ERICHSON, Johann [der Jüngere], evangelischer Theologe, Philosoph, * [?] September 1777 in Stralsund, † 16. Dezember 1856 in Greifswald. - Seit 1783 besuchte E. das städtische Gymnasium in Stralsund. Ostern 1795 absolvierte er dort die Reifeprüfung. Von 1795 bis 1798 studierte er Theologie an der Universität Jena, seit 1799 in Greifswald. Zugleich widmete er sich philosophischen Studien. 1804 legte er die theologische Kandidatenprüfung ab; im gleichen Jahr promovierte er in Greifswald zum Dr. phil. Nach einem Aufenthalt in Berlin und Dresden siedelte er 1805 nach Wien über, wo er bis 1814 blieb. Hier widmete er sich als Privatgelehrter philosophischen und ästhetischen Studien. Während der Wiener Jahre trat er in nähere Bekanntschaft mit Ludwig van Beethoven, später auch mit Johann Wolfgang Goethe und Karl A. Varnhagen von Ense. E.s literarische Arbeit galt in erster Linie der Zeitschrift »Neue Thalia« (1811) und einer Anthologie, die unter dem Titel »Griechischer Blumenkranz« eigene Übersetzungen antiker Lyrik enthielt (Wien / Triest 1810). 1814 kehrte E. nach Greifswald zurück, wo er Adjunct der Philosophischen Fakultät für deutsche Stilistik, Latinität und Ästhetik wurde. 1822 erhielt er die Ernennung zum außerordentlichen, 1830 die zum ordentlichen Professor. In sein Aufgabengebiet als Professor der Eloquenz fiel auch die jährlich zu haltende Festrede am Geburtstag des preußischen Königs. Seit 1817 gab er die Zeitschrift »Akademisches Archiv« heraus, in der unter anderem eigene Untersuchungen zu Problemen der Ästhetik und der Philologie erschienen. Seit 1844 lehrte E. in der Philosophischen Fakultät neben Ernst Stiedenroth (1794-1858) und dem aus der Theologischen Fakultät gewechselten Marheineke-Schüler Conrad Stephan Matthies (1807-1856).
Werke: An Schwedens König [Gedicht; 2. Bl.], Stralsund 1804; Griechischer Blumenkranz. Eine Auswahl aus der lyrischen Poesie der Griechen. In Übersetzungen mit hinzugefügtem griechischem Text, einem Anhang, eigene Gedichte vom Herausgeber enthaltend, und vier Umrissen, Wien / Triest 1810; Das Glück. Ein Gedicht, in: Deutsches Museum. Herausgegeben von Friedrich Schlegel 2 (1812), 183; Glauben und Poesie zum Frühling, Berlin 1806; Grundlinien zu einer Theorie der Balletkunst, als einer schönen Kunst, in: Greifswalder academisches Archiv 1 (1816). Nr. 1; Griechische Epigramme, in: Greifswaldisches academisches Archiv 1 (1816). Nr. 1; Ueber den Antheil, den die Wissenschaften und die Academien Deutschlands an dem glücklichen Ausgange des Kampfes für die Freyheit und das Heil der Völker gehabt haben, in: Greifswaldisches academisches Archiv 1 (1816). Nr. 2; Animadversiones in Charitonis Aphrodisiensis de Chaerea et Callirrhoe amatoriarum narrationum libros, in: Greifswaldisches academisches Archiv 1 (1816). Nr. 3; Ueber die Entwicklung der moralischen Wahrheit in den neuern Systemen. Eine Rede, Greifswald 1825; Ueber die philosophische Idee des Optimismus, oder der besten Welt, Greifswald 1827; Ueber den Parallelismus des sittlich Guten und des Schönen, Greifswald 1828; Ueber die Theodicee, Greifswald 1830; Ueber das moralische, theoretische und aesthetische Uebel, Greifswald 1831; Ueber die neueren Angriffe auf die historische Grundlage der christlichen Religion. Eine Rede, Greifswald 1837; Ueber das moralisch Erhabene, Greifswald 1849.
Lit.: Johann Gottfried Ludwig Kosegarten: Geschichte der Universität Greifswald mit urkundlichen Beilagen. Zwei Teile, Greifswald 1856/57 (Nachdruck: Aalen 1986); - Diederich Hermann Biederstedt: Nachrichten von dem Leben und den Schriften neuvorpomerisch-rügenscher Gelehrten seit dem Anfange des achtzehenten Jahrhundertes bis zum Jahre 1822, Greifswald 1824; - ADB 6, 214 (Häckermann).
Matthias Wolfes
Letzte Änderung: 09.04.2011