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Band XXI (2003) Spalten 505-508 Autor: David Berger

GONZÁLEZ (DIAZ DE TUÑÓN), Ceferino. Spanischer Kardinal und thomistischer Gelehrter. * 1831 in Asturien, † 1894 in Madrid. - Ceferino González Diaz de Tuñón wurde am 28. Januar 1831 in San Nicolás de Villoria im spanischen Fürstentum Asturien geboren. Streng religiös von seinen Eltern erzogen, wuchs er in jenem tiefkatholischen Teil Spaniens auf, der niemals von den Mauren erobert werden konnte und von dem die Rekatholisierung des Landes ihren Ausgang nahm. Im zarten Alter von 13 Jahren trat er zu Ocaña (Toledo) in den Dominikanerorden ein. Bereits hier fiel G. durch seinen großen wissenschaftlichen Eifer auf. Vier Jahre später, im Jahre 1848, wurde er von seinen Oberen nach Ablegung der Gelübde zum Studium der Philosophie und Theologie auf die Universidad de Santo Tomás von Manila geschickt. Von der Aufklärung und der Revolution unberührt hatte sich an dieser Lehranstalt eine ungebrochene thomistische Schultradition erhalten, so daß G. hier intensiv mit der Lehre des großen Aquinaten vertraut wurde. 1854 empfing er die Priesterweihe. Bereits 1853 war er zunächst zum Professor für Philosophie, 1858 zum Professor für Theologie an der Universität zu Manila ernannt worden. In dieser Zeit entstand eines seiner wichtigsten Werke, die "Estudios sobre la Filosofía de Santo Tomás" in drei Bänden (Manila 1864). Dieses 1885 auch ins Deutsche übersetzte Werk gilt als Pionierstudie und Programmschrift der Erneuerung des Thomismus im Spanien des 19. Jahrhunderts. Bereits in diesem Erstlingswerk, wie auch in weiteren kleineren, in jener Zeit entstandenen Arbeiten beschäftigte er sich intensiv mit der modernen Philosophie und den damaligen neuen Theorien der Naturwissenschaften, die er in einen Dialog mit dem Thomismus zu führen entschlossen war. 1866 musste er aus gesundheitlichen Gründen nach Spanien zurückkehren. Bis 1871 fungierte er in seine Heimat zurückgekehrt als Rektor des Studienhauses von Ocaña. Als Niederschlag seiner dortigen Lehrtätigkeit entstand sein ebenfalls dreibändiges Werk "Philosophia elementaria ad usum academicae ac praesertim ecclesiasticae iuventutis" (Madrid 1868). Von 1871 bis 1875 lebte er in Madrid in einem kleinen Kloster in der Calle de la Pasión, wo er einen Zirkel junger Gelehrter, die er in regelmäßigen Zusammenkünften in die Philosophie des Aquinaten einführte, um sich sammelte. Aus diesem Kreis gingen spätere einflussreiche katholische Politiker wie der Marquis Luis Pidal y Mon und begabte Philosophen wie Antonio Hernández Fajarnés, Eduardo de Hinojosa und Juan Manuel Ortí y Lara hervor. Am 5. Juli 1875 wurde G. von Papst Pius IX. zum Bischof von Córdoba ernannt. In dieser Eigenschaft erwarb er sich besondere Verdienste, indem er nicht nur das intellektuell-kulturelle Niveau des Klerus förderte, sondern sich auch engagiert der sozialen Probleme annahm. 1878 und 1879 erschien seine umfangreiche "Historia de la Filosofia", ein auch ins Französische übersetztes Lehrbuch der Philosophiegeschichte, das in Spanien bis weit ins 19. Jahrhundert die Maßstäbe für die Philosophiegeschichtsschreibung setzte. Daß G. auch als Bischof weiter schriftstellerisch tätig war, ging auf den ausdrücklichen Wunsch des Papstes zurück. 1883 erreichte ihn die Ernennung zum Erzbischof von Sevilla, 1885 zum Kardinal-Erzbischof von Toledo und damit zugleich zum Primas von Spanien. 1889 legte er - wiederum aus gesundheitlichen Gründen - alle Ämter nieder und zog sich erneut nach Madrid zurück, um sich während seiner letzten Lebensjahre vor allem mit dem Konflikt zwischen moderner Naturwissenschaft und der biblischen Überlieferung zu befassen. Frucht dieser Studien ist das 1891 erschienene, voluminöse Werk "La Biblia y la Ciencia", das selbst bei einem Exegeten wie Marie-Joseph Lagrange (1855-1938) tiefe Bewunderung hervorrief. Im Jahr 1893 erfolgte als letzter Höhepunkt zahlreicher Ehrungen die Aufnahme in die Königliche Spanische Akademie. Am 29. November 1894 starb G. in Madrid. - Alle Werke G's zeigen eine profunde Kenntnis der thomistischen Tradition. Der Thomismus gilt dem Dominikanergelehrten aber nicht als hermetisch abgeschlossenes System, vielmehr zeigt sich G. stets bemüht, diesen in der Auseinandersetzung mit der modernen Philosophie und den übrigen Profanwissenschaften weiterzuentwickeln. Dabei steht jedoch die klare Identitätswahrung des Thomismus grundsätzlich über der Offenheit, so daß das Denken des Thomas von Aquin hier tatsächlich als eine echte Alternative zu den Aporien des modernen Denkens sichtbar bleibt. Insofern kann der Dominikanergelehrte als der bedeutendste Vater des spanischen Neuthomismus sowie als Wegbereiter der Thomasenzyklika "Aeterni patris" Papst Leos XIII. gelten.<@$p>

