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Band II (1990)Spalten 906-907 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

HLOND, Augustyn, Kardinal und Primas von Polen, * 5.7. 1881 in Brzechowice (Oberschlesien), † 22.10. 1948 in Warschau. - H. war der Sohn des Streckenwärters Jan H. und besuchte das deutsche Gymnasium in Myslowitz, erhielt seine weitere Ausbildung als Novize des Salesianerordens (1898) in Norditalien und studierte dann an der Gregoriana in Rom bis zur Promotion. In die Heimat zurückgekehrt, war er für einige Zeit als Hauslehrer in der Nähe von Auschwitz tätig und übernahm dann von 1919-1922 als Provinzial die Leitung der deutsch-österreichischen Salesianer-Provinz. Als 1922 Oberschlesien gegen das Abstimmungsergebnis der Bevölkerung geteilt und der östliche Teil Polen zugeschlagen wurde, erreichten die Spannungen zwischen dem polnischen und deutschen Bevölkerungsteil ihren Höhepunkt. Auf Wunsch der polnischen Geistlichkeit wurde H. 1922 zum apostolischen Administrator von Polnisch-Oberschlesien bestellt und bereitete die Bildung des späteren Bistums Kattowitz vor, dessen Bischof er 1925 wurde. In diesem Amt wirkte er im Sinne eines deutsch-polnischen Ausgleichs. Am 2.10. 1926 wurde H. zum Erzbischof von Gnesen ernannt und damit Primas von Polen, ein traditionell auch politisch bedeutsames Amt. Beim deutschen Überfall auf Polen 1939 reiste H. auf Drängen des Ministerpräsidenten, General Sklakowski, im September nach Rom, um hier für die Sache Polens zu wirken. Wegen der schnellen polnischen Niederlage konnte H. jedoch nicht mehr nach Polen zurückkehren, und die katholische Kirche des Landes war der Leitung durch ihren Primas beraubt. H. ging von Rom nach Frankreich, wo er 1944 von den Deutschen verhaftet wurde. Bei Kriegsende befand er sich in dem Kloster Wiedenbrück in Westfalen, von wo er am 20.7. 1945 nach Polen zurückkehrte. Mit großer Energie betrieb H. die Reorganisation der polnischen Kirche, deren Geistliche zu etwa einem Drittel ermordet, verschollen oder deportiert worden waren. Die kirchlichen Ausbildungsstätten wurden erneuert, neue Priester wurden geweiht und die in der Emigration befindlichen zurückberufen, der Religionsunterricht an den Schulen wurde wieder eingeführt, traditionelle kirchliche Großveranstaltungen wurden durchgeführt. Für die Neuordnung der kirchlichen Administration hatte H. vom Heiligen Stuhl besondere Vollmachten erhalten und schuf in den neuen Gebieten Polens im Westen die fünf neuen geistlichen Jurisdiktionsbezirke Oppeln, Allenstein, Landsberg, Danzig und Breslau. Mit der Schaffung des letzteren entzog H. dem Bistum Ermland die Jurisdiktion über die jetzt polnisch verwalteten Gebiete. Er trat für die Endgültigkeit der Oder-Neiße-Grenze ein. H. glaubte zunächst nicht, daß mit der Kommunistischen Regierung, die am 16.9. 1945 das Konkordat von 1925 gekündigt hatte und zu verschiedenen Repressionen gegenüber der Kirche schritt, ein dauerhafter Kompromiß ausgehandelt werden könne, da er wie die Mehrheit der katholischen Geistlichkeit ein Entgegenkommen der Regierung nur in ihrer relativen Schwäche und als taktisch motiviert ansah und außerdem der Meinung war, die Westmächte würden das Regime bald beseitigen. Inoffizielle Verhandlungen der Regierung mit dem Vatikan blieben ohne Ergebnis, und H. erließ Hirtenbriefe gegen die staatlichen Repressionen. Der offene Kirchenkampf kam jedoch erst unter H.s Nachfolger Stefan Wyszinski (s.d.) zum Ausbruch, den er selbst 1946 in Tschenstochau zum Bischof geweiht hatte.

Werke: Persecution of the Catholic Church in German-occupied London 1941; Na strazy sumienia; wybór pism i pzemówien z przedm, Ramsey (N. J.), 1951.

Lit.: HerKorr 2 u. 3, 1947/48 u. 1948/49; - Polonius (Pseud.), Von H. zu Wyszinski, in: Wort u. Wahrheit 12, 1957, 349-357; - Bernhard Stasiewski, in: Osteuropa-Hdb. Polen, Graz 1959, 104. 356 ff.; - Stanislaw Wilk, Peregrinations de guerre du primat A. H., in: Roczniki Aeologiczno-kanoniczne (= Annales de theologie et de droit canon) 21, Lublin 1974, 67-83; - Acht Aufsätze über H. in Bd. 42 der Reihe: Nasza przes osc, Studia z dziejow koscioa i kultury katolickiej w. polsce (= Notre passé, Etudes sur l'histoire de l'église et de la culture catholique en pologne), Krakau 1974 (mit Bibliogr.); - Gerhard Zoebe, August Kardinal Hlond - Primas von Polen, in: Frankf. Hefte 31, 1976, Nr. 6, 75-78; - RGG III, 371; - LThK V, 395f.

Friedrich Wilhelm Bautz

Ein weiterer Beitrag über HLOND, August Josef

Letzte Änderung: 30.08.2008