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Band I (1990)Spalten 1543-1544 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

ESPEN, Zeger Bernhard van, kath. Kirchenrechtler, * 9.7. 1646 in Löwen, † 2.10. 1728 in Amersfoort (Bistum Utrecht). - E. studierte in seiner Vaterstadt Theologie und kanonisches Recht, erhielt 1673 die Priesterweihe und wurde 1675 in Löwen Professor des kanonischen Rechts. Er war einer der einflußreichsten Vertreter des Episkopalismus, einer Strömung innerhalb der katholischen Kirche, die den päpstlichen Primat beschränken wollte zugunsten des Gesamtepiskopats als des Trägers der obersten kirchlichen Jurisdiktionsgewalt und des Gallikanismus (s. Pithou, Pierre; Richer, Edmond), einer Richtung innerhalb der katholischen Kirche, die dem Papst das Recht einer Einmischung in weltliche und politische Angelegenheiten absprach und die geistliche Macht des Papstes durch die Beschlüsse der Konzilien beschränkte. Da E. in den jansenistischen Streitigkeiten (s. Jansen, Cornelius) auf die Seite der Jansenisten trat, kam sein »Jus ecclesiasticum universum« 1704 auf den Index librorum prohibitorum. Als das Domkapitel in Utrecht die Bulle Clemens' XI. »Unigenitus« vom 8.9. 1713 nicht anerkannte und 1723 im Widerspruch mit der römischen Kurie Cornelius Steenhoven zum Erzbischof wählte und weihen ließ, verteidigte E. in seinem Gutachten die Rechtmäßigkeit der Wahl und Weihe. Darum wurde er von seinem Lehramt suspendiert. Vom Erzbischof von Mecheln zur Rechtfertigung bzw. zum Widerruf aufgefordert, floh E. über Maastricht zu den Jansenisten nach Amersfoort. Seine gesamten Schriften wurden 1734 verboten, was aber nicht ihre Wertschätzung beeinträchtigte; selbst Benedikt XIV. erkannte die Bedeutung des Kanonisten E. an.

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Werke: Jus ecclesiasticum universum, 2 Bde., Löwen 1700, Brüssel 1710; 5 Bde., Mainz 1791.- Ges. Werke, 5 Bde., Löwen 1721, 1753-59; 3 Bde., Mainz 1791.

Lit.: François Laurent, van E. Étude historique sur l'église et l'état en Belgique, Brüssel 1860; - Bertrand van Bilsen, De Invloed van Z. B. v. E. op het ontstaan van de kerk van Utrecht, 1944; - Ders., Het schisma van Utrecht, 1949; - Ellwood Wadsworth Kemp, Z. B. v. E., in: Theology 49, London 1946, 194 ff.; - Pontien Polman, Romeinse Bronnen voor de kerkelijke toestand der Nederlanden onder de Apostolische vicarissen 1592 bis 1727, III u. IV, 's Gravenhage 1952-55; - Schulte III/1, 704 ff.; - RE V, 500; - RGG II, 692; - HN IV, 1281 ff.; - EC V, 599; - Catholicisme IV, 445; - DDC V, 457 ff.; - LThK III, 1107; - NCE V, 543.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzungen

LThK3 III, 886; - Leclerc, Gustave, Zeger-Bernard van Espen (1646-1728) et l'autorité ecclésiastique, Zürich 1964; - Nuttinck, Michel, La vie et l'oeuvre de Zeger-Bernard Van Espen : un canoniste janseniste, gallican et regalien a l'Universite de Louvain (1646-1728), Publications Universitaires de Louvain, Louvain 1969 (Recueil de travaux d'histoire et de philologie ; fasc. 43); - G. Cooman / M. van Stiphout /B. Wauters (eds), Zeger-Bernard van Espen at the Crossroads of Canon Law, History, Theology and Church-State Relations, (Bibliotheca Ephemeridum Theologicarum Lovanensium 152), Peeters: Leuven 2003; - Jan Visser, Hat van Espen heute noch aktuelle Bedeutung?, in: Kirchenrecht und Theologie im Leben der Kirche. Essen 2007, S. 411-422.

Letzte Änderung: 09.04.2011