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Band II (1990)Spalten 293-294 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

GRAUN, Karl Heinrich, Komponist, * 7.5. 1704 in Wahrenbrück bei Bad Liebenwerda (Sachsen) als Sohn eines Steuereinnehmers, † 8.8. 1759 in Berlin. - G. besuchte 1714-20 die Kreuzschule in Dresden. 1723 unternahm er eine Kunstreise nach Prag und kam 1725 als Tenorist an die Braunschweiger Hofkapelle, wo er bald Vizekapellmeister wurde. G. führte am 13.6. 1733 bei der Vermählung des Kronprinzen Friedrich von Preußen mit der Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig die von ihm komponierte italienische Oper »Lo specchio della fedeltà« auf. Sie gefiel dem Kronprinzen so gut, daß er 1735 nach dem Tod des Herzogs Ludwig Rudolf G. an seine Kapelle in Rheinsberg bei Neuruppin berief. Friedrich II., der Große, ernannte ihn 1741 zu seinem Kapellmeister und beauftragte ihn mit der Errichtung einer Oper in Berlin. Noch in demselben Jahr führte G. im Komödiensaal des Schlosses seine Oper »Rodelinda« auf; es war die erste italienische Opernaufführung in Berlin. Am 7.12. 1742 wurde mit G.s Oper »Cesare e Cleopatra« das neue Berliner Opernhaus eröffnet. Bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 schrieb G. 28 Opern, unter denen besonders »Semiramide« (1754) hervorragt. Als Friedrich der Große 1756 bei Prag den großen Sieg erfochten hatte, schuf G. das herrliche »Tedeum«. Von seinen kirchlichen Werken ist am bekanntesten die Passionskantate »Der Tod Jesu« (Text von Karl Wilhelm Ramler), die am 26.3. 1755 im Berliner Dom zum erstenmal und bis 1884 fast alljährlich am Karfreitag in Berlin aufgeführt wurde. Bekannt ist auch seine vierstimmige Vertonung von Friedrich Gottlieb Klopstocks (s. d.) »Auferstehn, ja auferstehn« (1758).

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Werke: MGG V, 713 ff.; - Ausg.: ebd. 717 ff.; - Neueste Ausgg.: Trio f. 3 Melodieinstr., hrsg. v. K. Janetzky, Leipzig 1967; - Triosonate F dur, hrsg. v. Reinhard Gerlach, Celle 1968; -Kantate »Dein Geist mein Leib u. Seel regier«, hrsg. v. Lothar Hoffmann-Erbrecht, Köln 1969.

Lit.: A. Stierlin, K. H. G., Zürich 1850; - A. Mayer-Reinach, K. H. G. als Opernkomponist, in: SIMG I, 1899/1900, 448 ff.; - Carl Mennicke, Haase u. die Brüder G. als Symphoniker. Nebst Biogrr. u. themat. Kat. (Diss. Leipzig), 1906; - Max Flueler, Die norddt. Sinfonie z. Z. Friedrichs d. Gr. (Diss. Berlin), 1908; - J. Blaschke, G.s Bedeutung als Kirchenkomponist, in: Die Orgel 9, 1909; - Berthold Kitzig, Briefe C. H. G.s, in: ZfMw 9, 1927, 385 ff.; - Ders., C. H. G., in: Mitteldt. Lb. IV, 1929, 108 ff.; - Lothar Hoffmann-Erbrecht, Die Sinfonie, 1967; - MGG V, 710 ff.; - Eitner IV, 346 ff.; - Riemann I, 670 f.; ErgBd. I, 453; - Moser I, 441 f.; - ADB IX, 606 ff.; - NDB VII, 10 f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturergänzung:

2006

Karl Heinrich: Christoph Henzel, Graun-Werkverzeichnis (GraunWV). 2 Bde. Beeskow 2006; -

2009

Christoph Henzel, Berliner Klassik. Studien zur Graunüberlieferung im 18. Jhr. Beeskow 2009.

Letzte Änderung: 09.04.2011