HELD, Heinrich, ev. Theologe, * 25.9. 1897 in St. Johann bei Saarbrücken als Sohn eines Fachschuldirektors, † 19.9. 1957 in Düsseldorf. - H. machte 1915 das Abitur und nahm als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil. Er studierte seit 1919 in Bonn und in Tübingen und besuchte nach dem Lehrvikariat bei dem Kölner Superintendenten Georg Martin Klingenburg das Predigerseminar in Wittenberg. 1924 wurde H. Hilfsprediger in Wesseling bei Brühl und 1939 Pfarrer in Essen-Rüttenscheid. Im Juli 1933 gründete er mit Joachim Beckmann, seinem Nachfolger im Präsesamt, die "Rheinische Pfarrbruderschaft", die rheinische Gruppe des Pfarrernotbundes Martin Niemöllers. Im Kampf gegen den Reichsbischof Ludwig Müller (s. d.) wurde im Winter 1933/34 die "Freie Evangelische Synode im Rheinland" gegründet. H. gehörte der Kirchenleitung der Bekennenden Kirche im Rheinland ebenso an wie der Preußischen und der Deutschen Bekenntnissynode. Er widmete sich dem Vortragsdienst und der publizistischen Arbeit der Bekennenden Kirche, soweit und solange das möglich war. Das führte zu mehreren Verhaftungen und einem Reichsredeverbot. Nach dem 2. Weltkrieg wurde H. Superintendent in Essen und 1946 Oberkirchenrat und setzte seine ganze Kraft ein für die Neuordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland und in Deutschland. 1948 wurde er zum Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland berufen. H. war Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und beteiligte sich maßgeblich an der inneren und äußeren Festigung der "Evangelischen Kirche der Union" (früher: Evangelische Kirche der altpreußischen Union). Er wirkte mit bei der Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchentages und bei den Einigungsbemühungen in der Ökumene. H. knüpfte Beziehungen zu der orthodoxen Kirche Rußlands an und nahm 1957 an der Tagung des Lutherischen Weltbundes in Minneapolis (Minnesota, USA) teil.
Werke: Ev. Aktivität, in: Die Stunde der Kirche. Dem ev. Bisch. v. Berlin z. 15.5.1950. Dargereicht von den Gen.sup. der ev. Kirche in Berlin-Brandenburg, 1950, 227-240.
Gab heraus: Grüne Briefe der Bekennenden Kirche im Rheinland, 1933-45; Gebete, 1939; Christenfiebel, 1949.
Lit.: Joachim Beckmann, Predigt bei der Trauerfeier f. Präses D. H. H., in: Kirche in der Zeit. Ev. Kirchenztg. 12, 1957, 237 f.; - Präses H. H. Erinnerung u. Vermächtnis, 1958 (mit Bibliogr. u. Lit. über H.); - Albert Rosenkranz, Das ev. Rheinland. Ein rhein. Gemeinde- u. Pfr.buch II: Die Pfr., 1958, 199; - Günter Heidtmann, Vor 10 J. starb Präses D. H. H., in: Kirche in der Zeit. Ev. Kirchenztg. 22, 1967, 431 f.; - NDB VIII, 464 f.
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
Volkmar Wittmütz, H.H., der erste Präses d. Evang. Kirche im Rheinland, in: MeKG 56.2007, S. 29-42;- Stefan Flesch, Die Korrespondenz zwischen Hans-Joachim Iwand u. H.H. in d. Jahren 1949-1951, in: ebd. S. 273-292.
Letzte Änderung: 09.04.2011