GERHARD von Are, Propst des Bonner Stiftes St. Cassius und Florentius, * um 1100 in Altenahr, † 23.2. 1169 in Bonn. - G. stammte aus dem hochadeligen Geschlecht der Grafen von Are, aus dem 100 Jahre später auch der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden, der Urgroßneffe G.s, hervorging. Geboren wurde G. auf Burg Are, dem Stammsitz der Familie, als vermutlich zweitältester Sohn des Grafen Theoderich (Dietrich) I. Dem politisch einflußreichen Grafen gelang es 1124, möglicherweise bedingt durch den Verkauf des Klosters Steinfeld an den Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg, seinem Sohn G. die Würde eines Propstes am Bonner Stift St. Cassius und Florentius zu verschaffen. Damit konnte die Familie ihren Machtbereich bis zum Rhein ausdehnen. G. festigte seine Stellung in den folgenden Jahren durch geschicktes Taktieren und machte das St. Cassiusstift zu einer bedeutenden Institution. Bereits 1131 ließ er sich in einer großen Besitzurkunde durch Papst Innozenz II. die Besitzungen des Stifts bestätigen und vogtfrei stellen, so daß sie außerhalb der weltlichen Gerichtsbarkeit standen. 1135 erlangte er vom Papst im Dekanatsstreit das Visitationsrecht, das ihm als Archidiakon weitreichende Machtbefugnisse zusprach. Noch im selben Jahr erhielt er von Papst Innozenz II. das Recht der freien Appellation an den apostolischen Stuhl. Damit konnte er, unter Umgehung seines Vorgesetzten, des Kölner Erzbischofs, seine Interessen unmittelbar beim römischen Oberhaupt durchsetzen. Insgesamt erhielt das Bonner Münsterstift elf Papsturkunden während G.s Amtszeit, soviel wie zu keiner anderen Epoche. Neben vieler anderer Güter erwarb G. 1149 die im Bau befindliche Burg Drachenfels, ließ sie vollenden und konnte dadurch die weit verbreiteten Stiftsbesitztümer sichern. Seine größte Leistung bestand allerdings im Ausbau der Bonner Münsterbasilika. Er ließ den karolingischen Bau durch einen gewaltigen, von zwei Flankentürmen begleiteten, Ostchor erweitern und einen Kreuzgang errichten, der in seiner geschlossenen Erhaltung heute einmalig im Rheinland ist. Die dreigeschossige Apsis (Rheinischer Etagenchor), oben mit einer Zwerchgalerie abgeschlossen, war die Erste ihres Typs am Niederrhein und prägte für nahezu einhundert Jahre das Erscheinungsbild vieler Kirchen im gesamten Raum durch Um- und Neubauten (wie z.B. St. Gereon in Köln und Abtei Maria Laach). Der Höhepunkt seiner Karriere war das Jahr 1156, als G. nach dem Tod des Kölner Erzbischofs Arnolds von Wied als Nachfolger für den Erzstuhl im Gespräch war. Bei der Wahl kam es zu einer Pattsituation und G. mußte sich dem Schiedsspruch Kaiser Friedrich I. Barbarossa unterwerfen, der Friedrich von Berg den Vorzug gab. 1166 folgte ein weiterer Höhepunkt, als G. die Gebeine der heiligen Cassius und Florentius aus den Märtyrergräbern heben ließ und sie, in Anwesenheit des Kölner Erzbischofs Rainalds von Dassel, nach einer feierlichen Prozession über den Münsterplatz in kostbaren Schreinen auf dem Hochaltar barg. Anläßlich der Feierlichkeiten gewährte Erzbischof Rainald den Bonnern einen jährlichen, abgabefreien dreitägigen Markt. Nach seinem Tod wurde G in der Cyriacuskapelle der Münsterbasilika beigesetzt. Er gilt bis heute als der bedeutendste Propst in der Geschichte des St. Cassiusstifts. Ihm zu Ehren trägt eine Straße in Bonn seinen Namen.
Lit.: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, Bonn 20082; - Ders., Gerhard von Are, Propst des Bonner St. Cassiusstifts von 1124 bis 1169, in: Bonner Geschichtsblätter, Band 57/58, Bonn 2008.