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Band XIX (2001)Spalten 550-559 Matthias Stickler

GERSTENMAIER, Eugen Karl Albrecht, Lic. theol., Lic. habil. (später umgewandelt in Dr. theol., Dr. habil.), evangelischer Theologe, Pastor und christdemokratischer Politiker, Abgeordneter des Deutschen Bundestages (1949-1969), Präsident des Deutschen Bundestages (1954-1969); * 25.8. 1906 in Kirchheim/Teck als Sohn eines Klavierbauers (später Betriebsleiter einer Klavierfabrik), sieben Geschwister; † 13.3. 1986 in Remagen; verheiratet ab 1941 mit Brigitte von Schmidt, drei Kinder (Albrecht Georg, Yorck, Cornelia); Ehrendoktor der Universitäten Münster/Westfalen, Wittenberg (USA) und Seoul (Südkorea), Inhaber des Großkreuzes des Bundesverdienstkreuzes. Aus kleinen Verhältnissen stammend, absolvierte Gerstenmaier zunächst die Realschule und war nach einer kaufmännischen Lehre bis 1929 als Angestellter tätig. Auf Anregung seines früheren Lehrers Christian Moser und von diesem maßgeblich unterstützt gab er seinen Beruf auf und wurde schließlich in das angesehene Stuttgarter Eberhard-Ludwig-Gymnasium aufgenommen, wo er 1931 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er, seit dem WS 1931/32 als Stipendiat gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes, zunächst Philosophie und Germanistik in Tübingen. Die Begegnung mit den Schriften seines späteren Lehrers Friedrich Brunstäd, Ordinarius für systematische Theologie in Rostock, bewog Gerstenmaier sich der Theologie zuzuwenden und 1932 an die mecklenburgische Landesuniversität zu wechseln, wo er - abgesehen vom SS 1934, das er an der Universität Zürich verbrachte - sein gesamtes Theologiestudium absolvierte. 1935 wurde er mit summa cum laude zum Lizenziaten der Theologie promoviert. Dem Nationalsozialismus stand Gerstenmaier von vorneherein ablehnend gegenüber: Zuhause lutherisch-pietistisch erzogen, war er in seiner Jugend v.a. von der Geisteswelt der Jugendbewegung geprägt worden, allerdings in einer spezifisch christlichen Variante, zunächst durch CVJM und christliche Pfadfinderschaft, später durch die christdeutsche Bewegung des Gießener praktischen Theologen Leopold Cordier. Sein Rostocker Lehrer Brunstäd war ebenfalls Lutheraner und gehörte ursprünglich dem altkonservativen Flügel der DNVP an, verließ allerdings die Partei, als diese unter Hugenberg immer mehr zum Juniorpartner der NSDAP wurde. Gerstenmaier war somit zwar im nationalprotestantischen Milieu verwurzelt, doch trat er von Anfang an dem totalitären Anspruch des neuen Regimes, wie auch den Versuchen insbesondere der Deutschen Christen, eine nationalsozialistische protestantische Staatskirche zu formen, entgegen. So widersprach er im SS 1933 in seiner Eigenschaft als Studentensprecher der Theologischen Fakultät dem Rostocker NS-Studentenführer öffentlich, als dieser im Ringen um die Führung in der Deutschen Evangelischen Kirche im Namen der Rostocker Studentenschaft gegen Reichsbischof von Bodelschwingh Partei ergriff. 1934 wurde Gerstenmaier im Zusammenhang mit einer von ihm initiierten Protestnote der Rostocker Theologiestudenten gegen die Wahl des Reichsbischofs Ludwig Müller zum ersten Mal verhaftet. Dieses nonkonforme oder renitente Verhalten (Johann-Christoph Kaiser) - von Widerstandsverhalten im eigentlichen Sinne des Wortes wird man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sprechen können - genügte, um ihm die angestrebte und von Brunstäd nachdrücklich unterstützte akademische Laufbahn zu verbauen. Gerstenmaier konnte sich