Verlag Traugott Bautz |
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EBELING, Johann Georg, Herausgeber und Komponist der Lieder Paul Gerhardts, * 8.7. 1637 in Lüneburg als Sohn eines Buchbinders, † 4.12. 1676 in Stettin. - Von 1658 an studierte E. Theologie an der Universität Helmstedt. Wegen seiner musikalischen Begabung nahm ihn Herzog Christian Ludwig von Braunschweig unter die herzoglichen Alumnen auf. Seit 1660 wirkte er mit bei dem Hamburger Collegium musicum. E. wurde 1662 in Berlin als Nachfolger Johann Crügers Kantor an St. Nikolai und Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster und kam 1668 als Professor musices an das Gymnasium Carolinum in Stettin, wo er zugleich Kantor und Musiklehrer war. - E. gab von Februar 1666 bis Mai 1667 10 Hefte mit je 12 Liedern Gerhardts heraus, der 1657-67 Pfarrer an St. Nikolai war. Zu 112 der 120 Lieder erfand er eigene Weisen, die mehr arienmäßigen Charakter tragen und sich darum nicht durchzusetzen vermochten. Bekannt sind seine Weisen zu den Liedern »Die güldne Sonne voll Freud und Wonne« (EKG 346), »Du meine Seele, singe« (EKG 197) und »Warum sollt ich mich denn grämen?« (EKG 297). Seine Weise zu »Befiehl du deine Wege« verwendet das Evangelische Kirchengesangbuch für das Lied von Rudolf Alexander Schröder »Wer kann der Treu vergessen, die du an uns getan« (EKG 307). - Neben Johann Crüger ist E. der wichtigste Vertoner von Paul Gerhardts Liedern, kommt aber in seiner tonkünstlerischen Gestaltungskraft und Begabung Crüger nicht gleich.
Augg.: 12 geistl. Lieder Paul Gerhardts 4st. f. gem. Chor, 2 V. u. Gb., hrsg. v. Konrad Ameln, Kassel 1934. - J. Crüger u. J. G. E., 12 Choralsätze f. 4 gem. St. u. 2 Instrumentaloberst., Stuttgart-Plieningen 1951.
Lit.: Karl Hesselbacher, J. G. E., der Kurrendesänger v. S. Nikolai. Eine Weihnachtserz., 1936; - Hermann Löscher, Gedenktage unseres Landesgesangbuches. J. G. E., in: Kirchenchor 48, 1937, 115 ff.; - Hans Joachim Moser, J. G. E. z. 300. Geb.tag, In: Musik in Pommern, H. 6, 1937 (2 Nachdrucke: DtPfrBl 41, 1937, 437 ff.; Nach Gesetz u. Zeugnis, Mbl. des Bibelbundes 37, Lüneburg 1938, 116 ff.); - Grove's Dictionary of Music and Musicians, edited by Eric Blom, II, 19545, 873; - Dictionnaire de la Musique, publié sous la direction de Marc Honegger, Bordas 1970, 303; - Alfred A. Goodman, Musik v. A-Z, 1971, 117; - v. Winterfeld II, 184 ff.; - Koch IV, 110 ff.; - Kümmerle I, 347 f.; - Zahn VI, 226 ff.; - Fischer-Tümpel III, 296 f., - MGG III, 1041 ff.; - Eitner III, 298 f.; - Riemann I, 443; - Moser I, 305; - Hdb. z. EKG II/1, 196; - DLL III, 725; - ADB V, 525; - NDB IV, 222; - RGG II, 296.
Friedrich Wilhelm Bautz
Textanmerkungen:
Ebelings Weisen zu Gerhardt-Lieder sind "Die güldne Sonne" (EG 449), "Du meine Seele, singe" (EG 302), "Warum sollt ich mich denn grämen" (EG 370). R.A. Schröders Lied "Wer kann der Treu vergessen, die du an uns getan" ist nicht mehr im EG!
Im der Thüringischen ind Bayerischen Ausgabe des EG sind Ebeling-Weisen zu dem Liedern EG 449, 302 und 370 unterlegt.
Literaturergänzung:
2007
Elke Liebig, Die Berliner Zeit d. Gerhardt-Komponisten J.G.E. u. ihre belletrist. Darstellung, in: JBBK 66.2007, S. 52-79; -
2008
Johann Georg Ebeling und Paul Gerhardt: Liedkomposition im Konfessionskonflikt. Die Geistlichen Andachten Berlin 1666/67. Frankfurt am Main; Berlin; Bern; Wien [u.a.]: Lang, 2008. (Europäische Hochschulschriften - Reihe XXXVI ; 253) Zugl.: Lüneburg, Univ., Diss., 2007; - Elke Liebig, J.G.E. als Komponist Paul Gerhardts, in: Paul Gerhardt - Dichtung, Theologie, Musik. Tübingen 2008, S. 231-244; - Elke Liebig, Johann Georg Ebeling u. Paul Gerhardt: Liedkomposition im Konfessionskonflikt. Die Geistlichen Andachten, Berlin 1666/67. Frankfurt 2008.
Letzte Änderung: 09.04.2011