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Band I (1990)Spalten 1126-1127 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

CORDES, Johann Heinrich Karl, Neubegründer der lutherischen Mission unter den Tamulen in Südostindien, * 21.3. 1813 als Pfarrerssohn in Betzendorf bei Lüneburg, † 9.3. 1892 in Lößnitz bei Dresden. - Als Buchhändler in Freiberg (Sachsen) nahm C. an dem wiedererwachenden religiösen und kirchlichen Leben teil. Um mit entschiedenen Freunden des Evangeliums und der Mission Gemeinschaft zu pflegen, wanderte er oft am Sonntag nach Dresden. So erwachte schon bald in ihm die Liebe zur Mission. Sein Wunsch war es, in die von sächsischen Missionsfreunden gegründete Missionsschule in Grünberg einzutreten; aber sein Vater hatte dafür kein Verständnis. Im Rückblick auf jene Zeit schreibt C.: »Durch schwere äußere und innere Erfahrungen bin ich auf den hingewiesen, der allein helfen kann, und für sein Evangelium vorbereitet. In das von heftigen Gewitterstürmen bewegte Herz fiel nun plötzlich der Same des Evangeliums. Besonders Hofackers Predigten und Martin Boos' Lebensgeschichte wirkten in mir eine gründliche Erkenntnis der Sünde und des rechtfertigenden Glaubens. Aber mein Vater, dem ich meinen Wunsch aussprach, Missionar zu werden, erschrak über meinen Brief, und sein Superintendent bedauerte ihn und mich, weil ich ein Schwärmer geworden sei.« Doch sein Festhalten an dem für recht erkannten Weg trug mit dazu bei, daß aus seinem rationalistischen Vater auch ein »Schwärmer« wurde. Durch einen Judenmissionar, den er in Dresden kennengelemt hatte, fand C. Anstellung bei einem christlichen Buchhändler in Straßburg und auf Geschäftsreisen nach Basel Verbindung mit der dortigen Mission. Als er noch einmal um seines Vaters Zustimmung bat, erhielt C. ein freudiges Ja und trat 1837 in das neubegründete Missionsseminar ein. Nach seiner Ordination in Greiz wurde er am 2.3. 1840 von der am 17.8. 1836 in Dresden gegründeten »Evangelisch-lutherischen Missionsgesellschaft in Sachsen«, deren Verlegung nach Leipzig am 31.8. 1847 beschlossen wurde, nach der dänischen Kolonie Trankebaar ausgesandt mit dem Auftrag, auf dem alten Missionsfeld der lutherischen Kirche in Südostindien sich selbst eine Wirksamkeit zu suchen. Ganz allein trat C. den Weg in das ferne Land an, wo ihn auch niemand erwartete; es war völlig ungewiß, ob sich je eine Tür für ihn auftun werde. Nach längerem Aufenthalt in England und einer fünfmonatigen Seereise landete C. in Madras. Glänzende Angebote wurden ihm gemacht, wenn er in den Dienst der englischen Mission treten wolle. C. blieb aber seinem Auftrag treu, als lutherischer Missionar die alte Missionsarbeit fortzusetzen. Er wurde freundlich willkommen geheißen von dem Dänen Hans Knudsen, der dort die letzten Reste der Dänisch-Halleschen Mission verwaltete, und wurde 1843 Knudsens provisorischer Nachfolger. Mit Karl Graul, der 1844 die Leitung in Dresden übernommen hatte, bestand C. darauf, daß der geschichtliche Boden von Trankebaar gehalten werde, während der dänische Gouverneur hoffte bei dem in Aussicht stehenden Verkauf der Kolonie an England günstigere Bedingungen herauszuschlagen, wenn er mit der Kolonie auch die Mission in englische Hände übergehen lassen könnte. Der König von Dänemark traf schließlich persönlich die Entscheidung, daß die Mission lutherisch bleiben solle. Das dänische Missionskollegium in Kopenhagen übergab am 7.3. 1847 die Mission in Trankebaar auch förmlich dem Dresdener Missionsverein, nachdem bereits im März 1845 der Vertrag unterzeichnet worden war, nach dem die dänischen Besitzungen an die englische Regierung abgetreten wurden. C. war ein tüchtiger Missionar und wurde darum von Graul, der 1849-54 zur Instruktion und Visitation in Indien war, zum Senior der Leipziger Missionare ernannt. In dem in Indien ausgebrochenen Kastenstreit war C. Gegner des Missionars Christian Karl Ernst Ochs, der die strengere, englische Praxis in der Kastenfrage vertrat. Als der Streit in der Heimat durch Ochs so recht entbrannt war, reiste C. 1857 kurz entschlossen heim und überzeugte das Kollegium davon, daß die Grundsätze Grauls, der die strengere Praxis in der Kastenfrage bekämpfte, richtig seien. Er setzte sich durch, so daß Ochs und die Missionare, die auf seiner Seite standen, aus der Leipziger Mission austraten. 1868 begleitete C. den Missionsdirektor Julius Hardeland noch auf seiner großen Visitationsreise durch das ganze Gebiet. 1870 kehrte er für immer aus Indien heim und war 1872-87 Vizedirektor der Leipziger Mission.

Lit.: Karl Graul, Die Stellung der ev.-luth. Mission in Leipzig z. ostind. Kastenfrage. 1861; - Christian Karl Ernst Ochs, Notgedrungene Erkl. über die Stellung der ev-luth. Mission in Leizig z. ostind. Kastenfrage, 1862; - Wilhelm Oehler, Gesch. der dt. ev. Mission I, 1949; II, 1951; - ADB 47, 521 ff.

Friedrich Wilhelm Bautz

Letzte Änderung: 26.06.2008