HORVÁTH, Alexander/Sándor Maria: Thomist und Dominikaner; * 6.8. 1884 im ungarischen Nagyátad (Taufname: Imre), † 4.3. 1956 in Stuhlweißenburg (ungar. Székesfehérvár). - Nach Vorstudien an der Schule von Kapisvár und dem von Zisterziensern geleiteten Gymnasium in Baja, tritt H. am 26.8. 1903 unter P. Sadok Szabó in den Dominikanerkonvent von Graz ein. Nach dem Noviziat und dem Studium der Philosophie und Theologie am Dominikanerstudium zu Graz wird er am 18.7. 1909 im Dom zu Graz zum Priester geweiht. Nachdem er im Juli 1911 Lektor der Theologie geworden ist, wird er von seinen Ordensoberen zu einem Komplementärstudium nach Freiburg im Uechtland geschickt, das er mit der Erlangung des philosophischen Doktorates im Juli 1913 abschließt. Von 1913-24 ist er Dozent an den Ordensstudienhäusern in Graz (Philosophie) und in Chieri bei Turin (Moraltheologie). Unterbrochen wird diese Tätigkeit von 1918 bis 1922, da er für diese Zeit zum Provinzial der Dominikanerprovinz Österreich-Ungarn gewählt wird. 1921 wird er in die St. Stephansakademie in Budapest gewählt. 1924 verläßt H. Oberitalien und zieht sich aus gesundheitlichen Gründen in seine Heimat zurück. Von 1928-30 lehrt er als Professor für Moraltheologie am Päpstlichen Collegium Angelicum in Rom. 1929 erscheint seine kontrovers diskutierte Studie zum Eigentumsrecht beim hl. Thomas, die auch beim Heiligen Offizium kritische Anfragen auslöst. An der theologischen Fakultät der Universität zu Freiburg in der Schweiz ist er von 1930-38 als Nachfolger von Sadok Szabó Professor für Spekulative Dogmatik. Sein schwieriger Stil führt hier zu gewissen Widerständen in der Studentenschaft, aber auch zu großer Sympathie bei jenen Hörern, die sich der Anstrengung des Begriffs nicht verweigern. Zu letzteren zählt der später sehr bekannt werdende italienische Philosoph Cornelio Fabro. Im Zuge der Neuerrichtung der ungarischen Ordensprovinz im Jahre 1938 durch P. Gillet wechselt H. nach Budapest, wo er zunächst Regens des Generalstudiums, kurz darauf auch Professor für Fundamentaltheologie an der Theologischen Fakultät der Universität wird. Zehn Jahre später wird er durch die neuen politischen Machthaber von seinem Lehrstuhl vertrieben und findet zunächst Aufnahme im Budapester Franziskanerkloster, ab 1954 im Priesterheim des ehemaligen Diözesanseminars von Stuhlweißenburg, wo er am 4.3. 1956 einem Gehirnaderkrampf erliegt. Sein Grab findet sich in der Zisterzienserkirche in Stuhlweißenburg. - H. kann sowohl auf dem Gebiet der Philosophie als auch jenem der spekulativen Dogmatik als einer der originellsten und spekulativ tiefsten Thomisten des 20. Jahrhunderts gelten. Dennoch wurden seine Arbeiten, sieht man von Cornelio Fabro, dessen bahnbrechende Studien zur Partizipationslehre beim Aquinaten von H. inspiriert sind, kaum rezipiert.
Werke (Auswahl): Metaphysik der Relationen, Graz 1914; Die Summa theologica des hl. Thomas von Aquin als Textbuch, in: DTh 2 (1915) 173-195; Die Grundfesten des Thomismus, in: DTh 2 (1915) 261-308; Kampf um den heiligen Thomas, in: DTh 4 (1917) 186-243; Aquinói Szent Tamás világnézete (Die Weltanschauung des hl. Thomas), Budapest 1924; Krisztus kiráöysaga (Das Königtum Christi), Budapest 1926; Das Eigentumsrecht nach dem hl. Thomas von Aquin, Graz 1929; Influxus Christi in evolutione imaginis Dei, in: Angelicum 6 (1929) 125-142; De virtute religionis, Rom 1929; De moralitate, Rom 1930; De voluntate humana, Rom 1930; La Sintesi scientifica di San Tommaso d'Aquino, Turin 1932; Der thomistische Gottesbegriff, Freiburg/Schweiz 1941; Heiligkeit und Sünde im Lichte der thomistischen Theologie, Freiburg/Schweiz 1943; Hitvédelmi Tanulmányok (Apologetische Studien), Budapest 1943; Örök eszmék és eszemei magvak Sz. Tamásnál (Die Rolle der ewigen Ideen und ideenhaften Keime nach dem hl. Thomas), Budapest 1944; Synthesis theologiae fundamentalis, Budapest 1947; Der wissenschaftliche Charakter der Apologetik, in: DTh 60 (1946) 29-44. 288-310 und ebd. 61 (1947) 29-53. 177-191. 188-198; Mulier amicta sole, Budapest 1948; Tractatus philosophici aristotelici-thomistici; I: Quaestiones ad logicam at cognitionem humanam referentes, Budapest 1949; Der Möglichkeitsbeweis in der Theologie, in: DTh 64 (1950) 63-78. 129-146. 274-292; Studien zum Gottesbegriff, Freiburg/Schweiz 1954.
Lit.: Stephan Schmutz, Nach der Lehre des hl. Thomas, in: Benediktinische Monatsschrift 13 (1931) 60-70 [Darstellung der Diskussion um »Das Eigentumsrecht«]; - Gallus M. Häfele, P. A.M. H. in piam et gratam memoriam, in: FZPhTh 3 (1956) 131-136; - AOP 64 (1956) 568; - LThK2 V (1960) 489; - Cornelio Fabro, La nozione metafisica di partecipazione, Turin 21963, 10-12. 140-143; - Heinrich Stirnimann, Erwägungen zur Fundamentaltheologie, in: FZPhTh 24 (1977) 309-311; - Tibor Hanák, Az elfelejtett renezánsz, Wien 1981, 92-109; - Bruno Tarnay, Ungarn, in: Christliche Philosophie II (1988) 829-831; - LThK3 V (1996) 282; - David Berger, Ratio fidei fundamenta demonstrat, in: Hubert Wolf (Hrsg.), Die katholisch-theologischen Disziplinen in Deutschland 1870-1962; Paderborn 1999, 117-118; - Dorothea Nebel, Die Lehrstuhlinhaber für Apologetik/Fundamentaltheologie und Dogmatik im deutschsprachigen Raum zwischen den beiden Vatikanischen Konzilien, in: ebd., 203; - David Berger, Die Rolle französischer Thomisten aus dem Dominikanerorden in der Entwicklung der deutschsprachigen Fundamentaltheologie des 20. Jahrhunderts, in: Angelicum 77 (2000) 579-616.
David Berger
Literaturergänzung:
David Berger, In d. Schule d. Hl. Thomas von Aquin. Studien zur Geschichte d. Thomismus. Bonn 2005, S. 63-68.
Letzte Änderung: 09.04.2011