandiera, G. arcivescovo di Ravenna, ossia Clemente III, antipapa, Mailand 1923; - Walther Holtzmann, Orientpolitik des Reformpapsttums u. Entstehung des 1. Kreuzzuges, in: HV 22, 1925, 167 ff.; - Marie Luise Bulst-Thiele, Kaiserin Agnes, 1933; - Anton Michel, Papstwahl u. Königsrecht, 1936; - C. Erdmann, Zur Synode v. 1089, in: ZSavRGkan 26, 1937, 433 ff.; - A. Fliche, La réforme grégorienne III, Löwen - Paris 1937; - Karl Jordan, Der Kaisergedanke in Ravenna z. Z. Heinrichs IV., in: DA 2, 1938, 85 ff.; - Ders., Ravennater Fälschungen aus den Anfängen des Investiturstreites, in: AUF 15, 1938, 426 ff.; - Ders., Die Stellung Wiberts v. Ravenna in der Publizistik des Investiturstreites, in: MIÖG 62, 1954, 155 ff.; - Wb. z. dt. Gesch., 1952, 122; - H.-G. Krause, Das Papstwahldekret v. 1059 u. seine Rolle im Investiturstreit, in: Studi gregoriani per la storia di Gregorio VII e della riforma gregoriana 7, Rom 1960; - Haller III2, 417 ff.; - Seppelt III, 93 ff.; - Hefele-Leclercq V, 260 ff.; - RE XXI, 218 f.; - RGG I, 1831; - EC VI, 1279; - LThR X, 1087 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1982

Jürgen Ziese, Wibert von Ravenna. Der Gegenpapst Clemens III. (1084-1100), Stuttgart 1982 (PuP 20); -

1984

Ingrid Heidrich, Ravenna unter Erzbischof Wibert (1073-1100). Untersuchungen zur Stellung des Erzbischofs und Gegenpapstes Clemens III. in seiner Metropole, Sigmaringen 1984 (Vorträge und Forschungen, Sonderbd. 32).

Letzte Änderung: 09.04.2011