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Band XXX (2009) Spalten 433-441 Autor: Sebastian Kranich

FRANZ, Gustav Moritz, Seminardirektor, Gemeindepfarrer, Superintendent; * 3. Februar 1816 in Sosa im Erzgebirge; † 26. Mai 1899 in Dresden, dort beerdigt auf dem Trinitatisfriedhof. F. ist "durchaus ein Kind des deutschen Pfarrhauses" (D. Gustav Moritz Franz. Ein sächsisches Theologenleben, zum 100. Geburtstag geschildert vom Enkel Pastor Lic. Schwen, Freiberg, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt, Jg. 23, 1916, Nr. 5, 65-72, 65). Die Lebensverhältnisse in seiner Kindheit sind einfach, bisweilen ärmlich. Der Vater verdient als Pfarrer in Sosa höchstens 500 Taler im Jahr, legt aber die Grundlagen für die Bildung des ältesten Sohnes. Er unterrichtet ihn selbst. Im Alter von vier Jahren lernt F. schon Latein. Ab 1829 besucht er das Lyzeum in Schneeberg und verlässt die Schule Ostern 1834 mit den Noten "Ia im sittlichen Verhalten" und "Ib in Wissenschaften". Zum Abschied aus der Schule hält er eine lateinische Rede über die These, "daß nur auf einer zweckmäßigen Einrichtung der Schulen die Hoffnung des Vaterlandes beruhe" (ebd., 66). - Anschließend studiert F. Theologie in Leipzig und besteht im Juni 1837 sein Examen mit dem Prädikat "sehr wohl" (ebd., 67). Besonderen Einfluss auf seine theologische Bildung haben hier der Neutestamentler Johann Georg Benedikt Winer, der Kirchengeschichtler Christian Wilhelm Niedner und der Homilet Friedrich August Wolf. Aber auch Richard Rothes Ethik verdankt er nach eigener Aussage "viel, sehr viel" (Bücherkleinode evangelischer Theologen, hg. von Friedrich Zimmer, Gotha 1888, 43). 1835 veröffentlicht der 19-jährige Student in der Grimmaer Zeitschrift "Ameise" unter dem Pseudonym "Iusculanus" einen Aufsatz, in dem er das Trucksystem im Bergbau seiner Heimat kritisiert. Wer von den Bergleuten gegen dieses System aufbegehre und "sich unzufrieden zeigt, wird abgelegt, brotlos und Hunger tut doch weh!" (D. Gustav Moritz Franz. Ein sächsisches Theologenleben, 65-72, 67). - Nach dem Studium folgen Hauslehrerstellen in Langenhessen und ab 1840 im Blaufarbenwerk Schindlerswerk bei Bockau, wo F. auch zu predigen hat. Private Aufzeichnungen aus dieser Zeit geben Einblick in seine Ziele. F. möchte seine Erzgebirgsgemeinde physikotheologisch aufklären: "Ich will suchen, durch physikalischen Unterricht, durch physikalische Experimente mit Erklärung in meiner Wohnung an den Winterabenden, besonders Sonntags, in meiner Gemeinde den Aberglauben zu bekämpfen und Gottes Macht und Weisheit in der Natur die Leute beachten lehren." Zugleich kommen Impulse der entstehenden inneren Mission zu Sprache: "In London besteht eine Gesellschaft, welche Matrosen, während sie an Land sind, ... aufnehmen in ein Haus und ihnen zugleich Gelegenheit geben, Gottesdiensten beizuwohnen. O, wie nöthig ist Ähnliches für unsere Handwerkspursche!" Doch sieht F. seine Aufgabe nicht auf die einfachen Leute beschränkt: "Nicht nur die infima plebs mit der Seelsorge bedenken, sondern auch vorzüglich die jungen Leute, welche gewöhnlich sehr irreligiös und unkirchlich, die Kaufmannsdiener und Offiziere; anfangen mit denen, mit welchen man bekannt geworden ist, zu ihnen gehen, gute Bücher geben, Abscheu einflößen vor den heillosen Scharteken, zu sich einladen auf die Studierstube mehrere zu ernsten Besprechungen, Sonntagmorgen einmal zu dem oder jenem gehen und ihn einladen in die Kirche zu gehen; zum Kommunizieren ermahnen; kurz Menschen fischen!" (ebd., 69). 1842 nimmt F. als Oberlehrer die einzige Lehrerstelle des neu gegründeten königlich-sächsischen Lehrerseminars Annaberg, des ersten Volksschul-Lehrerseminars im Erzgebirge, an. Er engagiert sich im örtlichen Jünglingsverein, gründet 1845 einen Turnverein mit, betätigt sich in der Hungerkrise 1846/47 als Sekretär und Kassierer des Frauenvereins und ist an der Gründung eines Gustav-Adolf- Zweigvereins beteiligt. 