DIETRICHSTEIN, Franz Fürst von (seit 1624), Bischof von Olmütz, * 22.8. 1570 in Madrid als Sohn des aus Kärntner Uradelsgeschlecht stammenden Diplomaten Adam Freiherrn von D. (1527-90), † 19.9. 1636 in Brünn, beigestzt im Dom zu Olmütz. - D. erwarb seine Ausbildung in Wien und Prag, seit 1588 im Collegium Germanicum in Rom. Er wurde 1591 Kanonikus in Olmütz, 1593 in Breslau und Passau und 1594 Propst in Leitmeritz. 1597 empfing D. die Priesterweihe und wurde von Clemens VIII. nach Rom und 1599 in das Kardinalskollegium berufen und am 26.5. 1599 zum Bischof von Olmütz gewählt. Als päpstlicher Legat hielt er am 9.6. 1600 seinen Einzug in sein Bistum. D. war in Mähren die Seele der Gegenreformation und der Regierungspartei. Rudolf II. ernannte ihn 1607 zum Präsidenten des Geheimen Rats. 1618 brach in Prag der Aufstand der Böhmen aus, der den Dreißigjährigen Krieg einleitete. D. mußte 1619 nach Wien flüchten. Nach dem Sieg Ferdinands II. in der Schlacht am Weißen Berge am 8.11. 1620 wurde D. Generalkommissar, Statthalter und Landeshauptmann von Mähren und führte als solcher die Gegenreformation vollends durch. 1624 wurde er Reichsfürst, 1635 Protector Germaniae und 1636 kaiserlicher Statthalter in Österreich. Seine große in Nikolsburg angelegte Bibliothek wurde 1645 von den Schweden vollständig ausgeplündert.
Lit.: Adam Voigt, Leben des Fürsten u. Kard. F. v. D., Leipzig 1792; - Peter Ritter v. Chlumecký, Carl v. Zierotin u. seine Zeit, 1564-1615, 2 Bde., Brünn 1862-79; - Anton Gindely, Rudolf II. u. seine Zeit, 1600-12, 2 Bde., Prag 1865 (18682); - Richard Trampler, Korr. des Kard. F. Fürsten v. D. (v. 1609 bis 1611), Wien 1871; - Ders., Korr. des Kard. D. mit dem Hofkriegsratspräsidenten Collalto, ebd. 1873; - Kard. F. Fürst v. D. in seinen Beziehungen zu Kaiser Ferdinand II. u. Papst Urban VIII., in: Zschr. des dt. Ver. f. die Gesch. Mährens u. Schlesiens 16, 1915, 115 ff.; - Dosaudil, Die Grabstätte des Kard. F. D. in Olmütz, ebd. 38, 1936, 89 ff.; - ADB V, 199 ff.; - NDB III, 701; - LThK III, 388.