DAVIA, Gianantonio: Kardinal und Nuntius in Österreich, * 13.10. 1660 in Bologna, † 11.1. 1740 in Rom. - D. war wegen der Weite seines Geistes sehr geschätzt. Bereits in seiner Jugend war er den mathematischen und astronomischen Wissenschaften gegenüber sehr aufgeschlossen. Er machte auch Ausbildungsreisen nach London und Paris. 1684 ließ er sich sogar vom Großherzogtum Toskana anwerben, um gegen die Türken zu kämpfen. Nach seiner Rückkehr nach Rom konnte ihn Papst Innozenz XI. für den diplomatischen Dienst gewinnen. 1687 wurde er Internuntius in Brüssel. Jansenisnus und die schwierigen Beziehungen zwischen Rom und Frankreich waren seine eigentlichen »Sorgenkinder«, zumindest zunächst. Alexander VIII. versetzte D. 1690 an die Nuntiatur von Köln. Am 21. Juni 1690 wurde er zum Titularerzbischof von Theben ernannt. 1696 bestimmte ihn der Papst zum Nuntius in Polen. Schließlich gelangte er in Mai 1700 als Nuntius an den Wiener Hof zu Kaiser Leopold I. D. Squicciarini bemerkt zu dieser Nuntiatur in Wien: »Er mußte diese Funktion in einer Zeit besonderer Spannungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Habsburgerreich ausüben.« (Die Apostolischen Nuntien in Wien... S. 167). Am 5. Mai 1705 starb Leopold I. Ihm folgte sein Sohn Josef I., unter dem die Spannungen zum Hl. Stuhl wieder zunahmen. Der neue Kaiser befahl Nuntius Davia, innerhalb von drei Tagen Wien zu verlassen. D. kehrte in seine Diözese Rimini zurück. Dort wirkte er sieben Jahre als guter Hirte und war vor allem auch darauf bedacht, für seine Alumnen im Priesterseminar die besten Lehrer zu bekommen. Am 18. Mai 1712 wurde er Kardinalpriester von S. Callisto. 1726 verzichtete er auf die Diözese Rimini und kehrte nach Rom zurück. Hier wurde er Mitglied verschiedener Kongregationen und Protektor der Königreiche von England und Polen. Nach seinem Tode wurde er in seiner Titelkirche S. Lorenzo in Lucina beigesetzt. Papst Benedikt XIV. ließ ein Epitaph auf sein Grabmal setzen.
Lit.: D. Squicciarini: Die Apostolischen Nuntien in Wien, Città del Vaticano 1999, 166-169.