1847 wird F. zum Rektor des Annaberger Seminars ernannt. - Nach dem Tod seiner ersten Verlobten 1844 heiratet er 1848 Caroline Münderloh aus Weimar. Aus der Ehe gehen drei Töchter hervor. In der Revolution von 1848/49 steht F. den Demokraten nahe. Er wird zum Vorsitzenden einer großen Lehrerkonferenz gewählt, stellt Leitsätze "über die Organisazion des Schulwesens" auf und fordert eine "demokratische Kirchenverfassung". Die politischen Zustände der nachfolgenden Reaktionszeit erschüttern ihn. Er notiert darüber: Die "Verhältnisse gestalten sich so widerwärtig, daß ich länger als ein halbes Jahr in keine öffentliche Gesellschaft gegangen bin." (ebd., 70). - Im Januar 1852 erhält F. einen Brief des Dresdner Oberhofpredigers Adolf Harleß, in dem ihm das Pfarramt im Erzgebirgsdorf Grünstädtel angetragen wird. Neben dem Wunsch der dortigen Gemeinde dürfte dafür auch die Absicht des Kultusministeriums eine Rolle gespielt haben, für die geplante Umgestaltung des Annaberger Seminars einen Wechsel an dessen Spitze herbeizuführen. F. folgt dem Ruf mehr aus Pflicht denn aus Neigung und wird ein Landpfarrer, der die Kirchgemeinde entschlossen führt und in der Typhusepidemie 1855 gar die Leitung der Kommune vom Gemeinderat übertragen bekommt. Mitten in dieser Notsituation wird F. zum Oberpfarrer und Superintendenten in Annaberg berufen. - Der Amtsantritt erfolgt im März 1856, einen Monat darauf wird die Kirchenvisitation als Aufgabe von Superintendenten in Sachsen wieder eingeführt. F. macht sich einen Namen als Visitator. Bei den neuen Visitationen stellt sich u. a. heraus, dass in einer Gemeinde Apfelwein zum Abendmahl verwendet wird. Auch wird z. B. ein mit Silber beschlagener Agendeneinband von 1617 unter Abraum entdeckt. Darüber hinaus sorgt F. als Inhaber der Bezirksschulaufsicht für Ordnung in den Schulen seiner Ephorie. Dabei ist F. kein Mann, der Vorschriften von oben nur schematisch umsetzt. Als selbstbewusster Bürger notiert er in einer Nebenbemerkung: "Wenn ich noch der Verordnung vom 5. November 1862 gedenke, durch welche den Superintendenten eine Hoftracht vorgeschrieben wurde, so geschieht es deswegen, weil ich erwähnen will, daß ich mir nie eine solche Hoftracht habe fertigen lassen, auch in Dresden nicht, wo ich wiederholt vor Sr. Majestät zu erscheinen gehabt habe. Ich habe es nicht getan, weil mir diese Hoftracht entschieden mißfiel." (D. Gustav Moritz Franz. Ein sächsisches Theologenleben, zum 100. Geburtstag geschildert vom Enkel Pastor Lic. Schwen, Freiberg, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt, Jg. 23, 1916, Nr. 6, 81-88, 82). Das Haus des Annaberger Superintendenten ist ein offenes Haus. Hier verkehren Seminaristen, die er nicht mit Geld unterstützt, sondern an einen Freitisch lädt, damit sie die Formen des gesellschaftlichen Umgangs lernen, Kandidaten der Theologie und in den Ferien auch Studenten. - Nach 17 Jahren als Ephorus in Annaberg wird F. 1873 als erster Pfarrer der Kreuzkirche und Superintendent nach Dresden berufen. Er lehnt zunächst ob seines Alters ab, erhält aber darauf zur Antwort, dass man gerade einen erfahrenen Mann suche. Anfang April 1874, nur ein gutes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt im September 1873, veröffentlicht F. eine Denkschrift, die "Theilung der großen evangelisch-lutherischen Kirchspiele in Dresden betreffend" (Dresden, 1874). Beigelegt ist ihr eine Nummer der von Emil Sulze herausgegebenen Zeitschrift "Die Leuchte", in der der Diakonus der Dresdner Kreuzkirche, Clemens Peter, einen Artikel über den "Verfall des kirchlichen Gemeindelebens in unseren großen Städten" (ebd., 3) geschrieben hat. - Zu diesem Zeitpunkt ist die Ephorie Dresden I mit fast 200.000 evangelisch-lutherischen Christen, verteilt auf lediglich vier Parochien, die größte in Sachsen. Die Denkschrift wird zum Startschuss der überfälligen Parochialteilungen in Dresden, die F. in der Folge gegen viele Widerstände und mit der Unterstützung Emil Sulzes, ab 1876 Pfarrer an der Dreikönigskirche Dresden-Neustadt, vorantreibt. Das Teilungskonzept von F. ist theologisch bei weitem nicht so anspruchsvoll wie das, was Sulze mit seiner ‚Gemeindereform' im Blick hat. Doch lassen sich die pragmatischen und im Vergleich bescheideneren Pläne von F. in der Praxis meist besser umsetzen als die weit reichenden Visionen Sulzes. F's Denkschrift enthält einen konkreten, juristisch und finanziell durchdachten Teilungsplan. Die maximale Seelenzahl für eine Großstadtgemeinde soll auf 25.000 begrenzt werden. Als Berechnungsgrundlage ist die Zahl der Konfirmanden zugrunde gelegt, die pro Pfarrer zu unterrichten sind. Auf 50 Gemeindeglieder wird ein Konfirmand gerechnet. Für die neue Parochie der Frauenkirche z. B., die diese Maximalgröße erreicht, sind drei Stellen vorgesehen: ein Superintendent, der 100 Konfirmanden, einen Archidiakonus, der 200 Konfirmanden, und ein Diakonus, der ebenfalls 200 Konfirmanden zu unterrichten hat. - In der Analyse der herrschenden Situation weiß sich F. mit Peter und Sulze weithin einig. Im ersten Abschnitt der Denkschrift heißt es: "Daß es zum Nachtheile des kirchlichen Lebens gereicht, wenn Kirchengemeinden zu einer sehr großen Seelenzahl anwachsen, darf als allgemein zugestanden angesehen werden. Einen längeren Beweis dafür zu führen ist deshalb nicht nöthig. Es genügt, daran zu erinnern, daß die Gemeindeglieder das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit verlieren, so daß von einer ‚Gemeinschaft' nicht mehr die Rede sein kann, - daß die die einzelnen Personen und Familien zunächst berührenden geistlichen Amtshandlungen der Taufen, Trauungen und Begräbnisse durch ihre Massenhaftigkeit zur Eile drängen, und immerwährenden Wechsel in den Personen der fungirenden Geistlichen nöthig machen, so daß ihr wohlthätiger Einfluß auf ein Minimum reducirt wird, - daß in großen Parochieen die Geistlichen eben so wenig von den Gemeindegliedern gekannt sind, als sie mit den einzelnen Parochianen in Berührung kommen und mit deren Verhältnissen bekannt werden. In unsern großen Kirchspielen giebt es Tausende, welche von der Zeit des Confirmanden-Unterrichts an nie wieder mit einem Geistlichen in nähere Beziehung getreten sind oder nur gesprochen haben. Nun aber wirken Ideen, - auch die religiösen Ideen - nur durch die sie vertretenden Personen auf die großen Massen. So kann denn ohne auf die einzelnen Individuen einwirkende Geistliche kein religiös-kirchliches Leben in den Massen erweckt und gepflegt werden." (ebd., 3). - Nachdem die Diözesanversammlung im Mai 1874 die Bildung neuer Parochien zu einer wichtigen Angelegenheit erklärt hat, werden in der Amtszeit von F. zum Jahresbeginn 1878 von der Kreuzkirchenparochie die Parochie der Frauenkirche und eine Parochie der Johanneskirche, die die Pirnaische Vorstadt und die neue Johannstadt umfasst, abgeteilt. Die von F. vorgeschlagene Umgestaltung der als evangelische Hofkirche genutzten Sophienkirche zur Gemeindekirche scheitert indes ebenso wie eine Steuergemeinschaft der Dresdner Kirchgemeinden, der sich die reichen Gemeinden noch lange widersetzen. Nicht zu Unrecht wird der Einsatz für die Parochialteilungen in Dresden, die sein Nachfolger Franz Wilhelm Dibelius konsequent fortsetzt, als das Hauptwerk von F. angesehen. Schriften hat er nur ganz wenige