mit der Arbeit "Die Kirche und die Schöpfung" 1937 zwar noch habilitieren, doch wurde ihm die staatliche Lehrerlaubnis aus politischen Gründen verweigert. Im Bewußtsein der vom NS-Regime zu erwartenden Schwierigkeiten hatte sich Gerstenmaier bereits nach seiner Promotion nach alternativen Berufsfeldern umgesehen. Nach einer kurzen Vikariatstätigkeit im württembergischen Gaildorf trat er im April 1936 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in das Kirchliche Außenamt (KA) der Deutschen Evangelischen Kirche ein, das von dem regimefreundlichen Bischof Theodor Heckel geleitet wurde. Das KA hatte zum einen die Aufgabe, die deutschen evangelischen Auslandsgemeinden zu betreuen, zum andern die ökumenischen Kontakte zu pflegen. In beiden Feldern arbeitete das KA eng mit dem Auswärtigen Amt zusammen und wurde so in gewisser Weise Werkzeug der NS-Außenpolitik. In den folgenden Jahren kümmerte sich Gerstenmaier insbesondere um ökumenische Angelegenheiten, was ihm die Möglichkeit zur Pflege internationaler Kontakte und zu Auslandsreisen bot; so bereitete er u.a. die Oxforder Weltkirchenkonferenz 1937 wissenschaftlich vor und brachte auch einen einschlägigen Sammelband darüber heraus. 1942 wurde er zum Kirchenbeamten auf Lebenszeit ernannt. Nach dem zweiten Weltkrieg schadete Gerstenmaier seine Tätigkeit für das KA innerkirchlich insofern, als er, obwohl man ihm kein persönliches Fehlverhalten vorwerfen konnte, von vielen Anhängern der Bekennenden Kirche als Mann des reichskirchlichen Apparats angesehen wurde, dem man mit Mißtrauen begegnete. Daran änderte auch nichts, daß er sich etwa 1942 dem Kreisauer Kreis angeschlossen und dort gegen zahlreiche religiös motivierte Zauderer den Tyrannenmord, als im äußersten Fall erlaubt und geboten, gerechtfertigt hatte. Im Zusammenhang mit dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler wurde Gerstenmaier verhaftet und vom Volksgerichtshof am 11.1.1945 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Daß er, obgleich die Anklage die Todesstrafe beantragt hatte, mit dem Leben davonkam, gab später zu böswilligen Verdächtigungen Anlaß, die seine persönliche Integrität in Frage zu stellen suchten. V.a. die DDR-Propaganda bemühte sich, ihn als verkappten Nationalsozialisten und Agenten des SD hinzustellen. Nach seiner Befreiung aus der Haft durch die US-amerikanischen Streitkräfte im April 1945 in Bayreuth knüpfte Gerstenmaier unmittelbar an seine vorherige Tätigkeit im KA an, indem er Kontakt zum Wiederaufbauausschuß des ÖRK herstellte. Am 30.8.1945 wurde er dann zum Leiter des Hilfswerks der EKD bestellt, eine Funktion, die er bis 1951 ausübte. Obwohl Gerstenmaiers politische Interessen, insbesondere im Bereich Außen-, aber auch Sozialpolitik, bekannt waren, überraschte doch viele seiner Weggefährten, daß er 1949 in die Politik ging: Mit einer knappen Mehrheit wurde er im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Hall für die CDU in den Bundestag gewählt. Hintergrund dieser Entscheidung war möglicherweise, daß es ihm nicht gelungen war, das Hilfswerk zu einem Zentralisierungsinstrument innerhalb der EKD gegen den Partikularismus der Landeskirchen zu formen. Innerhalb der CDU-Bundespartei, wie auch der Bundestagsfraktion war Gerstenmaier ein angesehener Vertreter des evangelischen Flügels der Union. Adenauer sah in ihm, wie Hans-Peter Schwarz zu Recht bemerkt hat, eine politische "Mehrzweckwaffe": Gerstenmaier war zum einen ein wichtiger Repräsentant der EKD und damit sichtbarer Garant für die überkonfessionelle