FLEISCHER, Adalbero (Michael): katholischer Ordenspriester, Missionar, Bischof, Mitglied der Kongregation der Mariannhiller Missionare (CMM), Gründer mehrerer südafrikanischer Kongregationen,* 4.1. 1874 in Dettelbach am Main, † 19.3 1963 in Mariannhill/Südafrika. - Michael Fleischer wurde als Sohn des Bäckermeisters Adam Fleischer und seiner Frau Lukretia geboren. Nach dem Abitur trat Fleischer 1895 in das diözesane Priesterseminar ein und wurde 1899 in Würzburg von Bischof Ferdinand von Schlör zum Priester geweiht. Während seiner Studienzeit wurde er Mitglied der Katholischen Studentenverbindung Markomannia im Cartellverband katholischer deutscher Studentenverbindungen (CV). Nach der Priesterweihe war Fleischer zunächst Kaplan in Rimpar, dann in der Seelsorge am Juliusspital in Würzburg tätig. Durch den Mariannhiller Missionskalender wurde er auf die Missionsarbeit des Trappisten-Klosters Mariannhill in Südafrika aufmerksam und trat 1908 dort ein. Er wurde am 8.12. eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Adalbero. Kurz danach wurde Mariannhill aus dem Ordensverband der Trappisten herausgelöst und Mutterhaus der nun entstehenden selbständigen Missionskongregation der Mariannhiller Missionare. Fleischer wurde 1910 in Triashill/Rhodesien eingesetzt. 1920 wurde er auf dem Generalkapitel der Mariannhiller Missionare zum ersten Generaloberen der neuen Missionskongregation gewählt und 1922 zum Apostolischen Vikar des Missionsgebietes Mariannhill ernannt. Am 15.8. 1922 empfing er die Bischofsweihe. Als Bischof von Mariannhill setzte Fleischer alles daran, die junge Kirche in Südafrika mit einheimischen Kräften zu füllen. So gründete er 1922 die Schwesternkongregation der "Töchter des hl. Franz von Assisi" (FSF) und 1923 die "Franziskaner-Familiaren vom Hl. Josef" (FFJ). 1925 gründete er in Ixopo und 1928 in Mariathal ein Priesterseminar. Im Amt des Generaloberen wurde er 1926 durch seinen Mitbruder Hermann Arndt abgelöst. Fleischer gründete in den folgenden Jahren mehrere Missionsstationen und holte zudem Kolblenzer Kapuzinerinnen und die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz aus Waldbreitbach als Missionshelfer nach Südafrika. Er förderte den Ausbau von Schulen und engagierte sich zusammen mit seinem Mitbruder Bernhard Huss in sozialen Fragen. 1950 verzichtete er aus Altersgründen auf sein Bischofsamt, blieb aber weiter in Südafrika. Fleischer starb am 19.3. 1963 im Alter von 89 Jahren. Er hat sich große Verdienste beim Aufbau einer einheimischen Kirche erworben und ist damit eine wichtige Gestalt in der noch jungen südafrikanischen Kirchengeschichte.
Werke: Nach Triashill, in: VM 28 (1910), 175-178; Aus Triashill, in: VM 28 (1910), 236; Unsere Knaben, in: VM 29 (1911), 155-156; Unsere Mädchen, in: VM 29 (1911), 180-182; Meine jüngsten Reiseerlebnisse, in: VM 30 (1912), 89-90, 112-114, 134-136, 158-160; Missionsverhältnisse in Rhodesien, in: VM 32 (1914), 58-60; Wann kommt ein neuer Priester nach Triashill?, in: VM 32 (1914), 172; Die Missionsstation St. Josef in Rusapi, in: VM 32 (1914), 224-226; Wer hilft uns, dem Herrn einen würdigen Altar bauen?, in: VM 31 (1913), 178-180; Die Rückkehr der Triashiller Missionare in ihre Mission, in: VM 38 (1920), 82-86; Erinnerungen an Rhodesien, in: mmm 77 (1958), 200-207. Daneben liegen noch etliche Hirtenbriefe in gedruckter Form vor, vgl. die Aufstellung bei Barnabas Stephan, Würzburg 1975, 45-48.
Quellen: Sammelmappe Barnabas Stephan, Generalatsarchiv CMM: 25 Briefe von P. Adalbero Fleischer CMM an seine Eltern und Geschwister aus den Jahren 1908-1920; Berichte, Briefe, Circulare, Dekrete, Konferenzbeschlüsse, Protokolle aus dem Generalatsarchiv CMM.
Lit.: Bernard Arens, Handbuch der katholischen Missionen, 2. Aufl., Freiburg 1925, 167; - Adalbert Ludwig Balling, Gute Menschen sterben nicht, sie leben fort in der Erinnerung ihrer Freunde - Mariannhiller Porträts, Würzburg 1989, 48-56; - Thimotheus Kempf, Ein erfülltes Priester- und Bischofsleben, in: mmm 81 (1963), 123-124; - Barnabas Stephan, Michael Adalbero Fleischer 1874-1963 - Missionsbischof in Südafrika, Würzburg 1975 (= Veröffentlichungen des Archivs der Markomannia Bd. 10); - o.V., P.A. Fleischer, 1. Generalsuperior von Mariannhill, in: VM 38 (1920), 66. Über die Geschichte der Mariannhiller Mission: Adalbert Ludwig Balling, Der Trommler Gottes, Freiburg 1981; - Joseph Dahm, Mariannhill - Seine innere Entwicklung, sowie seine Bedeutung für die katholische Missions- und Kulturgeschichte Südafrikas, Mariannhill 1949; - Bernard Huss, Mariannhill - Half a Century of African Mission Life, Detroit 1935; - Peter Louis, Katholische Missionskunde - ein Studienbuch zur Einführung in das Missionswerk der katholischen Kirche, 2. Aufl., Aachen 1925, S. 170; - Abtei Mariannhill (Hrsg.), Trappistenkloster Mariannhill. Das Trappistenkloster Mariannhill, oder Bilder aus dem afrikanischen Missionsleben. Im Auftrage seiner Oberen gesammelt von einem Ordenspriester, Freiburg 1907; - Thomas Neuschwanger, Syllogos: Sammlung handschriftlicher und gedruckter Quellen über Mariannhill, Bd. 1, Mariannhill 1908; - Anton Roos, Mariannhill zwischen zwei Idealen - Innere Entwicklung Mariannhills vom Trappistenkloster zur modernen Missionskongregation 1884-1936, Diss. Innsbruck 1962; - Francis Schimlek, Mariannhill - A Study in Bantu Life and Missionary Effort, Mariannhill 1953.
Lex.: DIP IV, 73; - SESA IV, 573 f. Über die Franziskaner-Familiaren vom hl. Josef (FFJ): DIP IV, 512; über die Töchter des hl. Franz von Assisi (FSF): DIP III, 1697 f.
Eric Steinhauer
FLEISCHER, Adalbero (Michael)
Letzte Änderung: 09.04.2011