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Band XVIII (2001)Spalten 344-348 Autor: Matthias Wolfes

DEVARANNE, Theodor Eugen Gerhard Albert, evangelischer Theologe, * 28. Mai 1880 in Groß Ziethen (Uckermark), † 7. März 1946 in Berlin-Steglitz. - D. wuchs als Sohn des französisch-reformierten Pfarrers und späteren Konsistorialrates Eugène Devaranne (1851-1923) in seinem Geburtsort sowie in Angermünde auf. Er besuchte das Französische Gymnasium in Berlin, wo er im Februar 1899 die Abiturprüfung ablegte. Das Studium der Theologie nahm D. im Sommersemester 1899 an der Universität Berlin auf. Zum Sommersemester 1900 wechselte er nach Tübingen, später nach Heidelberg und wieder nach Berlin. Die erste Theologische Prüfung legte er am 18. September 1903 vor dem Berliner Konsistorium ab. Nach einem Vikariat in Boitzenburg (seit 1. Januar 1904) folgte die zweite Theologische Prüfung am 19. September 1905. Am 21. Oktober 1906 wurde D. ordiniert und zum Dienst als Hilfsprediger an der St. Gertraud-Gemeinde in Frankfurt / Oder beauftragt. Zum 16. Mai 1908 wurde er Frühprediger an der Jerusalemer und der Neuen Kirche in Berlin. Am 1. Oktober 1911 übernahm er im Zuge eines kirchenpolitisch nicht unumstrittenen Besetzungsverfahrens die vierte Pfarrstelle an der Trinitatiskirche in Charlottenburg. Alle fünf Pfarrstellen der großen Stadtgemeinde waren mit liberalen Theologen besetzt (vgl.: [ungez.:] Positive und Liberale, in: Der Reichsbote. Nr. 235 vom 6. Oktober 1912). Als Charlottenburger Pfarrer verband D. eine intensive Zusammenarbeit mit dem Kirchen- und Theologiehistoriker Karl Aner (1879-1933), der in der gleichen Gemeinde amtierte. Wiederholt trat D. in kirchenpolitischen Auseinandersetzungen als Vertreter eines kirchlichen Reformprogrammes auf. Auch setzte er sich 1911, gemeinsam mit weiteren Berliner Pfarrern, gegen die Kirchenbehörde für den umstrittenen und von Dienstentlassung bedrohten Carl Jatho ein. 1922 übernahm D. das Amt eines Missionsinspektors der durch den Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsverein (AEPM) unterhaltenen Ostasien-Mission in Berlin. 1930 wurde er zum Missionsdirektor berufen. In den frühen zwanziger Jahren war D. nebenamtlicher Dozent an der privaten Schleiermacher-Hochschule. Nach 1918 gehörte er der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an. - D. zählte zu jenem Kreis Berliner Stadtpfarrer, die durch die liberale Theologie der Zeit, vornehmlich durch Adolf Harnack und weitere liberale Mitglieder der Berliner Theologischen Fakultät, geprägt worden waren. Er war regelmäßiger Autor der »Christlichen Welt« und Mitglied der »Vereinigung der Freunde der Christlichen Welt«. Wiederholt referierte er bei regionalen und überregionalen Tagungen dieser liberalen Theologenvereinigung. Im Mittelpunkt standen dabei zumeist Themen der großstädtischen Pfarramtspraxis sowie der Missionsproblematik (vgl. etwa: Die Christliche Welt 36 (1922), 482-483). - Der missionarischen Arbeit war D.s theologisches und kirchliches Interesse vornehmlich zugewandt. Auch seine breite publizistische Wirksamkeit war missionarischen Fragen, vor allem der Ostasien-Mission, gewidmet. Das 1931 im Leopold Klotz-Verlag in Gotha erschienene Buch »Christus an Torii und Pagode. Eine Handreichung für die Mission daheim« gibt eine ausführliche theologische Begründung für Recht und Notwendigkeit kirchlicher Mission aus liberaltheologischer Sicht. Die hier von D. vorgetragene Argumentation kann als beispielhaft für die im deutschsprachigen Liberalprotestantismus der Zwischenkriegszeit vertretene Missionstheorie angesehen werden. Dabei finden sich neben differenzierten kulturtheoretischen Überlegungen, die vor dem Hintergrund umfassender religions- und kulturgeschichtlicher Ausführungen entfaltet werden, auch problematische Aspekte, etwa ein unzulänglich reflektierter Rassebegriff. Als »letztes und entscheidendes Motiv aller Mission« betrachtet D. »unseren evangelischen Glaubensbesitz«. In knappen Sätzen hat er diesen Glaubensbesitz in folgender Weise zusammengefaßt: »Der lebendige und allmächtige Vatergott aller Menschen, als absolute geistige Persönlichkeit und vollkommene Liebe gedacht, und damit unüberbietbar an Gehalt. Seine Realität und Wahrheit gilt es, allen fingierten, vorgeahnten und vorgebildeten Gottheiten entgegenzusetzen. Er erhebt Anspruch auf die ganze Welt! - Der lebendige Jesus Christus als vollkommene Offenbarung dieses Gottes, das Herz Gottes uns in ihm dargeboten, der uns mit seinem Leben und Sterben, mit höchster Liebe und höchstem Opfer, das Heil der Versöhnung erworben und damit den kürzesten Weg vom sündigen Menschen zum gnädigen Gott eröffnet hat. Ihn gilt es allen fingierten Gestalten und Taten anderer Erlöser und Heilande entgegenzusetzen als den Durchbruch Gottes in diese Welt! - Die lebendige Kraft des Heiligen Geistes, der die Gotteskindschaft als volle Liebesgemeinschaft mit Gott und Mensch hier vorbereitet und in der Ewigkeit erfüllt, Kraft zum Guten verleihend durch die einzigartige dreidimensionale Wesensart des Christentums an Stelle der nur zweidimensionalen aller außerchristlichen Religionen, weil nur hier diese drei genannten Auftriebe aus der Höhe wirken und real werden können« (Ebd., 25-26; vgl. auch: Geisteskampf um Ostasien, Gotha 1927. Kapitel IV).