Ausrichtung der Union, zum andern vertrat er gerade in außen-, deutschland- und verteidigungspolitischen Fragen eine dezidiert andere Position als Adenauers Kritiker in der EKD um Gustav Heinemann und Martin Niemöller. Weiterhin besaß er als Gründer und Mitherausgeber der konservativen evangelischen Wochenzeitung "Christ und Welt" auch eine nicht zu unterschätzende publizistische Plattform. Dennoch erreichte Gerstenmaier in den folgenden Jahren nie wirklich die Position in der Bundespolitik, die es ihm ermöglicht hätte, Politik unmittelbar zu gestalten. Adenauers Angebot, Bundesvertriebenenminister zu werden, schlug Gerstenmaier 1949 aus, in der ersten Legislaturperiode war er dann stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, 1954 schließlich kurzzeitig dessen Erster Vorsitzender. Am 16. November 1954 wurde er als Nachfolger des überraschend verstorbenen CDU-Politikers Hermann Ehlers zum Bundestagspräsidenten gewählt, ein Amt, das ihm Adenauer mit dem Argument der konfessionellen Parität der Spitzenämter des Bundes schmackhaft machte. Möglicherweise wollte der Bundeskanzler aber auch einen bisweilen unbequemen Parteifreund neutralisieren, der sich anschickte, sich als Außenpolitiker zu profilieren. Gerstenmaiers größtes Problem war, daß er eher Einzelkämpfer als Parteipolitiker im Wortsinne war, ihm fehlte die Hausmacht innerhalb der CDU, die es ihm ermöglicht hätte, Ansprüche erfolgreich durchzusetzen. Er wurde zwar 1956 zum stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden gewählt, ein Amt, das er bis 1969 innehatte, doch war mit diesem Amt keine wirkliche Macht verbunden. So ist es überaus bezeichnend, daß er beispielsweise Ehlers nur als Bundestagspräsident, nicht aber auch als Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU nachfolgte. Nicht einmal der Unterstützung des evangelischen Flügels der Union konnte er sich demnach sicher sein. Es scheiterten denn auch in den folgenden Jahren regelmäßig weitergehende Ambitionen Gerstenmaiers, etwa sein Versuch, Außenminister unter Ludwig Erhard zu werden oder diesen 1966 als Bundeskanzler zu beerben oder wenigstens unter Kiesinger das Auswärtige Amt zu übernehmen. Seine Amtsführung als Bundestagspräsident wurde indes prägend für das parlamentarische Leben im Bundestag. Mit Recht ist bemerkt worden, daß er in seiner fünfzehnjährigen Amtszeit - übrigens die längste Amtszeit eines deutschen Parlamentspräsidenten überhaupt - ganz entscheidend dazu beitrug, daß sich in Bonn ein allseits anerkannter parlamentarischer Stil entwickelte, der entscheidend zur inneren Anerkennung und Stabilisierung der noch jungen parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik beitrug und auch international Anerkennung fand. Steingewordenes Zeugnis seines Wirkens ist in Bonn bis heute das ehemalige Abgeordnetenhochhaus, der "Lange Eugen", in Berlin war der Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes sein Werk, mit dem er ein sichtbares Zeichen für den Willen der Deutschen zur Wiedervereinigung in Freiheit setzen wollte. Gerstenmaiers erzwungenen Abschied aus der Politik im Jahre 1969 kann man nur als unverdient unwürdig bezeichnen: Im Zusammenhang mit der vom Bundestag 1965 einstimmig verabschiedeten 7. Novelle des Wiedergutmachungsgesetzes für Angehörige des öffentlichen Dienstes, für welches er Formulierungshilfe geleistet hatte, geriet er unter massiven öffentlichen Druck, als bekannt wurde, daß er selbst einer der Hauptnutznießer dieser Novelle war ("Lex Gerstenmaier"), die ihm eine finanzielle