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Band I (1990)Spalten 1537-1539 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

ERNST der Fromme, Herzog von Sachsen-Gotha, * 25.12. 1601 in Altenburg als Sohn des Herzogs Johann von Weimar († 1605), † 26.3. 1675 in Gotha. - Während des Böhmischen Krieges leitete E. in Abwesenheit seines älteren Bruders Johann Ernst († 1626) die Landesverwaltung und machte unter Gustav Adolf und dann unter seinem jüngeren Bruder, Bernhard von Weimar, eine Reihe von Feldzügen im Dreißigjährigen Krieg mit. 1633 betraute ihn Bernhard mit der Verwaltung des Herzogtums Franken (der Bistümer Würzburg und Bamberg), das aber im nächsten Jahr durch die Niederlage der Schweden h et Nördlingen verlorenging. 1636 vermählte er sich mit der Tochter des Herzogs Johann Philipp von Altenburg, Elisabeth Sophie, und regierte in Weimar mit den Brüdern gemeinsam. E. wurde 1640 durch die Teilung der altweimarischen Lande erster Herzog des gothaischen Landes. 1644 fiel ihm durch Albrechts Tod die Hälfte des Fürstentums Eisenach zu, 1660 Teile von Henneberg und 1672 durch den Tod des Herzogs Wilhelm von Altenburg Teile der koburg-altenburgischen Gebiete. E. widmete sich eifrig dem Wiederaufbau des durch die Kriegswirren schwer heimgesuchten Landes und erwarb sich durch seine Kirchen- und Schulreform große Verdienste. Auf Grund der Generalvisitation von 1641-45 führte er seine kirchlichen und pädagogischen Neuerungen durch, beraten von dem Kanzler Georg Franzke († 1659) und dessen Nachfolger Veit Ludwig von Seckendorf, dem Hofprediger Christoph Brunchorst, dem Generalsuperintendenten Salomon Glassius und dem Gymnasialdirektor Andreas Reyher. Da die Lutherbibeln mit den Summarien durch die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges selten geworden waren, veranstaltete E. die Herausgabe der berühmten »Ernestinischen Bibel«. Der Schulmann Sigismund Evenius entwarf mit Brunchorst den genauen Plan, E. selbst aber stellte die Grundsätze fest, nach denen sie ausgearbeitet werden sollte. Fast 30 bedeutende Theologen wurden zur Ausarbeitung herangezogen; sie sollten »die heilige Schrift also glossieren und auslegen, daß in derselben aller schweren unbekannten und dunklen Wörter Verstand jedermänniglich alsbalden in Lesung des Textes dadurch bekannt gemacht werde und also zur Erbauung des Christentums dienlich sein möchte«. Jede Gemeinde sollte von dieser Bibel ein Exemplar besitzen; arme Gemeinden erhielten sie vom Herzog ganz oder teilweise geschenkt. Die »Emestinische Bibel« erschien 1640 und fand großen Absatz. Sie wurde zuletzt 1880 ff. in St. Louis (Missouri) gedruckt. Es folgte 1642 das »Teutsche Gesangbüchlein«, Vorläufer des »Geistlichen Gesangbüchleins« von 1660, des ersten evangelischen Landesgesangbuchs.

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Lit.: Karl Klaunig u. Heinrich Justus Schneider, E., Hzg. zu S.-G., nach seinem Leben u. Wirken, 1858; - August Beck, E. d. F., 2 Tle., 1865; - Woldemar Böhne, Die päd. Bestrebungen E. d. F. v. G. Nach den archival. Qu. dargest., 1888; - Gotthold Kreyenberg, E. d. F. Ein Lebens- u. Kulturbild aus dem 17. Jh., 1890; - Andreas Braem, Der Gothaische Schulmethodus. Eine krit. Unters. über die ersten Spuren des Pietismus in der Päd. des 17. Jh.s (Diss. Erlangen, 1896), Berlin 1897; - J. Kuntz, Hzg. E. d. F. Verdienste um die ev. Gesamtkirche, in: NKZ 9, 1898, 156 ff.; - Hermann Schrödel u. Harry Müller, E. d. F., ein Pädagog unter den Fürsten, 1901; - Friedrich Waas, Die General-Visitation E. d. F. im Hzgt. S.-G. 1641-45 (Diss. Gießen, 1908), in: Zschr. f. Thüring. Gesch. u. Altertumskunde 27, 1909 bis 30, 1914; - Hans Zimmer, Hzg. E. d. F., 1913; - Kurt Schmidt, Gothas Stellung in der Bildungsgesch. des 17. Jh.s, 1924, 42 ff.; - R. Ehwald, Hzg E. d. F. Rede bei der Enthüllung des Denkmals zu Gotha am 4.9. 1904, in: Mitt. der Ver. f. Gothaische Gesch. u. Altertumsforsch., 1928, 56 ff.; - Friedrich Facius, Staat, Verwaltung u. Wirtschaft in S.-G. unter Hzg. Friedrich II. (1691-1732). Eine Stud. z. Gesch. des Barockftm. in Thüringen (Diss. Heidelberg), Gotha 1933, 17 f. 25 ff. u. ü.; - Justus Hashagen, E. d. F. Ein Kämpfer f. prakt. Christentum, in: Zeitwende 13, 1936/37, 47 ff.; - Otto Michaelis, E. I. d. F., in: Ders., Im Mutterlande der Ref., 1938, 112 ff.; - Heinrich Tilemson, E. d. F., Hzg. v. S.-G. Festrede, 1940; - Reinhold Jauernig, Die Erneuerung des Kirchengesangs im Hzgt. S.-G., in: JLH 2, 1956, 121 ff.; - Erich Beyreuther, in: Luth. Missionsjb., 1956, 33 ff.; - Ders., August Hermann Francke u. die Anfänge der ökumen. Bewegung, 1957, 26 ff.; - Ludwig Fertig, Obrigkeit u. Schule: die Schulreform unter Hzg. E. d. F. u. die Erziehung z. Brauchbarkeit im Zeitalter des Absolutismus, 1971; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch. I2, 1973, 645 f.; - ADB VI, 302 ff.; -NDB IV, 622 f.; - RE V, 477 ff.; XXIII, 431; - RGG II, 601.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

Andreas Klinger, Der Gothaer Fürstenstaat. Herrschaft, Konfession und Dynastie unter Herzog Ernst dem Frommen (= Historische Studien 469). Husum 2002; - Patrick Franke, Zwischen Pietismus u. Orientalismus. Eine Begegnung "im Reiche derer Todten" zwischen E.d.F. u. Mulay Ismail, in: Interdisziplinäre Pietismusforschungen. Hrsg. von Udo Sträter. Halle 2005, S. 769-779.

Letzte Änderung: 09.04.2011