FILLMORE, Charles, * 1854, + 1948, ursprünglich amerikanischer Methodist. Zusammen mit seiner neun Jahre älteren Ehefrau Myrtle geb. Page, die er 1881 geheiratet hatte, gründete er 1887 in Kansas City, Missouri, die »Unity School of Christianity«, die eine der größten und einflußreichsten Gruppen der Neugeistbewegung (New Thought Movement) werden sollte. Während ihres Aufenthaltes in Pueblo, Colorado, wo das Ehepaar F. eine Landwirtschaft betrieb, lernte es Emma Curtis Hopkins kennen. Diese Dame, die gleichsam am Anfang der Entstehung der »Kirche der Göttlichen Weisheit« (Church of Divine Science) steht, übte auf die F. einen starken Einfluß aus. Sie besuchten mehr als 40 Kurse der verschiedenen Zentren der Neugeistbewegung und entwickelten daraus ihre eigene, eklektische Theologie. Diese fand ihren Niederschlag im Buch von Charles F. »The Twelve Powers of Man« sowie in der von ihm 1889 begründeten Zeitschrift »Modern Thought«, die ab 1891 unter dem neuen Titel »Unity« erschien. »Unity« wurde in der Folge auch der Name der von ihm geleiteten Bewegung. Anfangs standen die Kurse von »Unity« den Mitgliedern jeglicher Konfession oder auch Konfessionslosen offen, und F. entfaltete auch keine Bemühungen, Mitglieder zu sammeln und eine Organisation konfessioneller Natur zu gründen. Der erste Dienst, der angeboten wurde, »Silent Unity«, war im Grunde eine weltweite Gebetsbewegung. Man konnte sich an »Unity« mit der Bitte um Gebet in verschiedenen Anliegen wenden. Darüber hinaus konnte jeder über »Silent Unity« einen Beratungsdienst in Anspruch nehmen. »Unity« hat in der Tat zahlreiche Ähnlichkeiten sowohl mit der »Christlichen Wissenschaft« (Christian Science) als auch mit anderen Gruppierungen der Neugeistbewegung. Sie akzeptiert zwar zahlreiche traditionelle Lehren des Christentums, interpretiert diese jedoch auf ihre Weise und verbindet sie mit dem Glauben an Reinkarnation und aufeinanderfolgende Wiedergeburten, an ewiges leibliches Leben und an die Überwindung von Krankheiten durch den Geist usw. Gott wird nicht als ein Personwesen gesehen, sondern als unpersönliches Prinzip von Leben, Geist und Verstand. Der Verstand ist der Ort der Begegnung von Gott und Mensch. Gott ist immanent und lebt innerhalb seiner Geschöpfe. Die Dreieinigkeit und die Gottheit Jesu werden nicht geleugnet, aber nach »Unity« hatte Jesus schon frühere Inkarnationen in den Propheten und Gesetzgebern des AT. Die Bedeutung des Kreuzes wird in der Überwindung sterblicher, vergänglicher Glaubensüberzeugungen gesehen, die den Menschen mit Krankheit, Sünde und Tod verbinden. Erlösung besteht daher in Sündenlosigkeit und Unverweslichkeit. Diese werden erreicht durch das Ausbrechen aus dem Zyklus der Geburten und dem Erreichen des Zustandes, in dem der wahre geistliche Leib den physischen Leib ersetzt und der Mensch Jesus Christus in einem neuen Leben anlegt. Das Lesen der Bibel wird nachdrücklich empfohlen, der Text aber wird häufig in einem allegorischen Sinn verstanden. Wie bei der »Christlichen Wissenschaft« ist Gesundheit der natürliche Zustand des Menschen. »Unity« lehnt alles ab, was diesen Zustand schwächt. Auch der Geschlechtsverkehr wird Eheleuten nur zum Zeugen von Nachkommenschaft gestattet; die Enthaltsamkeit von Fleischspeisen, Tabak, Drogen und berauschenden Getränken wird nachdrücklich empfohlen. - Aus der »Unity School of Christianity« ging 1913 die »Unity School of Practical Christianity« als die örtliche Vereinigung von Kansas City hervor und mit ihr eine Entwicklung zu einer selbständigen Konfession. Eine Art von Glaubensbekenntnis wurde 1921 angenommen, und 1930 gründete Charles F. eine Ausbildungsstätte für »Ministers«. Beides festigte die neue Konfession, die in den USA einen weit über die Zahl ihrer Anhänger gehenden Einfluß besitzt. Charles F. war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller, der neben seinen Büchern auch etwa ein halbes Dutzend örtlicher Zeitschriften zur Verbreitung seiner Ideen herausgab.
Werke: The Twelve Powers of Man, 1886; Jesus Christ Heals, 1914; Prosperity, 1928.
Lit.: LThK 2VII, 903f.; - H. D'Andrade, Charles Fillmore: Herold of the New Age, 1974; - Fillmore Myrtle (1945-1931) and Charles (1954-1948), in: Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C. 1979, 1350; - New Thought., in: ebd. 2523f.; - Unity School of Christianity, in: ebd. 3613.