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Band XVIII (2001)Spalten 348-350 David Berger

DEZZA, Paolo: Jesuit, Kardinal und Thomist; * 13.12. 1901 zu Parma, † 17.12. 1999 in Rom. - Kurz vor seinem 18. Geburtstag, am 2.12. 1918, tritt D. in den Jesuitenorden ein. Nach dem Noviziat und dem Studium der Philosophie in Spanien sowie der Theologie in Innsbruck und Posillipo-Neapel, empfängt er am 25.3. 1928 die Priesterweihe. Sofort nach dem endgültigen Abschluß seines Studiums wird er Dozent für Philosophie (Metaphysik) an der Päpstlichen Universität Greogoriana (bis 1932). Am 26.12. 1935 erfolgt seine Ernennung zum Provinzial der Ordensprovinz Veneto-Mailand. In dieser Eigenschaft eröffnet er 1936 in Gallarate das philosophische Scholastikat »Aloisianum«, das sich bald zu einem wichtigen Zentrum des Neuthomismus in der Gesellschaft Jesu entwickelt. Dort wird er zunächst Professor für Metaphysik, ab 24. September 1939 Rektor. An seine erste wissenschaftliche Wirkungsstätte, die Gregoriana, kehrt er am 5.8. 1941 als deren Rektor zurück (bis 1951): Künftige Päpste und zahlreiche spätere Würdenträger zählen in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren zu seinen Hörern. In einem aufsehenerregenden Akt nimmt D. kurz nach Kriegsende den Oberrabbiner von Rom, Israel Zolli, der durch den Einsatz Papst Pius' XII. vor dem Wüten der Nationalsozialisten gerettet wurde, in die katholische Kirche auf. 1951 bis 1965 leitet D. das Collegium Bellarminum. In dieser Zeit ist er auch Generalsekretär der Internationalen Föderation Katholischer Universitäten (FIUC), Dozent an der Lateranuniversität und Konsultor an verschiedenen Dikasterien der Päpstlichen Kurie. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils kann er vor allem in der Vorbereitenden Kommission für die Studien und Schulen seinen Einfluß im Hinblick auf eine moderate Reform der Priesterausbildung geltend machen. Auch an der postkonziliaren Ausarbeitung der neuen »Ratio Fundamenalis Institutionis Sacerdotalis« (AAS 62 [1970] 321-384) wirkt er federführend mit. 1974 wird er Präsident der Kommission für höhere Studien im Jesuitenorden. Als 1981 der SJ-Ordensgeneral einen Schlaganfall erleidet, setzt Johannes Paul II. in einer spektakulären und von dem deutschen Jesuiten Karl Rahner hart kritisierten Aktion D. als Delegaten mit den Vollmachten eines Generals ein; dieses Amt wird er bis zur Wahl von Hans Peter Kolvenbach am 13.9. 1983 zum neuen General innehaben. Im Konsistorium vom 28.6. 1991 wird D. zum Kardinal erhoben; der Papst dispensiert ihn auf seine Bitte aber von der seit Johannes XXIII. bestehenden Verpflichtung aller Purpurträger zum Empfang der Bischofskonsekration. Seine letzen Lebensjahre verbringt der fast blinde Kardinal in der Krankenabteilung des Borgo Santo Spirito, gepflegt von einem argentinischen Laienbruder. Hier stirbt er am 17.12. 1999. Drei Tage später würdigt der Papst den Verstorbenen mit den Worten: »Christus in der Person seines Stellvertreters zu dienen, das war das Ideal des hl. Ignatius und auch das Ideal des gesamten Lebens Pater Dezzas, eines authentischen Jesuiten.« - In der wissenschaftlichen Welt wurde D. bereits in jungen Jahren in zwei Bereichen bekannt: Zunächst durch seine bis zur Stunde kontrovers diskutierten Forschungen zu den Ursprüngen der italienischen Neuscholastik. Sodann durch sein häufig aufgelegtes Handbuch der Metaphysik (»Metaphysica generalis«, 71964), das nicht nur eine von seinem Mitbruder Guido Matiussi (1852-1925) beeinflußte Befreiung des Jesuiten vom Suarezianismus zum Ausdruck bringt, sondern auch als eines der »letzen neuscholastischen Handbücher gelten kann, die den großen Vorteil haben, die Klarheit im Stil und im Ausdruck mit einer überzeugten Treue zum Denken des hl. Thomas verbinden zu können« (Aniceto Molinaro).

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Werke (Auswahl): Adnotationes in tractatum de ontologia, Rom 1930; L'affermazione di Dio nella moderna filosofia italiana, Rom 1932; Alle origini del neotomismo, Mailand 1940; I Neotomismi italiani del secolo XIX , 2 Bde., Mailand 1943-44; La filosofia del cristianesimo, Mailand 1949; Lineamenti di filosofia teoretica per le scuole medie superiori e le persone colte, Rom 1952; Metaphysica generalis, Rom 11952 (Rom 71964); Catalogus Catholicorum Institutorum de studiis superioribus, quem collegit et editit P. Paulus Dezza SJ, Rom 1957; Filosofia. Sintesi scolastica, Rom 51960; Metaphysica generalis praelectionum summa ad usum auditorum, Rom 1962; L'Educazione cristiana nella Dichiarazione Conciliare, in: CivCatt 117 (1966) I 110-125; La preparazione all'Enciclica »Aeterni Patris«, in: Studi Tomistici 10 (1981) 59-65.

Lit.: HdKG VII (1979) 344-345; - Hubert Jedin, Lebensbericht. Mit einem Dokumentenanhang hrsg. von Konrad Repgen, Mainz 11984, 200-206; - Christliche Philosophie im katholischen Denken des 19. und 20. Jahrhunderts II (1988) 74-79; 675; 688; - Michael Schulz, Karl Rahner begegnen, Augsburg 1999, 58-59; - Kirchliche Umschau 3-1 (2000) 21; - La Gregoriana: Informazioni PUG 5 (2000) 22-24.

David Berger

Letzte Änderung: 09.04.2011