Verlag Traugott Bautz |
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DOMINIS, Marcantonio de, röm.-kath. Erzbischof, zeitweilig anglikanischer Dekan, * 1560 auf der dalmatinischen Insel Arbe aus venetianischem Adelsgeschlecht, † 8.9. 1624 in Rom. - D. erwarb seine humanistische und theologische Bildung in einem Jesuitenkolleg und wurde Lehrer der Mathematik, Rhetorik und Philosophie in Verona, Padua und Brescia, 1596 Bischof von Zengg (Kroatien) und 1598 Erzbischof von Spalato und Primas von Kroatien und Dalmatien. 1616 reiste er nach England, trat in der Paulskirche in London zur anglikanischen Kirche über und wurde 1618 Master im Savoy Hospital, dann Rektor dieser Kapelle und später Dekan von Windsor. 1622 verließ D. England und kehrte nach Rom zurück. Die Kongregation des hl. Offiziums entschied, daß ihm erst nach erfolgter Buße und dreifacher Abschwörung vor der Inquisition in der Peterskirche mit dem Strick um den Hals und im Büßergewand vor dem Konsistorium Absolution zuteil werden solle. Nach dem Tod Gregors XV. († 8.7. 1623), seines alten Freundes und Beschützers, wurde D. verhaftet und der Inquisitionsprozeß neu eröffnet, vor dessen Abschluß er aber in der Engelsburg starb. In der Kirche Sta Maria sopra Minerva hielt man am 20.12. 1624 an seinem Sarg, neben den man einen Sack mit seinen Schriften gelegt hatte, über ihn definitives Gericht: man verurteilte D. zur Verbrennung und übergab ihn der weltlichen Obrigkeit zur Vollstreckung des Urteils. Am darauffolgenden Tag wurde der Leichnam aus dem Sarg gerissen, durch die Straßen geschleppt und schließlich auf dem Campo di Fiore verbrannt. Auf Grund eingehender kirchenrechtlicher, historischer und dogmatischer Studien schrieb D. "De Republica Ecclesiastica". In diesem seinem Hauptwerk stellte er dem gefälschten römischen Kirchenbegriff den echten katholischen entgegen. Als Anglikaner erstrebte D. die Wiedervereinigung der christlichen Kirchen auf episkopaler Grundlage unter scharfer Ablehnung des päpstlichen Primats. Die Motive seines Abfalls von Rom und seiner Rückkehr sind umstritten.
Lit.: Alfred v. Reumont, Btrr. z. it. Gesch. VI, 1857, 315 ff.; - Henry Newland, The Life and contemporaneous Church history of Antonio de D., Archbishop of Spalato, Oxford - London 1859; - Franz Heinrich Reusch, Der Index der verbotenen Bücher II, 1885, 402 ff. 904 ff.; - Arnolfo Bacotich, M. de D. Appunti Biografici, in: Archivio storico per la Dalmazia 4, 1927, 65 ff.; - Mario Praz. in: English Miscellany. A symposium of history, literature and the arts 8, Rom 1957, 195 ff.; - V. Gabriel, Bacon: La reforma e Roma, ebd. 226 ff.; - Delio Cantimori, Su M. A. de D., in: ARG 49, 1958, 245 ff.; - v. Pastor XII. 150 f. 216 f.; XIII, 83 f. 615; - DNB V, 1106 ff.; - DThC IV, 1668 ff.; - EC IV, 1295 f.; - LThK III, 493 f.; - NCE IV, 993; - ODCC2 386 f.; - RE IV, 781 ff.; - RGG II, 237 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1980
August Ziggelaar, Das Gymnasium d. Jesuiten in Padua um 1590 in Verb. mit d. Buche von M. De D. "De radiis visus et lucis", 1611, in: ASHI 49.1980, S. 255-264.
Letzte Änderung: 09.04.2011