Entschädigung für die Verhinderung seiner akademischen Laufbahn durch die Nationalsozialisten zusprach. Es folgten in der sich rasch entwickelnden Pressekampagne weitergehende Vorwürfe wegen angeblich weiter zurückliegender Affären sowie der von Gerstenmaier seinerzeit durchgesetzten versicherungsrechtlichen Regelung der Abgeordnetenpensionen, von der selbstverständlich auch er profitiert hatte. Hinzu kamen von der DDR ausgestreute Verdächtigungen im Hinblick auf seine Rolle im Widerstand (s.o.), die insofern auf eine gewisse Resonanz stießen, als vor dem Hintergrund der Entwicklungen des Jahres 1968 seine Zugehörigkeit zum Kreisauer Kreis, nicht zuletzt wegen dessen dezidiertem Antikommunismus, in den Augen seiner linken Kritiker nicht mehr als Ausweis seiner Integrität anerkannt wurde. Gerstenmaier reagierte in dieser schwierigen Situation eher ungeschickt, gab seiner aufbrausenden Natur oft allzu sehr nach, in der öffentlichen Wahrnehmung wurde die Art, wie er sich verteidigte, nur zu leicht als selbstgerecht empfunden. Entscheidend aber war, daß die CDU die Gelegenheit beim Schopf ergriff, sich Gerstenmaiers, der angesichts der sich seit Mitte der sechziger Jahre vollziehenden Veränderungen zunehmend ein unbequemer Mahner und "potentieller Störfaktor" (Friedrich Karl Fromme) geworden war, zu entledigen und ihn fallen ließ. Gerstenmaier erklärte am 23.1. 1969 tief verletzt seinen Rücktritt vom Amt des Bundestagspräsidenten mit Wirkung zum 31.1. 1969. Die Unions- Bundestagsfraktion konnte sich lediglich zu einer Ehrenerklärung für Gerstenmaier aufraffen, in der sie nicht zuletzt seine Verdienste als Widerstandskämpfer hervorhob. Letztendlich konnten die Vorwürfe gegen ihn nie bewiesen werden. Mit dem Ende der Legislaturperiode schied Gerstenmaier aus dem Bundestag aus, er trat in den folgenden Jahren politisch kaum noch hervor. Am 13.3. 1986 starb er in Remagen. Friedrich Karl Fromme hat zu Recht bemerkt, daß Eugen Gerstenmaier kein wirklich politischer Mensch war, daß ihn vielmehr eine grundsätzliche innere Distanz zur Politik kennzeichnete, die eine Chance hätte sein können, in Wahrheit aber eine bleibende Hypothek war. Er war in der Tat ein stets durch seine Herkunft aus dem kirchlichen Apparat geprägter "Zufalls-Berufener" (Friedrich Karl Fromme), der nicht von innerem Zwang in die Politik getrieben wurde. Anders als er selbst in der Rückschau von sich annahm, hat er den Kirchenmann und Gelehrten nie ganz abstreifen können und wurde, so gesehen, nie ein Vollblutpolitiker. Es gehört zu den tragischen Momenten im Leben Gerstenmaiers, daß ihm die Aufgabenfelder, zu denen er sich wirklich berufen fühlte, v.a. die Wissenschaft, das kirchliche Führungsamt, aber auch die Außenpolitik, versagt blieben, jedoch spricht es gleichzeitig für seine Integrität und seine tiefe Verwurzelung im Geiste der protestantischen Ethik, daß er gerade im Amt des Bundestagspräsidenten, das er nie angestrebt hatte, Fundamentales geleistet hat. Insofern ist Eugen Gerstenmaier eine heute zu Unrecht vergessene prägende Gründergestalt der Bonner Republik.