hinterlassen. Daraufhin angesprochen meinte er: "Meine Werke stehen in den Akten" (Gerhart Wendelin, Bewährung und Bewahrung (1875-1965), in: Ders. (Hrsg.), 750 Jahre Kreuzkirche zu Dresden, Berlin 1965, S. 52-85), 58). - Als Leiter der Pfarrerschaft richtet er für die eingepfarrten Dörfer Landdiakonate ein, womit die Verlegung des Wohnsitzes der zuständigen Pfarrer in die Außenorte verbunden ist. Von der Einführung des Landdiakons im Arbeitervorort Löbtau wird berichtet, dass der Ordinand von der Stelle zurücktreten wollte, nachdem "ihm bange gemacht worden war: Die Löbtauer würden ihn totschlagen." F. habe ihn ruhig gefragt, "ob er der erste und einzige Botschafter Christi sein würde, der den Märtyrertod erlitte?" (D. Gustav Moritz Franz. Ein sächsisches Theologenleben, 81-88, 85), jeglichen Polizeischutz abgelehnt und stattdessen die vornehmlich aus Sozialdemokraten bestehende Feuerwehr mit der Aufgabe des Spalierstehens betraut. - Zum Superintendentenamt kommen für F. noch weitere Funktionen hinzu. 1871 in die erste evangelisch-lutherische Landessynode im Königreich Sachsen gewählt gehört er allen Landessynoden bis zur fünften 1891 an. Seit 1874 ist er als Konsistorialrat Beisitzer im neuen Landeskonsistorium und als solcher an den Kandidatenprüfungen beteiligt. Von 1874 bis 1893 hat er das Amt des ersten Vorsitzenden des Dresdner Gustav-Adolf-Hauptvereins inne. - Geehrt wird F. 1872 mit dem königlich-sächsischen Verdienstorden (Ritter), 1877 mit der Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät Leipzig, bei seinem Eintritt in den Ruhestand 1884 mit der Ernennung zum Oberkonsistorialrat und 1892 mit dem sächsischen Albrechts-Orden (Komtur). - Theologisch gilt F. manchen Zeitgenossen als liberal. Er selbst kann das nur zum Teil bestätigen: "Handelt es sich um kirchenregimentliche Verhältnisse, so bin auch ich liberal, das heißt, ich will keinen Glaubenszwang, ich will freie Bewegung der Gemeinden in ihren Angelegenheiten; wenn aber die Bezeichnung ‚liberal' sich auf den Glauben erstreckt, dann ist sie höchst bedenklich und ich mag nichts davon wissen." (ebd., 88) F. ist Mitglied im Vorstand der Meißner Pfarrkonferenz und mit deren Leiter, Gustav Adolph Fricke, befreundet. In dieser Konferenz, die über gute Kontakte ins Konsistorium verfügt, sammelt sich die mittlere Strömung der sächsischen Theologenschaft. Schon in seiner Annaberger Zeit referiert F. hier 1868 über "die neue Kirchenvorstands- und Synodalordnung" sowie 1872 über "den zunehmenden Mangel an Theologen in unserer Landeskirche und über die künftige Gestaltung der Diakonate" (ebd., 83). - F. ist weder ein ausgesprochener Liberaler noch ein Neulutheraner. Als Bekenntnisschrift bedeutet ihm der Kleine Katechismus Luthers mehr als die Konkordienformel. Deutlich kommt F's Orientierung auf das Bürgertum als Träger des Protestantismus in dessen Festpredigt zum Lutherjubiläum 1883 zum Ausdruck. Nach den Verdiensten Luthers um Wort und Sakrament, um Glaubens- und Gewissensfreiheit betont er dessen Trennung von Staat und Kirche: "Die Reformation Luthers verwies die Kirche auf das religiöse Gebiet [...]. Unter den Begriff des Christenthums, ‚der Christenheit', wie Luther mit Vorliebe sagte, fallen alle Gebiete des menschlichen Lebens, aber nicht unter den der Kirche." Seine Hörer fordert er auf: "Danket ihm [Luther] durch die Pflege christlichen Sinnes in euern Häusern, in der Erziehung eurer Kinder. Danket ihm durch christliche Treue in eurem Berufe und Ausübung desselben nach streng religiös-sittlichen Grundsätzen. Danket ihm durch christliche Bürgertugenden in unserem bürgerlichen Gemeinwesen, in der Gemeinde und im Staate und durch kräftige Abwehr jedes Versuches einer neuen Vermischung von Staat und