Archivalien: Eine Personalakte zu Theodor Devaranne befindet sich im Evangelischen Zentralarchiv. Signatur: 14 / 22.687. Hinweise zur Amtstätigkeit in den Jahren seit 1911 enthält auch eine Akte zur Trinitatis-Kirchengemeinde in (Berlin-)Charlottenburg: EZA 7 / 11.660.

Werke: Deutsches Christentum und sein Weltberuf (Flugschriften des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins), Berlin 1916; Geisterglaube, Spiritismus und vierte Dimension. Anleitung zur Beurteilung okkulter und spiritistischer Erscheinungen, Berlin o.J. [1918]; Christus, Buddha, Konfuzius. Der Beweis des Geistes und der Kraft dreier Religionen (Flugschriften des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins), Berlin o.J. [ca. 1920]; Runen des Seelenlebens. Anleitung zur Beurteilung okkulter, spiritistischer und theosophischer Lehren und Vorgänge des Traum- und Wachbewußtseins (Schriften der Schleiermacher-Hochschule. Nr. 3), Berlin o.J. [ca. 1920]; Seelenwanderung und Wiederverkörperung (Reinkarnation und Karma). 2.-3. Auflage (Die okkulte Welt. Nr. 43), Pfullingen / Württemberg o.J. [1921]; Ist Mission modern?: wie treibt man Mission unter Kulturvölkern? Ein Wort an die Gebildeten unter ihren Verächtern, Berlin o.J. [1922]; Drei Wege zum Heil Ostasiens, in: Die Christliche Welt 37 (1923), 36-41; Chinas Volksreligion, dargestellt nach einer Rundfrage und verglichen mit den Grundlehren des Laotze, Konfuzius und Buddha (Sammlung gemeinverständlicher Vorträge und Schriften aus dem Gebiet der Theologie und Religionsgeschichte. Nr. 107), Tübingen 1924; Okkultismus, Theosophie, Anthroposophie mit besonderer Berücksichtigung von Rudolf Steiner [Neuausgabe von: Runen des Seelenlebens, Berlin o.J. (ca. 1920)] (Schriften der Schleiermacher-Hochschule. Heft 3), Berlin 1925; Jenseits der Todeslinie. Kagawa, ein christlicher Arbeiterführer Japans. Mit einem Vorwort von Johannes Witte (Allgemeiner Evangelisch-Protestantischer Missionsverein), Berlin 1925; Rund um den Fuji. Streifzüge durch Japans Frömmigkeit, Berlin 1927; Von Tsingtau bis Peking. Streifzüge durch Nordchina, Berlin 1927; Der gegenwärtige Geisteskampf um Ostasien. Der religions- und missionskundliche Ertrag einer Ostasien-Reise, Gotha 1928; Konfuzius in aller Welt. Ein tragisches Kapitel aus der Geschichte des Menschengeistes, Leipzig 1929; Amerika du hasts nicht besser. Reisebriefe aus Amerika, Heidelberg o.J. [1929]; Christus an Torii und Pagode. Eine Handreichung für die Mission daheim, Gotha 1931; Fernost vor Gott. Ein Kapitel aus der heutigen Welt- und Kirchengeschichte des fernen Ostens. Zweite Auflage, Berlin 1937; Natur und Gnade in der missionarischen Verkündigung (Schriftenreihe der Ostasien-Mission. Nr. 1), Berlin-Steglitz 1937; Mythus und Christus im Fernen Osten (Schriftenreihe der Deutschen Ostasien-Mission. Nr. 5), Berlin-Steglitz 1938; Das Alte Testament und seine Verwendung in der Mission (Schriftenreihe der Ostasien-Mission. Nr. 10), Berlin-Steglitz 1938; Die Kirchen Japans (Schriftenreihe der Ostasien-Mission. Nr. 12), Berlin-Steglitz 1940.

Herausgeber: Jahrbuch der Ostasien-Mission. Mit Jahresbericht der Ostasien-Mission (Allgemeiner Evangelisch-Protestantischer Missionsverein). Im Auftrag des Zentralvorstandes herausgegeben von Theodor Devaranne, Berlin-Steglitz 1935.

Lit.: Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg seit der Reformation. Herausgegeben vom Brandenburgischen Provinzialsynodalverband. Zweiter Band / Erster Teil: Verzeichnis der Geistlichen. Erster Teil. Bearbeitet von Otto Fischer, Berlin 1941, 152; - Chronik der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde zu Berlin. Herausgegeben von der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde zu Berlin mit einem Vorwort von Herbert Kriwath, Berlin 1967; - Matthias Manrique: Trinitatis im Wandel der Zeit: 1896-1961. Studie und Dokumentation, Berlin 1992.

Matthias Wolfes

Letzte Änderung: 04.01.2001