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Verlag Traugott Bautz
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GEORG der Bärtige, Herzog von Sachsen, erbitterter Gegner Martin Luthers (s. d.), * 27.8. 1471 in Meißen als Sohn Albrechts des Beherzten, † 17.4. 1539 in Dresden, beigesetzt in Meißen, Dom, Georgskapelle. - Nach zwölfjähriger Vertretung folgte G. 1500 seinem Vater in der Regierung der albertinischen Lande, die er als einer der tüchtigsten Fürsten seiner Zeit vorzüglich verwaltete. Der Gegensatz zwischen Luther und G. zeigte sich zum erstenmal 1519 während der Leipziger Disputation. G. hatte die zunächst durch Dr. Johann Eck (s. d.) veranlaßte Disputation gegen manchen Widerstand von seiten der Theologischen Fakultät und der Kirche betrieben. Da er für die geistliche Laufbahn bestimmt gewesen war, hatte G. eine weit über seinen Stand hinausgehende Bildung erhalten und war nicht nur des Lateinischen kundig, sondern auch so weit in theologische Fragen eingedrungen, daß er mit ungewohnter Anteilnahme der Leipziger Disputation folgen konnte in der Debatte zwischen Luther und Eck über das Papsttum. Sebastian Fröschel (s. d.) berichtet: »Eins aber muß man sagen, das ich auch selbst gehöret habe, das sich in der Disputation begeben hat in Beyseyn des Hertzog Georgen, der offtmahls in die Disputation kam und fleißig zuhöret, das auf einmahl D. Martin Luther seliger diese Worte saget zum D. Ecken, der ihn hart beschweret mit Johann Hussen: Lieber Hr. Doctor, Non omnes Articuli Hussitici sunt Haeretici. Darauf sprach Hertzog Georg mit lauter Stimme, laut, daß mans über das ganze Auditorium höret: Das walt die Sucht und schüttelt den Kopff und setzet beide Armen in die beiden Seiten. Das habe ich selber gehöret und gesehen.« Von dieser Disputation an war G. Luthers Feind und sah seine wichtigste Lebensaufgabe im Kampf gegen Luther und seine Anhänger. Auf dem Reichstag in Worms 1521 forderte er ein Konzil und drang energisch auf die Durchführung des Wormser Edikts. G. verbot in seinem Land die Verbreitung von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments. Er beauftragte Hieronymus Emser (s. d.) mit einer Korrektur der lutherischen Übersetzung und gab das korrigierte Neue Testament mit einer selbstverfaßten Vorrede heraus. Vereint mit dem Landgrafen Philipp von Hessen (s. d.) und Herzog Heinrich von Braunschweig, schlug G. im Bauernkrieg am 15.5. 1525 die Bauern bei Frankenhausen und übte strenges Gericht. Im Juli 1525 schlossen G., Albrecht von Mainz (s. d.), Joachim I. von Brandenburg (s. d.), Erich und Heinrich von Braunschweig das Bündnis von Dessau zum Schutz der Altgläubigen und zur Ausrottung der lutherischen Lehre. Er war unter den deutschen Fürsten der geistig bedeutendste Gegner der Reformation. Trotz aller seiner Bemühungen konnte G. es nicht verhindern, daß Luthers Lehre in sein Land eindrang. Die Nachfolge seines lutherischgesinnten Bruders Heinrich versuchte er vergeblich zu vereiteln.
Lit.: Adolf Moritz Schulze, G. u. Luther oder Ehrenrettung des Hzg. G. v. S., 1834; - Oscar Lehmann, Hzg. G. v. S. im Briefwechsel mit Erasmus v. Rotterdam u. dem EB Sadolet (Diss. Leipzig), Neustadt/Sachsen 1889; - Heinrich Frhr. v. Welck, G. d. B., Hzg. v. S. Sein Leben u. Wirken. Ein Btr. z. dt. Ref.gesch., 1900; - Akten u. Briefe z. Kirchenpolitik Hzg. G.s v. S., hrsg. v. Felician Geß, I, 1905, Nr. 35, 28 f.; II, 1917; - Ludwig Cardauns, Zur Kirchenpolitik Hzg. G.s v. S., in: QFIAB 10, 1907, 101 ff.; - Oswald Artur Hecker, Rel. u. Politik in den letzten Lebensj. Hzg. G.s d. B. v. S., 1912; - Hans Becker, Hzg. G. v. S. als kirchl. u. theol. Schr.steller, in: ARG 24, 1927, 161 ff.; - Waldemar Goerlitz, Staat u. Stände unter den Herzögen Albrecht u. G., 1928; - Georg Buchwald, Zur ma. Frömmigkeit am kursächs. Hof kurz vor der Ref., in: ARG 27, 1930, 62 ff.; - Elisabeth Werl, Elisabeth, Hzgn. v. Sachsen (Diss. Leipzig), 1938; - Dies., Hzgn. Sidonis v. S. u. ihr ältester Sohn Hzg. G., in: Herbergen der Christenheit. Jb. f. dt. KG 3, 1959, 8 ff.; - Dies., Hzg. G. v. S., Bisch. Adolf v. Merseburg u. Luthers 95 Thesen, in: ARG 61, 1970, 66 ff.; - Gisela Reichel, Hzg. G. d. B. u. Erasmus v. Rotterdam. Eine Stud, über Humanismus u. Ref. im albertin. Sachsen (Diss. Leipzig, 1948), o. O. 1947; - Herbert Helbig, Die Ref. der Univ. Leipzig im 16. Jh., 1953; - Otto Vossler, Hzg. G. d. B. u. seine Ablehnung Luthers, in: HZ 184, 1957, 272 ff.; - Ingetraut Ludolphy, Die Ursachen der Gegnerschaft zw. Luther u. Hzg. G. v. S., in: LuJ 32, 1965, 28 ff.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch. I2, 1973, 869 f.; - Schottenloher III, Nr. 33035e-33080a; - ADB VIII, 684 ff.; - NDB VI, 224 ff.; - RE VI, 529 ff.; - MennLex II, 72 f.; - RGG II, 1395 f.; - LThK IV, 695.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1992
Werner Kathrein, Ein Reformgutachten Georg Witzels (1501-1573) f. Herzog Georg d. Bärtigen von Sachsen aus d. Jahr 1538 u. seine Beziehung zu d. Gutachten Witzels f.d. Fuldaer Abt Philipp Schenk zu Schweinsberg von 1542, in: AmrhKG 44.1992, S. 343-380.
Letzte Änderung: 16.11.2008