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Band II (1990)Spalte 207-208 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GENTILIS (Gentile), Giovanni Valentino, Antitrinitarier, * un 1520 in Cosenza (Kalabrien), † (enthauptet) 10.9. 1566 in Bern. - G. floh 1556 (1557?) nach Genf und schloß sich der dortigen italienischen Flüchtlingsgemeinde an, in der Streitigkeiten über die Trinitätslehre aufkamen. Darum mußten sämtliche Italiener 1558 ein orthodoxes Glaubensbekenntnis unterschreiben. Als aber G. den Trinitätsstreit fortsetzte, mußte er öffentlich Buße tun; unter Androhung der Todesstrafe wurde ihm verboten, die Stadt ohne Erlaubnis zu verlassen. Dennoch floh G. auf den Landsitz seines Gesinnungsgenossen Matteo Gribaldi (s. d.) in Farges, dann nach Lyon, wo eine größere Zahl Italiener sich niedergelassen hatte. Eifrig studierte er die älteren Kirchenväter und suchte überall Bestätigung für seine Trinitätslehre. Von dort ging G. nach Grenoble, wo sich inzwischen Gribaldi niedergelassen hatte, und begab sich um 1561 in die unter Berner Hoheit stehende savoyische Landschaft Gex. Er wurde gefangengesetzt, aber nach Abgabe eines Glaubensbekenntnisses wieder freigelassen. G. ging nach Lyon und 1563 nach Polen. Als dort 1566 das Edikt gegen die Antitrinitarier erneuert wurde, zog er nach Mähren, dann über Wien nach Gex zurück. G. wurde verhaftet und nach Bern gebracht. Die Anklage lautete auf Abweichung von der orthodoxen Trinitätslehre, Lästerung der heiligen Dreifaltigkeit und Schmähung der reformierten Kirche. Das Urteil lautete auf Tod durch das Schwert und wurde am Tag darauf vollstreckt.

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Lit.: F. Trechsel, Die prot. Antitrinitarier. II: Lelio Sozini u. die Antitrinitarier seiner Zeit, 1844, 316 ff.; - Henri Fazy, Procès de V. G. et de Nicolas Gallo (1558), publié d'après les documents originaux, Genf 1879; - Wilhelm Niesel, Zum Genfer Prozeß gg. V. G., in: ARG 26, 1929, 270 ff.; - T. R. Castiglione, V. G., antitrinitario calabrese del XVI secolo, in: Archivio storico per la Calabria e Lucania 8, 1938, 109 ff.; 9, 1939, 41 ff.; 14, 1945, 101 ff.; 28, 1959, 97 ff.; - Ders., La »Impietas Valentini Gentilis« e il corrucio di Calvino, in: Ginevra e l'Italia, Florenz 1959, 149 ff.; - Delio Cantimori, Eretici italiani del Cinquecento. Ricerche storiche, ebd. 1939 (dt. v. Werner Kaegi, lt. Häretiker des Spätrenaissance, Basel 1949); - Schottenloher I, Nr. 6994-6998; V, Nr. 46448; VII, Nr. 54748-54751; - EItal XVI, 581; - HBLS III, 475; - EC VI, 36; - LThK IV, 682; - RE VI, 517 ff.; - RGG II, 1390.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

1985

Antonio Coccia, Lo stato ideale e la filosofia di G.G., in: Aquinas 28.1985, S. 439-455; -

2002

Leonardo Messinese, La critica gentiliana del concetto di stato in Hegel tra formalismo e assolutismo, in: Aquinas 45.2002, Nr.3, S. 71-82; -

2005

Leonardo Messinese, La posizione di Bontadini nella filosofia post-gentiliana, in: Aquinas 48.2005, S. 611-620;- Pier Paolo Ottonello, Sciacca e G., in: ebd. S. 621-634; -

2008

Assunta Esposito, Croce, Gentile, padre Gemelli e la condanna del Sant'Uffizio. In margine a una recente opera di Guido Verucci, in: RSLR 44.2008, S. 159-17.

Letzte Änderung: 09.04.2011