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Band XXVII (2007) Spalten 292-294 Autor: Clemens Gütl

CRAZZOLARA, Josef (Giuseppe) Pascal (Pasqual[e]), * Priester, Missionar, Ethnologe, Linguist, * 12.4. 1884 in St. Kassian (Gemeinde Abtei), † 25.3. 1976 in St. Kassian. - Crazzolara trat 1900 in Milland bei Brixen in das Missionsseminar der "Verona Fathers", das sind die "Comboni-Missionare", ein und wurde 1907 zum Priester geweiht. 1908 reiste er nach Khartum im Sudan und später weiter in Richtung Nord-Uganda, wo er ab 1910 in Gulu lebte. Dort gründete er die erste katholische Missionsstation. 1914 kehrte er zum Volk der Schilluk nach Lul im Süd-Sudan zurück. 1916 wurde Crazzolara in Ras-el Tin bei Alexandria interniert und kam 1920 wieder zu den Schilluk zurück, diesmal nach Tonga. Fünf Jahre später begann er im Zuge seiner Missionsarbeit auf der Station Yoinyang mit Sprachstudien bei den Nuer. Diese Arbeit mündete in der Veröffentlichung seiner Outlines of a Nuer Grammar, einer Grammatik, die bis zum heutigen Tag bezüglich der Beschreibung der Sprachstruktur als bahnbrechend gilt. Sie wurde zum Hauptreferenzwerk für Missionare und Administratoren. Eines seiner Hauptanliegen war die Dokumentation von phonetischen Varianten, wobei Crazzolara eine Diskussion von deren Implikationen für die Orthographie vermied. 1932 widmete sich Crazzolara in Wien und London phonetischen und ethnologischen Studien. 1933 kehrte er nach Gulu, 1937 nach Arua in Nord-Uganda zurück, um dort die Sprachen Acholi und Lugbara zu studieren. Nach einer neuerlichen Internierung 1940 und weiteren Aufenthalten in Lira und Arua, begann er in Kangole Pokot zu untersuchen. 1975 beendete er seinen Afrikaaufenthalt und starb ein Jahr später in seinem Geburtsort. - Leider ist über Crazzolara noch keine profunde wissenschaftliche Biographie erschienen. Eine italienische Darstellung seines Lebens erschien 2005. Er verdient vor allem als anerkannter Linguist erwähnt zu werden, der sich intensiv mit einigen Sprachen in Uganda und Sudan beschäftigte. Im Zuge seiner Arbeit hat er mit einem Phonographen Sprachproben auf Wachswalzen verewigt, die er 1933 (41 Stück), 1937 (5 St.) und 1954 (14 St.) dem "Berliner Phonogrammarchiv" überließ. 1963 wurde dem Missionar für seine Forschungen der Titel eines "Honorary Member of the British Empire" verliehen und 1965 "for dedicated service to Africa" die "Royal African Society's Medal" zuerkannt.

Quellen: Archivio Comboniani Roma

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Werke: Beiträge zur Kenntnis der Religion und Zauberei bei den Schilluk. In: Anthropos, 1932: 183-211, 881-897, 4 Umschlagtafeln; 1933. Outlines of the Nuer Grammar, Wien; 1938 (1955) . A Study of the Acooli Language, Grammar and Vocabulary, London, New York, Toronto; 1950-54. The Lwoo, Vol. I: Migrations, Vol. II: Traditions, Vol. 3: Clans. Verona; 1953. Zur Gesellschaft und Religion der Nueer, Mödling; 1960. A Study of the Logbara (Ma'di) Language, Grammar and Vocabulary. London, New York, Toronto; 1978. A Study of the Pokot (Suk) Language. Bologna.

Lit.: Herrmann Jungraithmayr & Wilhelm J. G. Möhlig (Hrsg.), Lexikon der Afrikanistik: Afrikanische Sprachen und ihre Erforschung, 1983, 64; - Ronald R. Atkinson, The Roots of Ethnicity: The Origins of the Acholi of Uganda before 1800. Philadelphia 1994; - Arthur Simon (Hrsg.), Das Berliner Phonogramm-Archiv 1900-2000: Sammlungen der traditionellen Musik der Welt. Berlin 2000, 232; - Franz Vittur, P. Pasquale Crazzolara e la sua Africa: La storia di un missionario comboniano. San Martino in Badia 2005.

Clemens Gütl

Letzte Änderung: 09.04.2011