ERMENBERT, Erzbischof von Bourges, gest. spätestens 810. - Ermenbert war der erste Erzbischof von Bourges in der Karolingerzeit. Er ist lediglich durch drei Quellenzeugnisse bekannt. Hierbei handelt es sich um den Eintrag seines Namens in der Bischofsliste von Bourges (Duchesne, S. 22) sowie um zwei Briefe Papst Hadrians I. (772-795) an Karl den Großen (768-814), die im Codex Carolinus überliefert sind, einer auf Veranlassung Karls angelegten Briefsammlung mit 99 nahezu ausschließlich päpstlichen Briefen an die Karolinger aus den Jahren von 739 bis 791. Aus dem ersten dieser Briefe (Codex Carolinus n. 85) geht hervor, daß sich Ermenbert, damals noch Presbyter, im Jahre 788/89 im Auftrag Karls nach Rom begab. Der zweite dieser Briefe (Codex Carolinus n. 91) kündet davon, daß Ermenbert, der zu diesem Zeitpunkt bereits Bischof war, zwischen 789 und 791 erneut von Karl in die Heilige Stadt entsandt wurde, damit er bei Hadrian I. die vom Frankenkönig gewünschte Erhebung des Bistums Bourges zum Erzbistum beantragte. Der Papst entsprach Karls Wunsch, erhob das Bistum Bourges zum Erzbistum sowie Bischof Ermenbert zum Erzbischof und verlieh diesem das Pallium als Zeichen der erzbischöflichen Würde. Ebroin, der Nachfolger Ermenberts auf dem Erzbischofsstuhl von Bourges, wird erstmals in einem auf das Ende des Jahres 810 zu datierenden Brief erwähnt. Daraus folgt, daß Ermenbert spätestens 810 verstorben sein muß.
Quelle: Codex Carolinus, ed. Wilhelm Gundlach. In: MGH Epp. 3, Berlin 1892 (Nachdr. 1994), 469-657.
Lit.: Sigurd Abel, Jahrbücher des Fränkischen Reiches unter Karl dem Großen 1, fortges. von Bernhard von Simson (Jahrbücher der deutschen Geschichte 5,1), Berlin 18882 (Nachdr. 1969), 549; - Louis Duchesne, Fastes épiscopaux de l'ancienne Gaule 2, Paris 19102, 30; - Albert Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands 2, Leipzig 19589, 212; - Heinrich Büttner, Mission und Kirchenorganisation des Frankenreiches bis zum Tode Karls des Großen. In: Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben 1, hrsg. von Helmut Beumann, Düsseldorf 1965, 454-487, hier 482-483; - Philippe Wolff, L'Aquitaine et ses marges. In: Karl der Große. Lebenswerk und Nachleben 1, 269-306, hier 296; - Reinhold Kaiser, Bischofsherrschaft zwischen Königtum und Fürstenmacht. Studien zur bischöflichen Stadtherrschaft im westfränkisch-französischen Reich im frühen und hohen Mittelalter (Pariser historische Studien 17), Bonn 1981, 524; - Guy Devailly, Le temps de la division (Ve-VIIIe siècles). In: Histoire de Berry, hrsg. von Guy Devailly, Toulouse 1987, 67-130, hier 85; - Jacques Péricard, Ecclesia Bituricensis. Le Diocèse de Bourges des origines à la réforme grégorienne (Collection des thèses 7), Clermont-Ferrand 2006, 50, 267; - Achim Thomas Hack, Codex Carolinus. Päpstliche Epistolographie im 8. Jahrhundert 2 (Päpste und Papsttum 35,2), Stuttgart 2007, 996.
Daniel Carlo Pangerl
Letzte Änderung: 09.04.2011