Werke: Protestantische Gefolgschaft oder mythogermanisches Rebellentum? In: Rostocker Universitätszeitung WS 1933/34, Nr. 2 (7.12.1933), 9-11; Wissenschaft und Wirklichkeit. In: Rostocker Universitätszeitung WS 1933/34, Nr. 4 (19.2.1934), 4-6; - Eine Fakultät im apologetischen Kampf. In: Wort und Tat. 11. Jg., Heft 1 (November 1934), 24-26; Arndt - Ahnherr des Deutschglaubens? Prinzipien neuheidnischer Geschichtsschreibung. In: Zeitwende 12, Heft 9 (1936), 145-158; Schöpfung und Offenbarung. Systematische Untersuchung zu einer Theologie des ersten Artikels, Berlin 1937 (zugl. Diss. Rostock 1935): - Die Kirche und die Kirchen. In: Kirche, Volk und Staat. Stimmen aus der Deutschen Evangelischen Kirche zur Oxforder Weltkirchenkonferenz. Hrsg. von Eugen Gerstenmaier, Berlin 1937, 100-129; Wittenberg und die Ökumene. In: Wort und Tat. Zeitschrift für Evangelische Wahrheit und kirchliche Verantwortung, Berlin-Spandau 1937, 12-23; Die Kirche und die Schöpfung. Eine theologische Besinnung zu dem Dienst der Kirche an der Welt, Berlin 1938; Christus und das Dogma. In: Der deutsche Auswanderer. 4. Jg., Heft 6 (November/Dezember 1938), 158-161; Albrecht Allmann [Pseud.]: Frankreichs Protestantismus im Krieg, Berlin 1940; Mächte und Mönche. Bilder und Gedanken im Südosten. In: Zeitwende 17, Heft 4 (1941), 98-103; "Moskauer Kirchendiplomatie". In: Protestantische Rundschau 19, Nr. 2 (April 1942), 49-53; Hilfe für Deutschland, Frankfurt am Main 1946; Drei Forderungen für die Flüchtlinge. In: Allgemeines Amtsblatt für die britische Zone. 1. Jg. (1947), 396 f.; Kirche und Öffentlichkeit. In: Die Kirche und die Öffentlichkeit. Beiträge von Eugen Gerstenmaier, Herbert Krimm, Christian Berg, Stuttgart 1948, 7-22; Wo liegen die Schwierigkeiten des Hilfswerks? In: Mitteilungen aus dem Hilfswerk der EKD. Nr. 28 (Juli 1948), 1 f.; Limes ecclesiae. Vom Wirkungsraum der Kirche. In: Zeitenwende 20, Heft 11 (Mai 1949), 783-794; Afrika 1955: Was wird aus Afrika? Afrika baut neue Städte. Warum ich nach Afrika reiste. o. O. 1955; Reden und Aufsätze. 2 Bände, Stuttgart 1956 und 1962; Indien und Deutschland. Ein Sammelband. Mit einem Vorwort von Eugen Gerstenmaier. Hrsg. von Hans-Otto Günther, Frankfurt am Main 1956; Sinn und Schicksal der Elite in der Gemeinschaft. Bonn 1958 [Sonderdruck]; (zusammen mit Eugen Lemberg): Das Bildungswesen als Gegenstand der Forschung, Heidelberg 1963; Grußwort des Bundestagspräsidenten zum 70. Geburtstag von Bischof D. Theodor Heckel. In: Kyrios 4/1964, H. 2, 67 f; Neuer Nationalismus? Von der Wandlung der Deutschen, Stuttgart 1965; Die Studentenschaft vor der Nation, Berlin 1965 (Sonderdruck); "Wichern Zwei". Zum Verhältnis von Diakonie und Sozialpolitik. In: Das diakonische Amt der Kirche. Hrsg. von Herbert Krimm, Stuttgart 19652, 467-518; Widerstandsrecht und Widerstandspflicht. Theologisch. In: Evangelisches Staatslexikon, Stuttgart u.a. 19661, Sp. 2497-2501; Der Kreisauer Kreis. Zu dem Buch Gerrit van Roons "Neuordnung im Widerstand". In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 15/1967, 221-246; Ärgernis, Ballast und Auftrag. Notizen zum hohen C der Union. In: Das Elend der Christdemokraten. Ortsbestimmung der politischen Mitte Europas. Hrsg. von Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Freiburg im Breisgau u.a. 1977, 29-46; Das Kirchliche Außenamt im Reiche Hitlers. In: Kirche im Spannungsfeld der Politik. Festschrift für Hermann Kunst zum 70. Geburtstag. Hrsg. von Paul Collmer u.a., Göttingen 1977, 307-318; Streit und Friede hat seine Zeit. Ein Lebensbericht, Frankfurt a. Main u.a. 1981; (zusammen mit Brigitte Gerstenmaier): Zwei können widerstehen. Berichte und Briefe 1939-1969, Bonn und Berlin 1992. Eine vollständige Bibliographie der Reden und Vorträge des Politikers Gerstenmaier ist leider ein Desiderat. Die bisher unveröffentlichten sind zugänglich in den Amtlichen Protokollen des Deutschen Bundestages bzw. im Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung.

