Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band XXXI (2010) Spalten 475-478 Autor: Daniel Carlo Pangerl

FROTARIUS, Erzbischof von Bordeaux (um 860-876) und Bourges (876-889), gest. Juni 889. - Die Herkunft des Frotarius ist unbekannt. Als Erzbischof von Bordeaux kann er erstmals im Herbst 860 nachgewiesen werden, als Teilnehmer an der Synode von Tusey (MGH Conc. 4, S. 21). Bereits 848 war Bordeaux von den Normannen überfallen und zerstört worden. Die anhaltend unsichere Lage in Aquitanien, das immer wieder von normannischen Angriffen heimgesucht wurde, bewog Frotarius zum Verlassen von Bordeaux. 871 richtete er seinen Sitz in Poitiers ein, einem Suffraganbistum von Bordeaux, nachdem ihm bereits drei Jahre zuvor von dem westfränkischen König Karl dem Kahlen (843-877) die Abtei St. Hilaire zu Poitiers übertragen worden war (Annales Bertiniani, S. 91). Ab 874 ist Frotarius auch als Abt des Klosters St. Julien bezeugt (Tessier, S. 330, S. 339). Trotz der unsicheren Situation in seiner eigenen Kirchenprovinz Bordeaux nahm Frotarius an mehreren Synoden des westfränkischen Reiches teil. Bezeugt ist seine Anwesenheit auf den Synoden von Soissons 866, Troyes 867, Verberie 869, Attigny 870 und Douzy 871 (MGH Conc. 4, S. 217, S. 238, S. 330, S. 388, S. 516). - Wegen der ständigen Bedrohung Aquitaniens durch die Normannen beabsichtigte Frotarius, sein Amt als Erzbischof von Bordeaux niederzulegen und stattdessen den erzbischöflichen Stuhl von Bourges zu übernehmen, der infolge des Todes des Wulfad (866-876) frei geworden war. Am 14. Juli 876 wurde auf der Synode von Ponthion eine "proclamatio" des Frotarius verlesen. Darin bat er darum, das vakante Erzbistum Bourges übernehmen zu dürfen, da er "propter infestationem paganorum" nicht in Bordeaux bleiben könne. Die Synode lehnte dies jedoch ab (Annales Bertiniani, S. 130). Auf Drängen Karls des Kahlen setzte aber Papst Johannes VIII. (872-882) noch im selben Jahr Frotarius als Erzbischof von Bourges ein. Gleichzeitig traf der Papst die Verfügung, daß Frotarius in sein altes Erzbistum Bordeaux zurückkehren solle, sobald sich dort die Lage wieder stabilisiert habe (MGH Epp. 7, S. 8-9, S. 11-13). Im August/September 878 wurde auf der Synode von Troyes die Frage, ob die Übernahme des Erzbischofsstuhls von Bourges durch Frotarius rechtmäßig gewesen sei, erneut zur Diskussion gestellt. Frotarius blieb den ersten beiden Sitzungen der Synode fern und begab sich erst nach Troyes, nachdem der Papst ihn ausdrücklich dazu aufgefordert und ihm gleichzeitig versichert hatte, daß er keine Verurteilung fürchten müsse (MGH Epp. 7, S. 97-98). Wegen des Einflusses des Papstes wurde Frotarius von der Synode nicht verurteilt. Während seiner Amtszeit in Bourges war Frotarius immer wieder Anschuldigungen ausgesetzt. Beispielsweise mußte Erzbischof Fulco von Reims (883-900) Frotarius gegen den von Mönchen der Diözese Reims bei Papst Hadrian III. (884-885) vorgetragenen Vorwurf verteidigen, die Einsetzung des Frotarius in Bourges habe gegen das Kirchenrecht verstoßen. Fulco war es aber auch, der schließlich zusammen mit den Suffraganbischöfen der Kirchenprovinz Reims Papst Stephan V. (885-891) in einem Schreiben darauf hinwies, daß Johannes VIII. seinerzeit die Verfügung getroffen habe, daß Frotarius wieder sein ursprüngliches Erzbistum Bordeaux übernehmen solle, sobald die Lage dort wieder sicher sei. Stephan V. befahl die unverzügliche Rückkehr des Frotarius nach Bordeaux und drohte diesem bei Mißachtung dieser Anordnung mit dem Kirchenbann (MGH SS 36, S. 555-556). Daraufhin machte sich Frotarius nach Rom auf, um in dieser Angelegenheit mit dem Papst zu verhandeln, verstarb aber auf den Weg in die Heilige Stadt im Juni 889.

weiterlesen ...
Quellen: Registrum Iohannis VIII. papae, ed. Erich Caspar. In: MGH Epp. 7, Berlin 1928 (Nachdr. 1993), S. 1-272; - Recueil des Actes de Charles II le Chauve 2, ed. Georges Tessier, Paris 1952; - Annales Bertiniani (Annales de Saint-Bertin), ed. Félix Grat/Jeanne Vielliard/Suzanne Clémencet (Société de l'histoire de France. Publications 95), Paris 1964; - Flodoardus Remensis, Historia Remensis Ecclesiae, ed. Martina Stratmann (MGH SS 36), Hannover 1998; - Die Konzilien der karolingischen Teilreiche 860-874 (Concilia aevi Karolini DCCCLX-DCCCLXXIV), ed. Wilfried Hartmann (MGH Conc. 4), Hannover 1998.

Lit.: Louis Duchesne, Fastes épiscopaux de l'ancienne Gaule 2, Paris 19102, 31, 62; - Léonce Auzias, L'Aquitaine carolingienne (778-987), Paris 1938, 378; - Dietrich Claude, Topographie und Verfassung der Städte Bourges und Poitiers bis in das 11. Jahrhundert (Historische Studien 380), Lübeck/Hamburg 1960, 95; - Charles Higounet, Histoire de Bordeaux 2, Bordeaux 1962, 91-92; - Gerhard Schneider, Erzbischof Fulco von Reims (883-900) und das Frankenreich (Münchener Beiträge zur Mediävistik und Renaissance-Forschung 14), München 1973; - Hubert Mordek/Gerhard Schmitz, Papst Johannes VIII. und das Konzil von Troyes (878). In: Geschichtsschreibung und geistiges Leben im Mittelalter. Festschr. Heinz Löwe, hrsg. von Karl Hauck/Hubert Mordek, Köln 1978, 179-225; - Reinhold Kaiser, Bischofsherrschaft zwischen Königtum und Fürstenmacht. Studien zur bischöflichen Stadtherrschaft im westfränkisch-französischen Reich im frühen und hohen Mittelalter (Pariser historische Studien 17), Bonn 1981, 185, 191, 193, 248; - Sebastian Scholz, Transmigration und Translation. Studien zum Bistumswechsel der Bischöfe von der Spätantike bis zum Hohen Mittelalter (Kölner historische Abhandlungen 37), Köln 1992, 147-157; - Jacques Péricard, Ecclesia Bituricensis. Le Diocèse de Bourges des origines à la réforme grégorienne (Collection des thèses 7), Clermont-Ferrand 2006, 52.

Daniel Carlo Pangerl

Letzte Änderung: 09.04.2011