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Band II (1990)Spalten 286-287 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GRANVELLE, Antoine Perrenot de, Kardinal und Staatsmann, * 20.8. 1517 in Ornans bei Besançon als Sohn des Staatsmanns Nicolas Perrenot de G. († 1550), † 21.9. 1586 in Madrid. - G. begann seine Studien in Dôle, besuchte dann zu seiner weiteren Ausbildung die Universitäten Paris, Padua und Löwen und promovierte zum Dr. phil. und zum Dr. theol. Sein Vater führte ihn in die Staatsgeschäfte ein. G. wurde 1538 zum Bischof von Arras erhoben und von jetzt an mit diplomatischen Aufträgen von Karl V. (s. d.) betraut. Mit seinem Vater nahm er 1541 teil an dem Religionsgespräch in Worms und 1541 an dem Reichstag in Regensburg und hielt am 9.6. 1543 auf dem einberufenen, aber noch nicht eröffneten Konzil in Trient eine bedeutende Rede. Nach der Entscheidungsschlacht im »Schmalkaldischen Krieg« am 24.4. 1547 bei Mühlberg auf der Lochauer Heide führte G. die Verhandlungen mit dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen (s. d.) und dem Landgrafen Philipp von Hessen (s. d.). Nach dem Tod seines Vaters wurde er 1550 dessen Amtsnachfolger als Staatssekretär Karls V. Als Kurfürst Moritz von Sachsen (s. d.) den Kaiser 1552 in Innsbruck überfiel, begleitete G. Karl V. auf seiner Flucht nach Villach in Kärnten. Der Kaiser sah sich in seiner bedrängten Lage genötigt, am 2.8. 1552 den »Passauer Vertrag« zu unterschreiben, den G. abgefaßt hatte. Er beauftragte ihn 1553 mit den Unterhandlungen über die Vermählung seines Sohnes Philipp mit der Königin von England, Maria der Katholischen (s. d.). Nach dem Thronverzicht Karls V. 1555/56 wurde G. Minister des Königs Philipp II. (s. d.) von Spanien. 1559 schloß und unterzeichnete er in Château-Cambrésis den Frieden zwischen Frankreich und Spanien. G. wurde 1559 erster Berater der Statthalterin in den Niederlanden, Margarete von Parma, und 1561 nach der neuen kirchlichen Einteilung des Landes in 3 Erzbistümer und 14 Bistümer erster Erzbischof von Mecheln und Kardinal. Diese Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse durch Pius IV. (s. d.) fand überall die schärfste Opposition. Wegen wachsenden Widerstandes der Stände mußte Philipp II. 1564 G. aus Brüssel abberufen. Er widmete sich nun in Besançon humanistischen Studien. G. wurde 1570 spanischer Gesandter in Rom und brachte am 25.5. 1571 ein zwischen Spanien, Venedig und dem Papst angeregtes Bündnis gegen die Türken zum Abschluß. 1571-75 war G. Vizekönig von Neapel. Er sicherte die Küste gegen die Seeräuber, schuf eine Landmiliz und erwarb sich durch treffliche Maßnahmen und umsichtige Anordnungen nicht geringe Verdienste um das Wohl und die Sicherheit des Landes. Auf sein Betreiben wurde am 14.5. 1572 der Kardinal Ugo Buoncompagni zum Papst gewählt, der sich Gregor XIII. (s. d.) nannte. Nach dem Sturz des Antonio Pérez berief Philipp II. 1579 G. nach Madrid zum Präsidenten des Staatsrats und übertrug ihm 1581, als er nach Portugal reiste, die Regierung seines Reiches. G. entsagte 1581 dem Erzbistum Mecheln und wurde 1584 zum Erzbischof von Besançon gewählt, starb aber vor Antritt dieses Amtes.

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Werke: Papiers d'état du Cardinal de G. d'après les manuscrits de la bibliothèque de Besançon publiés sous la direction de M. Ch. Weiss, 9 Bde., Paris 1841-52; Correspondance du Cardinal de G., 1565-1586, publiée par Edmund Poullet (ab Bd. IV: par Charles Piot). Faisant suite aux Papiers d'état du Cardinal de G., publiés dans la Collection de Documents inédits sur l'histoire de France, 12 Bde., Brüssel 1877-96.

Lit.: P. Levêque, Mémoires pour servir à l'histoire du Cardinal de G., 2 Bde., Paris 1753; - Luc Courchetet d'Esnans, Histoire du cardinal de G., ebd. 1761 (Brüssel 17842); - Étienne Constantin de Gerlache, Philippe II et G., Brüssel 1842; - P. Claessens, Le Cardinal de G., in: Revue catholique 37, 1874, 501 ff. 605 ff.; 38, 1874, 217 ff.; - Martin Philippson, Ein Ministerium unter Philipp II. Kard. G. am span. Hofe, 1579-86, 1895; - E. Perrin, Nicolas Perrenot de G., Besançon 1901; - Ernst Man, Stud. z. Gesch. des ndrl. Aufstandes, 1902; - Felix Rachfahl, Wilhelm v. Oranien, II, 1907, 136 ff.; - Pieter Geyl, The Revolt of the Netherlands, 1555-1609, London 1932 (New York 19582); - L. J. C. van Gorkom, Kardinaal G. buiten de Nederlanden, in: Historisch Tijdschrift 12, 1933, 168 ff.; - Maurice van Durme, A. P. van beschermheer van Christoffel Plantijn, Antwerpen 1948; -Ders., Antoon Perrenot, Bisschop van Utrecht, Kardinaal van Brüssel 1953 (span. Ausg.: El Cardenal G. [1517-86]. Imperio y revolucion bajo Carlos V y Felipe II, Barcelona 1957); - Ders., Notes sur la correspondance de G., in: Bulletin de la Commission royale d'histoire 121, Brüssel 1956, 25 ff.; - Ders., Lettres inédites du Cardinal de G. à Christophe Plantin, in: Gutenberg-Jb. 37, 1962, 280 ff.; - Michael Dierickx, De oprichting der nieuwe bisdommen in de Nederlanden onder Filips II 1559-70, Antwerpen - Utrecht 1950; - Schottenloher I, Nr. 7293-7298; V, Nr. 46535-46536a; VII, Nr. 54803-54809; - Jedin I2, 1951; II, 1957; - ADB IX, 582 f.; - EC VI, 1002; - LThK IV, 1166; -NCE VI, 695 f.; - RGG II, 1825.

Friedrich Wilhelm Bautz

Werkeergänzung:

2009

La guerra secreta de Carlos V contra el Papa. La cuestión de Parma y Piacenza en la correspondencia del cardenal Granvela. Ed. estudio y notas María José Bertomeu Masiá. Valencia 2009.

Letzte Änderung: 09.04.2011