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Band XXVIII (2007) Spalten 538-540 Autor: Heinz-Peter Mielke

EISENMENGER, auch Siderocrates, Samuel, Iatromathematiker, * 28. Sept. 1534 Bretten, † 28. Febr. 1585 Bruchsal, Sohn des lutherischen Pfarrers Johannes E. Die Familie war eng befreundet mit der von Melanchthon. E. erhielt seine schulische Ausbildung bei Hieronymus Pindanus in Bretten, danach ab 1549 in Straßburg am Collegium Wilhelmitatum bei Valentin Erythraeus und Georg Hitzler. Im Jahre 1551 finden wir ihn als Student in Wittenberg, dort Abschluß mit dem Bakkalaureat 1555, 1552 in Heidelberg und Tübingen, dort Magisterexamen am 21.1. 1554. Zwischendurch war er kurze Zeit auch in Rostock. Im Jahre 1557 erfolgte die Berufung zum Mathematikprofessor nach Tübingen, 1558 gehörte er zur Artistenfakultät, deren Dekan er 1563 war. Am 31.10. 1564 erfolgte die Promotion zum Dr. med. in Tübingen. Eisenmenger war verheiratet mit Sephora Maler und hatte mit ihr zwei Söhne und drei Töchter. Sein Sohn Sophonias war wie der Vater Arzt. - Im Jahre 1556 war E. schwer erkrankt und wurde durch Kaspar Peucer, Melanchthons Schwiegervater, geheilt. Dieses Ereignis dürfte das Schlüsselerlebnis für seinen Weg zur Iatromathematik und vielleicht auch darüber hinaus zum Schwenkfeldertum gewesen sein. Wegen letzterem mußte er 1567 seine Tübinger Professur aufgeben und ging daraufhin an den Hof des Markgrafen Karl von Baden-Durlach. Als eine Missionierung der Markgräfin im Hause der Ärztin Agatha Streicher in Ulm, wohin E. die Empfehlung ausgesprochen hatte und womöglich auch zugegen war, zu einem Eklat führte, mußte er auch dieses Amt aufgeben und wurde sogleich 1572 Leibarzt des schwenkfeldisch orientierten Bischofs Marquard von Speyer. Dieses Amt hatte er bis zum Tode des Bischofs 1581 inne. - Sein bedeutendstes Werk ist die von ihm redigierte und herausgegebene Cyclopaedia Paracelsica Christiana von 1585 eines anonymen Liebhabers Christi, wobei sein Anteil sicherlich größer war als es die Titelei impliziert. Der eigentliche Verfasser des Textes ist strittig. Ein 1562 angekündigtes astronomisches Lehrbuch scheint nicht herausgekommen zu sein. Ob das 1572 unter dem Pseudonym Christophorus Sevenus verfaßte religiöse Werk "Vom Ersten Adam. Vor vndt nach seinem Fall Sündt vnd Erbsündt. Auch von Christo dem Andern Adam...(Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Cod. theol. et phil. 4o" 51) in den Druck ging, ist gleichsam fraglich.

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Gedruckte Werke: Ephemerides Tubingensis... (Tübingen 1561); Ephemerides. Anno labente a mvndo condito 5523 a dilvvio inchoato 3867. à circumsione data 3476. à primo Pascahte et Pentecoste 3070. à Babylonica monarchia 1606. à nato Redemptore 1561. à mortua et resuscitato 1528. à regno Mahometico 931. Ab instituto electoratu 577. Et Prognosticon de futuris calamitatibus (Tübingen 1561); Libellus geographicus locorum numrandi intervalla rationem in lineis rectis & sharicis complectens ... in Academia inclyta Tubingensi collectus & dicatus (Tübingen 1562); Prognosticon Vnd Weyssagung der fürnemsten dingen so vom M.D.L.XIIII. Jar biß auff dz. M. DC.VII. sich zutragen werden / auß den Finsternussen vnd grossen Ephemeri des Hochgelerten Cypriani Leouicii vnd auß dem Prognostico Samuelis Syderocratis / gezogen vnd zusamengestelt; Oratio de methodo ιατρομαδηματικων ...(Tübingen 1562/63); De usu partium coeli oratio. In lavdem svmmi boni...ac astronomiae commendationem (1563); Admonitio de ecliptibus et aliis coeli signis quae in xx. Junii et 24. Aug. a 1563 indicunt (Tübingen1563); Cyclopaedia Paracelsica Christiana. Drey Bucher von dem waren vrsprung vnd herkom/men der freyen Künsten / auch Physiognomia, obern Wunderwercken vnd Witterungen/ drinn auß der H. Schrifft mit beständigen grund nach notdurfft dargethan wuert / daß alle freye Künst / als Schreiberey / Rednerey / Rechnung / Singkunst / Erdmesserey / Gestirnkunst sampt der Naturkündigkeit vnd Artzneykunst / nit auß mensch=lichen vermeinten erfindungen / sonder allein von Gott dem Allmächtigen / als vm reichen vberquellenden Bronnen herkommen / daß auch solche Künst allein bey Gott durch den Glauben gesucht / vnd inn den Büchern Got=tes vnnd seiner Diener bezeuget / vnnd gelehrt sollen werden (Straßburg 1585).

Lit.: Wilhelm Kühlmann und Joachim Telle: Der Frühparacelsismus. Tübingen 2004; - Stefan Rhein: Die Cyclopaedia Paracelsica Christiana und ihr Herausgeber Samuel Siderocrates: Enzyclopädien als anti-humanistische Kampfschrift. In: Enzyclopädien der Frühen Neuzeit. Beiträge zu ihrer Erforschung. Tübingen 1995, 81-97; - Heinz-Peter Mielke: Schwenkfeldianer im Hofstaat Bischof Marquards von Speyer (1560-1581). Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 28 (1976), 77-82, mit einem Porträt Eisenmengers.

Heinz-Peter Mielke

Letzte Änderung: 09.04.2011