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Band XXX (2009) Spalten 367-369 Autor: Erich Naab

ERNST, Joseph, katholischer Theologe und Priestererzieher, geb. am 26.11. 1804 auf dem Stadlhof zwischen March und Teisnach im Bayerischen Wald, gest. am 21.2. 1869 in Eichstätt. - Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, konnte J.E. erst 1822 mit seiner Gymnasialbildung in Straubing beginnen. 1827 schrieb er sich an der Universität in München ein, hörte Joseph Görres und Friedrich Schelling, wechselte aber schon 1829 an die Gregoriana in Rom und promovierte dort 1831 in Philosophie und 1835 in Theologie. 1834 empfing er die Priesterweihe, 1835-37 wirkte er als Studienpräfekt in der Kammer der Philosophen am Germanicum-Hungaricum. Von Bischof Carl August von Reisach 1837 nach Eichstätt gerufen, wurde er 1838 zum ersten Regens des wieder errichteten "Collegium Willibaldinum" ernannt, einem Priesterseminar, das von Reisach zur Restauration des tridentinischen Ideals gedacht war und in dem 1843 ein bischöfliches, öffentlich anerkanntes Lyzeum gegründet wurde. Auch diesem Lyzeum stand Ernst bis 1862 als Rektor vor, dozierte an ihm nacheinander mehrere philosophische und theologische Disziplinen, vor allem 1853-62 und 1863-69 die Dogmatik, und prägte, auch durch seine Schüler (u.a. Franz Morgott, Johann Ev. Pruner, Mathias Schneid, Albert Stöckl, Joseph Georg Suttner), den Geist und bestimmende Inhalte an der von ihm begründeten Schule. Zugleich reformierte er (seit 1854) durch Pastoralkonferenzen die Priesterfortbildung der Eichstätter Diözese. Veröffentlicht hat er selbst nichts; an der Überarbeitung der 1768 erstmals erschienenen "Instructio Pastoralis Eystettensis" unter Bischof Georg von Oettl (1854) war er mit J.G. Suttner wesentlich beteiligt. 1843 wurde Ernst Domkapitular in Eichstätt (königliche Ernennung), 1857 Cameriere segreto, 1859 Summus Theologus und Dompropst. Nach Differenzen mit Bischof Oettl, ausgelöst durch die enge finanzielle Lage des Seminars, wurde Joh. Ev. Pruner 1862 als Ernsts Nachfolger in Rektorat und Regentie bestellt. Ernst gab zur gleichen Zeit auch seine Professur ab, ließ sich 1863 in den Bayerischen Landtag wählen, nahm aber noch 1863 seine Vorlesungen in Dogmatik wieder auf und legte 1865 sein Landtagsmandat nieder. - Von seinen hinterlassenen Manuskripten zeigt vor allem sein Kirchentraktat weit reichenden Einfluss auf ein soteriologisches Verständnis der Kirche als "Sakrament des Lebens". Ein relationaler, personaler Ansatz prägt seine Gnadenlehre, in der er die Existenz einer bloßen Natur bestreitet, personale Freiheit als erste, allgemeine Wirkung der Gnade versteht und die Aporien neuzeitlicher Gnadenlehre (bei Thomisten und Molinisten) zu unterlaufen sucht.

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Nachlass: In der Universitätsbibliothek Eichstätt (Nl. 1); vgl. dazu Franz Sales Romstöck, Personalstatistik und Bibliographie des bischöflichen Lyceums in Eichstätt, 1894, 121f; zu den Vorlesungsmitschriften vgl. Stephan Kellner, Die Handschriften der Bischöflichen Seminarbibliothek, Cod. sm 600-1272. Die Kollegschriften aus dem 19. und frühen 20. Jh. (Kataloge der UB Eichstätt II,3), 1998; Ernsts Korrespondenz findet sich im Diözesanarchiv Eichstätt.

Lit.: Franz v. P. Morgott, Dompropst Dr. J.E., der erste Regens des bischöflichen Seminars zu Eichstätt. Eine Lebensskizze, 1888; - Erich Naab, Das eine große Sakrament des Lebens. Studie zum Kirchentraktat des J.E. (1804-1869) mit Berücksichtigung der Lehrentwicklung in der von ihm begründeten Schule, 1985; - Ders., Die Kirche als Bild des dreifaltigen Gottes. Eine Überlegung zum Kirchentraktat des J.E., in: Herbert Hammans u.a. (Hrsg.), Geist und Kirche, 1991, 277-297; - Ders., "Thomismus" am Eichstätter Lyzeum? Die Diskussion der hinreichenden und wirksamen Gnade, in: Alfred Glässer (Hrsg.), Veritati et Vitae I. 150 Jahre Theologische Fakultät Eichstätt, 1993, 73-103; - Ders., Die Gegenwart Gottes in der Gnade. Universalität und Relation der Gnade nach Eichstätter Theologen im 19. Jh., 2002, 8-102; - Ludwig Mödl, Priesterfortbildung um die Mitte des 19. Jh., 1985; - Erich Garhammer, Seminaridee und Klerusbildung bei Karl August Graf von Reisach. Eine pastoralgeschichtliche Studie zum Ultramontanismus des 19. Jh., 1990 (dazu E. Naab, in: FoKTh 9, 1993, 290-293); - Leo Scheffczyk, Theologie im Aufbruch. Das 19. Jh., in: Walter Brandmüller (Hrsg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte III, 1991, 477-537, hier 524-528; - Rainer A. Müller (Hrsg.), Vitae et Veritati II, 1993, 323f.; - Kosch, KD 652; - LThK3 III, 820.

Erich Naab

Letzte Änderung: 09.04.2011