Werke (Auswahl): Estudios sobre la Filosofía de Santo Tomás, 3 Bde., Manila 1864 (2. Aufl.: Madrid 1866-1867; dt.: Die Philosophie des hl. Thomas von Aquin, 3 Bde., dt. von Carl J. Nolte, Regensburg 1885); Reglamento del Colegio de Niñas de Santa Catalina de Sena, bajo la dirección de las religiosas dominicas de Manila, Manila 1866; Philosophia elementaria, 3 Bde., Madrid 1886 (7. Aufl. 1894); La definicion de la infalibilidad pontificia, Madrid 1870; Filosofia elemental, 2 Bde., Madrid 1873 (7. Aufl. 1907); Estudios religiosos, filosóficos, científicos y sociales, 2 Bde., Madrid 1873; Carta pastoral del Obispo de Córdoba, Córdoba 1875; Historia de la Filosofía, 3 Bde., Madrid 1878-1879 (2. Aufl. 1886); Raymundo Lulio, in: La Ciencia Cristiana 6 (1878) 210-226; La Biblia y la Ciencia, 2 Bde., Madrid 1891 (2. Aufl. Sevilla 1892); Las relaciones entre el habla castellana y la mistica española, in: Memorias de la Real Academia Española VII (1896) 490-537.

Bibliographie: F. Díaz de Cerio, Un cardenal filósofo de la Historia. Fr. Z. G. (1831-1894), Rom 1969.

Lit.: Carl Joseph Nolte, Vorrede des Übersetzers, in: Franz Zephyrinus Gonzalez, Die Philosophie des heiligen Thomas von Aquin, Bd. I, Regensburg 1885, IV-XII (nach wie vor sehr brauchbare Informationen); - F. Garilhe, Un cardinal historien de la philosophie, Brüssel 1893; - Norberto Del Prado, El P. Z.G., in: Revue thomiste 3 (1895) 85-94; - Andreas Frühwirt, C.G., in: AOP 3 (1895) 34-41; - Eloy Bullon Fernandez, Fray Z.G., in: Revista Contemporanea 111 (1898) 306-314; - A. Colunga, El autor de " La Biblia y la Ciencia ", in : Ciencia Tomista 43 (1931) 145-168; - M. Sanchez, El P.C.G., recuerdo en el primer centenario del nacimiento de illustre prelato, in: Ciencia Tomista 23 (1931) 289-309; - Marie-Joseph Lagrange, Loisy et le modernisme, Juvisy 1932, 74-76; - Angelus Walz, Il tomismo dal 1800 al 1879, in: Angelicum 20 (1943) 300-326; - V. Larrañaga, El Cradenal Z.G. y Su Santitad León XIII, in: Estudios Biblicos 7 (1948) 77-114; - G. Fraile, El P. C.G. (1831-1894), in: Revista de Filosofía 15 (1956) 445-468; - R. Ceñal, La filosofia española en la segunda mitad del siglo XIX, in: Revista de filosofia 15 (1956) 403-444; - J. Iriarte, Legado historiográfico del Cardenal Zeferino, in: Revista de filosofía 162 (1960) 247-260; - Roger Aubert, Aspects divers du neo-thomisme sous le pontificat de Leo XIII., in: Aspetti della cultura cattolica nell'età di Leone XIII., Rom 1961, 133-227; - Franco Diaz de Cerio, La "Filosofia de la historia" del Cardenal Fray C.G., in: Gregorianum 44 (1963) 543-559; - id., Bibliographia del Cardenal C.G., in: Pensiamento 20 (1964) 65-69; - G. Fraile, C.G. Dominican cardinal and philosopher, in: NewCathEnc VI (1967) 614; - Franco Díaz de Cerio, Un cardenal filósofo de la Historia. Fr. Z.G. (1831-1894), Rom 1969; - Luis y Silverio Cerra, G.F.C., in: Gran Enciclopedia Asturiana VII (1970) 276-278; - Esteban Pérez Delgado, El concepto de psicologia en Z.G (1831-1894), Madrid 1984; - Carlos Valverde, C.G., in: Emerich Coreth u.a. (Hrsg.), Christliche Philosophie im katholischen Denken des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. II, Graz 1988, 251-267; - Juan Pascual Toledo, C.G. y el pensiamento moderno, Malaga 1988; - Gustavo Bueno Sánchez, La obra filosófica de fray Z.G., Diss.Oviedo 1991; - Manuel González Pola, El Cardenal Z.G. filosofo, Madrid 1995; - Fernando Dominguez, C.G. Neuscholastiker, in: 3LThK XI (2001) 115.

David Berger

Letzte Änderung: 27.12.2002