Kirche." (Predigt am Jubel- und Dankfeste zur Feier des zum 400sten Male wiederkehrenden Geburtstages Dr. Martin Luthers am Tauftage Luthers - 11. November, XXV. P. Tr. - in der Kreuzkirche zu Dresden gehalten von Dr. th. G. M. Franz, Pastor primarius, Superintendent und Consistorialrath, Ritter des Königl. Sächs. Verdienst-Ordens, Dresden 1883, 12). - Neben seinem Einsatz für die Parochialteilungen war F. den Zeitgenossen vor allem durch seinen Einsatz für den in Sachsen besonders populären Gustav-Adolf -Verein ein Begriff. Als er 1899 kurz nach seiner Frau stirbt und beerdigt wird singt der Dresdner Kreuzchor und es ertönen die Glocken der Kreuz-, Johannes-, und Trinitatiskirche. Aber auch die Glocken der evangelischen Kirche im böhmischen Saaz läuten in der Begräbnisstunde. F's Nachfolger im Dresdner Superintendentenamt Dibelius bescheinigt dem Verstorbenen in seiner Traueransprache: "für des Herrn Reich wollte er schaffen und wirken bis zur letzten Kraft. Das hat insonderheit unser Gustav-Adolf-Werk erfahren, das ihm schon in seiner Jugend es angethan, und dessen begeisterter Freund und Mitarbeiter er geblieben bis ans Ende. Noch in den allerletzten Tagen, als schon sein Geist umdunkelt war, beschäftigte ihn noch die evangelische Bewegung in Böhmen und unsere hochnöthige Vereinshilfe an die Diasporagemeinden dort." (Reden am Sarge des Herrn Oberkonsistorialrat Superintendent em. D. Gustav Moritz Franz in Dresden. Gehalten von Pastor Dr. Kühn, Oberkonsistorialrat Superintendent D. Dibelius, Superintendent Dr. Schmidt und Lehrer Augustin, Dresden 1899, 9) Dibelius Ansprache wurde mit anderen Ansprachen gedruckt. Der Erlös des Hefts war für eine "D. Franz-Stiftung im Dresdner Hauptverein der Evangel. Gustav Adolf-Stiftung" (ebd., 2) bestimmt.

Veröffentlichungen: Denkschrift des Superintendenten Franz die Theilung der großen evangelisch-lutherischen Kirchspiele in Dresden betreffend, Dresden 1874; Predigt am Jubel- und Dankfeste zur Feier des zum 400sten Male wiederkehrenden Geburtstages Dr. Martin Luthers am Tauftage Luthers - 11. November, XXV. P. Tr. - in der Kreuzkirche zu Dresden gehalten von Dr. th. G. M. Franz, Pastor primarius, Superintendent und Consistorialrath, Ritter des Königl. Sächs. Verdienst-Ordens, Dresden 1883.

Lit.: Die Johanneskirche und Johannesgemeinde in Dresden bis mit Ablauf des 2. Jahres seit der Wahl ihres Kirchenvorstands am 30. Mai 1877: ein Beitrag zur Dresdner Kirchen-, Stadt-, und Baugeschichte von Ernst Pfeilschmidt, Dresden 1879; - Reden am Sarge des Herrn Oberkonsistorialrat Superintendent em. D. Gustav Moritz Franz in Dresden. Gehalten von Pastor Dr. Kühn, Oberkonsistorialrat Superintendent D. Dibelius, Superintendent Dr. Schmidt und Lehrer Augustin, Dresden 1899; - Franz, Gust. Mor., in: Amtskalender für evangelisch-lutherische Geistliche im Königreich Sachsen, Leipzig 1900, 174; - D. Gustav Moritz Franz. Ein sächsisches Theologenleben, zum 100. Geburtstag geschildert vom Enkel Pastor Lic. Schwen, Freiberg, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt, Jg. 23, 1916, Nr. 5, 65-72, Nr. 6, 81-88, als Sonderdruck Leipzig 1916; - Gerhart Wendelin, Bewährung und Bewahrung (1875-1965), in: Ders. (Hrsg.), 750 Jahre Kreuzkirche zu Dresden, Berlin 1965, 52-85; - Steffen Heitmann, Geschichte der Ephorie Dresden I. Eine strukturgeschichtliche Untersuchung, in: Herbergen der Christenheit, Bd. 9, 1975/76, Berlin 1976, 163-192; - Günter Wartenberg, Zur Entwicklung der Stadt Dresden und ihrer evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Landeshauptstadt Dresden (Hrsg.), 7. Kolloquium zur dreibändigen Dresdner Stadtgeschichte 2006 "Aus der jüngeren Dresdner Kirchengeschichte", Dresden 2004, 8-18.

Sebastian Kranich

Letzte Änderung: 31.12.2008