Lit.: Fabian von Schlabrendorff (Hrsg.): Eugen Gerstenmaier im Dritten Reich. Eine Dokumentation, Stuttgart 1965; - Hermann Kunst (Hrsg.): Für Freiheit und Recht. Eugen Gerstenmaier zum 60. Geburtstag, Stuttgart 1966; - Konrad Adenauer: Begegnungen mit Gerstenmaier. In: Christ und Welt vom 26.8.1966; - Ders.: Erinnerungen 1955-1959, Stuttgart 1967; - Ernst Lemmer: Manches war doch anders. Erinnerungen eines deutschen Demokraten, Frankfurt am Main 1968; - Stefan Meuschel und Manfred Weber: Zweimal Gerstenmaier. In: Wie frei sind unsere Politiker? München 1968, 167-190 und 191-237; - Nationale Front des demokratischen Deutschland (Hrsg.): Vom SD-Agenten 038/546 zum Bundestagspräsidenten. Die Karriere des Eugen Gerstenmaier, Ost-Berlin 1969; - Bruno Heck (Hrsg.): Widerstand, Kirche, Staat. Eugen Gerstenmaier zum 70. Geburtstag, Frankfurt am Main u.a. 1976; - Carlo Schmid: Erinnerungen, Bern u.a. 1979; - Eugen Gerstenmaier. Präsident des Deutschen Bundestages von 1954-1969. Hrsg. von der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages e. V., Bonn 1981; - Friedrich Karl Fromme: Eugen Gerstenmaier. In: Persönlichkeit und Politik in der Bundesrepublik Deutschland. Politische Portraits. Bd.1. Hrsg. von Walter L. Bernecker und Volker Dotterweich, Göttingen 1982, 155-167; - Deutscher Bundestag (Hrsg.): Eugen Gerstenmaier. Präsident des Deutschen Bundestages von 1954-1969 zum Gedenken, Bonn 1986; - Øyvind Foss: Politische Diakonie? Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland und der Versuch, nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches eine gesellschaftsorientierte Diakonie zu verwirklichen, Frankfurt am Main u.a. 1986; - Hans-Peter Schwarz: Adenauer. 2 Bände, Stuttgart 1986 und 1991; - Johannes M. Wischnath: Kirche in Aktion. Das Evangelische Hilfswerk 1945 - 1957 und sein Verhältnis zu Kirche u. Innerer Mission, Göttingen 1986 (= Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte, Band 14); - Günter Buchstab, Brigitte Kaff und Hans-Otto Kleinmann: Verfolgung und Widerstand 1933-1945. Christliche Demokraten gegen Hitler, Düsseldorf 19902; - Jochen-Christoph Kaiser: Eugen Gerstenmaier in Kirche und Gesellschaft nach 1945. In: Protestanten in der Demokratie. Positionen und Profile im Nachkriegsdeutschland, München 1990, 69-92; - Ders. und Anselm- Doering-Manteuffel (Hrsg.): Christentum und politische Verantwortung. Kirchen im Nachkriegsdeutschland, Stuttgart u.a. 1990 (= Konfession und Gesellschaft, Band 2); - Dorothee von Meding: Mit dem Mut des Herzens. Die Frauen des 20. Juli, Berlin 1992; - Henning Köhler: Adenauer. Eine politische Biographie, Frankfurt am Main u.a. 1994; - Rolf-Ulrich Kunze: Theodor Heckel 1894-1967. Eine Biographie, Stuttgart u.a. 1997 (= Konfession und Gesellschaft, Band 13); - Gerstenmaier, Eugen. In: Lexikon des Widerstandes. Hrsg. von Peter Steinbach und Johannes Tuchel. Unter Mitarbeit von Ursula Adam, Klaus Drobisch, Andreas G. Graf, Norbert Haase und Sylvia Rogge-Gau, München 19982, 68 f.; - Andreas Meier: Eugen Gerstenmaier. In: Profile des Luthertums. Hrsg. von Wolf-Dieter Hauschild, Gütersloh 1998, 185-201; - Thomas Sauer: Eugen Gerstenmaier (1906-1986). In: Deutsche Politiker 1949-1969. Band 2. Hrsg. von Torsten Oppelland. Darmstadt 1999, 30-40; - Gerstenmaier, Eugen. In: M.d.B. Volksvertretung im Wiederaufbau 1946-1961. Bundestagskandidaten und Mitglieder der westzonalen Vorparlamente. Eine biographische Dokumentation. Hrsg. von Martin Schumacher, Düsseldorf 2000, 123 f; Jochen-Christoph Kaiser: Gerstenmaier, Eugen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 3 (Tübingen 20004), 760; Thomas Sauer (Hrsg.): Katholiken und Protestanten in den Aufbaujahren der Bundesrepublik, Stuttgart u.a. 2000 (= Konfession und Gesellschaft, Band 21); - Matthias Stickler: Gerstenmaier, Eugen. In: Lexikon der Christlichen Demokratie. Hrsg. von Winfried Becker, Günter Buchstab, Anselm Doering-Manteuffel und Rudolf Morsey [Erscheint 2001].

Matthias Stickler

Literaturergänzung:

2008

Ulrich Kabitz, E.G. u. Hans Schönfeld zwischen Ökumene u. "Drittem Reich". Erkundungen, in: DBJb 3.2007/2008, S. 179-209; -

2009

Markus Krieger, Frühe protestant. Stellungnahmen zur "Frage Europa", in: MKIB 60.2009,5, S. 83-88.

Letzte Änderung: 12.11.2009