Verlag Traugott Bautz |
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HAYN, Henriette Luise von, Liederdichterin der Brüdergemeine, * 22.5. 1724 in Idstein (Nassau) als Tochter eines herzoglichen Oberjägermeisters, † 27.8. 1782 in Herrnhut (Oberlausitz). - H. L. hatte schon als Kind in ihrer Liebe zum Heiland herzinnigen Umgang mit ihm. Oft stand sie des Nachts auf und verbrachte manche Stunde kniend im Gebet, weil sie am Tag unter ständiger Aufsicht war und oft keine Gelegenheit fand, sich ein wenig in einen Winkel zurückzuziehen, um an Jesus zu denken und zu ihm zu beten. Als junges Mädchen las sie die Berliner Reden des Nikolaus Ludwig Grafen von Zinzendorf (s. d.) und erfuhr gleichzeitig, daß die Herrnhuter in der nicht weit entfernten Wetterau als neue Siedlung Herrnhaag bauten. H. L. wollte dorthin und Mitglied der Brüdergemeine werden, was ihr aber der Vater aus dem Sinn zu reden suchte. Eines Tages las sie das Wort Jesu "Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist mein nicht wert" (Mt 10, 37). Nun stand ihr Entschluß fest. Ohne Wissen ihrer Eltern verließ H. L. das Haus und machte sich auf den Weg nach Herrnhaag. Vom nächsten Dorf aus sandte sie ihren Eltern einen Abschiedsbrief. Der Vater aber gab einem Boten den Auftrag, seiner Tochter eiligst nachzureisen. Er holte sie in Frankfurt ein und brachte sie den Eltern zurück. Bald darauf durfte H. L. nach Herrnhaag, weil gute Freunde den Eltern dazu geraten hatten, in der Meinung, ihre Tochter würde so am besten von ihrem Irrtum geheilt. Sie wurde 1744 in das dortige ledige Schwesternhaus aufgenommen. Nach einem halben Jahr forderten die Eltern ihre Tochter auf, nach Hause zurückzukehren. Sie konnte aber bleiben, weil der Herr auf wunderbare Weise alle Schwierigkeiten beseitigte. H. L. trat 1746 in die Brüdergemeine ein und kam in das Mädchenhaus zur Erziehung der Kinder. Mit dieser Anstalt siedelte sie nach Aufhebung der Siedlung Herrnhaag 1750 nach Großhennersdorf (Oberlausitz) und 1751 nach Herrnhut (Oberlausitz) über, wo sie der Mädchenanstalt vorstand und 1766 Pflegerin der ledigen Schwestern wurde. - In dem Brüdergesangbuch von 1778 finden sich von ihr 28 Lieder, darunter das bekannteste: "Weil ich Jesu Schäflein bin, freu ich mich nur immerhin über meinen guten Hirten." Sie dichtete es im August 1772 für den Geburtstag einer Freundin. Das Lied hat 7 Strophen und steht in einer Auswahl von 3 Strophen im Brüdergesangbuch unter den Abendmahlsliedern. Genannt sei auch: "Du bist's wert, Lamm, für deine Todesmüh, daß dich jeder Blutstropf ehre."
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
2005
Schneider-Böklen, Elisabeth, "Amen, ja, mein Glück ist groß" : Henriette Louise von Hayn (1724-1782); eine Dichterin des Herrnhuter Pietismus; (eng): „Amen, yea, my lot is blessed" Henriette Louise von Hayn (1724 - 1782) - a poetess of Moravian Pietism Marburg 2005; -
2009
Elisabeth Schneider-Böklen, "Amen, ja, mein Glück ist groß". H.L.v.H. (1724-1782), eine Dichterin d. Herrnhuter Pietismus. Herrnhut 2009.
Webseitenergänzung:
http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2006/0115/ (08-02.2008).
Letzte Änderung: 09.04.2011