|
Verlag Traugott Bautz
|
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
GREBEL, Konrad, Vertreter der Täuferbewegung, 1489 (?) in Grüningen (Kt. Zürich) als Sohn eines Landvogts, † (an der Pest) Juli oder August 1526 in Maienfeld (Kt. Graubünden). - G. war Schwager des Joachim Vadian (s. d.), des Humanisten und Reformators seiner Vaterstadt St. Gallen. Er studierte 1515 bis 1518 in Wien, dann in Paris, seit 1520 in Zürich, vorübergehend 1521 in Basel. Seit 1517 war G. mit Huldrych Zwingli (s. d.) befreundet, der ihn durch seine Predigt für die Reformation gewann. G. und seine Freunde forderten eine radikale Umgestaltung der christlichen Kirche nach apostolischem Muster und legten im Sommer 1523 Zwingli ihre Gedanken von der »neuen christlichen Gemeinde« dar. Zwingli aber, der ihnen zu lau und zu langsam vorging, wies die Zumutung, eine vom Staat völlig unabhängige Gemeinde zu gründen, entschieden ab. G. und seine Freunde verlangten ferner die baldige Abschaffung der Messe, Meßgewänder und Meßgesänge. Im Herbst 1523 kam es zum Bruch zwischen G. und Zwingli. Im Sommer 1524 begann der Kampf um die Kindertaufe. Die Bewegung des Täufertums griff immer weiter um sich. Am 17. 1. 1525 fand im großen Rathaussaal in Zürich das erste öffentliche Gespräch über die Kinder-taufe statt. Der Rat erhob die Kindertaufe zum Staatsgesetz und bedrohte alle Zuwiderhandelnden mit der Strafe der Vertreibung aus der Stadt und dem Gebiet Zürich. An einem der nächsten Tage vollzog G. an Georg Blaurock (s. d.) auf dessen Bitten in den eiskalten Fluten der Limmat die erste »Wiedertaufe«. Nach ihm empfingen die 15 Anwesenden ebenfalls die Glaubenstaufe. Mit aller Strenge ging der Rat gegen die Täufer vor. G. zog nach Schaffhausen und sammelte dort Anhänger um sich. Am 20. 3. 1525 fand in Zürich das zweite Täufergespräch statt. Im Anschluß daran weilte G. kurze Zeit in St. Gallen, warb Anhänger und taufte. Er war mehrfach in Haft und wirkte auch in Appenzell und Maienfeld.
Werke: Briefe u. sProtestation u. Schutzschr.«, in: Krit. ZwingliAusg. III, 1914, 368 ff.
Lit.: Emil Egli, Die Zürcher Wiedertäufer z. Ref.zeit, 1879; - Walther Koehler, Die Zürcher Täufer, in: Gedenkschr. z. 400j. Jub. der Mennoniten oder Taufgesinnten, hrsg. v. der Konferenz der süddt. Mennoniten, 1925, 48 ff.; - Christian Neff, K. G., sein Leben u. Wirken, ebd. 65 ff.; - Edward Yoder, C. G. as a humanist, in: The Mennonite Quarterly Review 3, Goshen/Indiana 1929, 132 ff.; - Leonhard v. Muralt, K. G. als Student in Paris, in: Zürcher Taschenbuch auf das J. 1937, 1936, 113 ff.; - Harald Stauffer Bender, C. B., the first leader of the Swiss Brethren (Anabaptists), in: The Mennonite Quarterly Review 10, 1936, 5 ff. 91 ff. 151 ff.; - Ders., The Theology of C. G., ebd. 12, 1938, 27 ff. 114 ff.; - Peter v. Zahn, Stud. z. Entstehung der soz. Ideen des Täufertums in den ersten J. der Rel. (Diss. Freiburg/Breisgau, 1939), o. O. 1942, 73 ff.; - John Christian Wenger, Glimpses of Mennonite History and Doctrine, Scottdale -Paris 19472; - Ernest Corell u. Edward Yoder, The life and letters of C. G. I: C. G. The Founder of the Swiss Brethren sometime called anabaptisis, Goshen/Indians 1950; - Qu. z. Gesch. der Täufer in der Schweiz, hrsg. v. Leonhard v. Muralt u. Walter Schmid, I, Zürich 1952; - Konradin Bonorand, Joachim Vadian u. die Täufer, 1953, 43 ff.; - Fritz Blanke, Brüder in Christo. Die Gesch. der ältesten Täufergemeinde, Zollikon 1525, 1955; - Ders., Harald S. Bender als Biograph C. G.s, in Mennonit. Gesch.bll. 14, 1957, Nr. 9, f. 40 ff.; - Ekkehard Krajewski, Leben u. Sterben des Zürcher Täuferführers Felix Mantz (Diss. Zürich), Kassel 1957 (19582) u. d. T.: ... Über die Anfänge der Täuferbewegung u. des Freikirchentums in der Ref.zeit; - A. Mettler, K. G. u. die Anfänge des Täufertums, in: Kirchenbl. f. die ref. Schweiz 114, Basel 1958, 370 ff.; - George Huntston Williams, The Radical Reformation, Philadelphia 1962, 92 ff.; - Der linke Flügel der Ref., hrsg. v. Heinold Fast, 1962, 9 ff.; -Hans J. Hillerbrand, The Origin of Sixteenth-Century Ansbaptism: Another Look, in: ARG 53, 1962, 152 ff.; - John Howard Yoder, Die Gespräche zw. Täufern u. Reformatoren in der Schweiz, 1523-1538 (Diss. Basel, 1962), Weierhof bei Marnheim/Pfalz u. Karlsruhe 1962 (u. d. T.: Täufertum u. Ref. in der Schweiz. 1: Die Gespräche ...); - Alan J. Beachy, C. G.'s programmatic letters. A review discussion, in: The Mennonite Quarterly Review 47, Goshen/Indians 1973, 153 ff.; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch. I2, 1973, 937 f.; - Schottenloher I, Nr. 7316 bis 7320a; V, Nr. 46543 I.; VII, Nr. 54824-54828; - MennLex II, 163 ff.; - MennEnc II, 566 ff.; - ADB IX, 619 ff.; - NDB VII, 15 f.; - RGG II, 1834; - NCE VI, 717.
Friedrich Wilhelm Bautz
Textanmerkungen:
Die erste Taufe fand nicht "in den eiskalten Fluten der Limmat" statt, sondern ganz gemütlich im Zimmer, vermutlich mit einer Schöpfkelle.
Quelle: Das große Geschichtsbuch der Hutterischen Brüder. Geschichte der Hutterer 1517-1665 , S. 35.
Literaturergänzung
Goertz, Hans-Jürgen, Konrad Grebel. Kritiker des frommen Scheins 1498-1526. Eine biographische Skizze. Hamburg 1998; - LICHDI, Diether Götz, Konrad Grebel und die frühe Täuferbewegung, Lage 1998; - Siegfried Bräuer, Wittenberg u.d. Prototäufer in Zürich. Erhart Hegenwalds Brief an Konrad Grebel u. seinen Kreis vom 1. Januar 1525, in: MennGBl 64.2007, S. 79-104.
Letzte Änderung: 31.07.2009